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Seiteninhalthalt

Was ist ein Morbus Pompe und welche Ursache hat er?

(Video: sanofi-aventis (schweiz) ag)

Morbus Pompe ist eine seltene Erbkrankheit. Sie geht häufig mit schweren Beeinträchtigungen der Mus­ku­latur einher. Die Pompe´sche Erkrankung kann sowohl im Kindes-, als auch im Jugend- oder Erwachsenenalter in Erscheinung treten. Ursache dieser seltenen Krankheit ist ein Mangel oder das völlige Fehlen eines speziellen Enzyms, also eines Eiweißes (genannt saure α-Glukosidase oder auch als saure Maltase bezeichnet), das in den sogenannten Lysosomen der Zellen vorkommt.

Der Morbus Pompe ist unter anderem unter den Bezeichnungen „Glykogenose Typ II", „Glykogen­speicherkrankheit Typ II (Fachabkürzung: GSD-2)"  und auch unter „saurer Maltasemangel“ bekannt.

Die Pompe´sche Erkrankung wurde nach einem Arzt und Pathologen aus den Niederlanden mit Namen J. C. Pompe (1901-1945) benannt. Im Jahre 1932 hatte Pompe bei einem 7 Monate alten Mädchen eine Erkrankung beschrieben („Cardiomegalia glycogenica diffusa“), deren Ursachen er nicht kannte, bei der aber weitreichende Beteiligungen an verschiedenen Organen zu erkennen waren.

Bei Patienten mit M. Pompe ist der Organismus wegen eines Gendefektes nicht in der Lage, in ausreichender Menge das Enzym saure α-Glukosidase herzustellen. In verschiedenen Geweben unseres Körpers gibt es sogenannte Lysosomen. Dies sind sackähnliche Strukturen, in denen das bei M. Pompe-Patient nicht in ausreichender Menge vorhandene Enzym normalerweise vorkommt.

In den Lysosomen werden vor allem verschiedene größere Moleküle gespalten, sodass der Körper die Bestandteile weiterverwerten (oder auch ausscheiden) kann. Daher ist bei allen rund 40 bekannten lysosomalen Spei­cher­er­kran­kungen der Abbau von komplexen Molekülen in den Lysosomen krankhaft verändert. Die Symptome der verschiedenen lysosomalen Spei­cher­erkrankungen sind sehr unterschiedlich.

Fehlt wie beim Morbus Pompe die saure α-Glukosidase oder ist sie nicht genügend vorhanden, dann sammelt sich die Substanz Glykogen (eine Speicherform des Zuckermoleküls Glukose) in den Lysosomen an. Der Ausdruck lysosomale Speicherkrankheit kommt daher, dass sich bestimmte, eigentlich in den Lysosomen zu spaltende Stoffe (hier Glykogen), in den Lysosomen fortschreitend anhäufen (also „gespeichert“ werden). Die durch die Glykogenspeicherung verursachten Zellschäden führen bei Patienten mit einem Morbus Pompe vor allem in den Muskeln zu Symptomen. Im Verlauf der Erkrankung gehen immer mehr Muskelzellen zugrunde, sodass es zu einer Abnahme der Muskelmasse kommt. Daher wird der Morbus Pompe nicht nur zu den lysosomalen Speicherkrankheiten, sondern auch zu den stoffwechselbedingten Muskelerkrankungen (Fachbegriff: metabolische Myopathie) gezählt.  Es sei schon hier erwähnt, dass es viele weitere Muskelerkrankungen (Fachbegriff: Muskeldystrophien) gibt, bei denen es wie bei der Pompeschen-Krankheit zu einer Abnahme der Muskelmasse kommt.

Was bedeutet „seltene Erkrankung“ im Zusammenhang mit Morbus Pompe?

Erwachsener Pompe-Patient mit 24-Stunden-Beatmung (Tracheotomie)
Erwachsener Patient mit der Pompe´schen Erkrankung, der durch eine Schädigung der Atemmuskulatur eine 24-Stunden-Beatmung (mit Luftröhrenschnitt, Fachbegriff: Tracheotomie) benötigt, und durch die Muskelschwäche in Hüfte und Beinen auf den Rollstuhl angewiesen ist. (Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

Der Morbus Pompe gehört zu den seltenen Erkrankungen, deshalb sind genaue Angaben zur Häufigkeit bisher nicht möglich. Experten schätzen allerdings, dass die Erkrankung weltweit bei ungefähr einer von 40.000 Lebendgeburten auftritt.

Textauszug zum Video bitte hier öffnen

Prof. Kai Rösler: Man versucht Volkskrankheiten wie Diabetes zu behandeln und das ist sicher auch sehr wichtig und da werden auch viele Ressourcen hineingesteckt und dabei gehen diese ganz wenigen Patienten, die schlimme Krankheiten haben, die selten sind, ein wenig vergessen. Und es wäre gut, wenn das Bewusstsein für solche Krankheiten eben etwas angehoben würde. Krankheiten, die von einem einzelnen Allgemeinarzt einmal pro Praxisleben gesehen werden, sind sicherlich seltene Krankheiten. Deshalb rechnet der Arzt nicht damit, er rechnet mit etwas häufigem, dazu sind die Ärzte ja auch ausgebildet, dass sie zunächst die häufigen Krankheiten suchen, vermuten und auch zu diagnostizieren versuchen und darum gehen dann die Seltenen häufig zunächst einmal vergessen. Die Patientin hat ja einen Morbus Pompe und Morbus Pompe ist in ihrem Fall eine Krankheit, die die Muskeln schwächt, und man sieht es ja auch an der Art wie sie atmet. Sie braucht die Arme zum Atmen, damit sie die Atemmuskeln unterstützen kann. Sie hat auch einen Rollator, den Sie hier sehen damit sie laufen kann, damit sie nicht stürzt. Und sie wird zum Beispiel auch in der Nacht, wenn sie schläft, damit sie genügend Luft bekommt, wird sie beatmet mit einer Maske. Der Pompe ist eine Krankheit, die die Muskeln befällt und dadurch unterscheidet er sich nicht von vielen anderen Muskelkrankheiten, das sieht dann klinisch genau gleich aus, also der Patient, der eine Muskeldystrophie, einen Muskelschwund oder eine andere Muskelkrankheit hat, der sieht für den Arzt und für sich selbst eigentlich genau gleich aus, wie einer, der Morbus Pompe hat. Und damit ist das natürlich zu verwechseln und deshalb ist es speziell schwierig, diese Diagnose zu stellen.

Patientin: Ich war bereits als Kind sehr schwerfällig und fiel oft hin. Auch der Sportunterricht war sehr schwierig für mich, deshalb schwänzte ich ihn oft. Also ich dachte einfach, ich wäre extrem unsportlich, der Gedanke an eine Krankheit kam erst viel später, als ich plötzlich keine Treppen mehr steigen konnte. Vom Hausarzt zum Orthopäden, weiter zum Neurologen, dann ins Inselspital. Es wurde von einer Muskeldystrophie gesprochen, die Diagnose konnte erst nach sieben Jahren gestellt werden. Es war eine sehr schwierige Zeit, ich wurde auf der Straße wegen meiner komischen Gangart ausgelacht, dazu kam noch mein Atemproblem, es war einfach eine harte  Zeit.

Prof. Kai Rösler: Die Belastung für den Patienten, wenn die Diagnose so lange nicht gestellt wird, ist natürlich die Ungewissheit, in der er schwebt und so lange die Diagnose nicht gestellt ist, kann man ja auch keine Behandlung machen, und auch das ist natürlich extrem Belastend, wenn man sieht, dass sie Krankheit fortschreitet und es kann nicht geholfen werden.

Patientin: Einmal im Inselspital angekommen, gelangte ich schnell an Herr Prof. Rösler. Als ich die Diagnose  erhalten habe, fühlte ich mich erleichtert, dass die Krankheit einen Namen hat.

Prof. Kai Rösler: Wenn Sie eine Krankheit haben, die fortschreitet, Sie invalidisiert und jahrelang keine Diagnose gestellt wird und Sie noch immer keinen Spezialisten oder Arzt gefunden haben, der etwas davon zu verstehen scheint, dann ist es sicher angebracht, noch einmal zu insistieren und noch einen Arzt zu finden. Andere Patienten, die Beschwerden haben, die vielleicht ein, zwei Wochen dauern, die können vielleicht noch ein wenig warten mit der Suche nach einem Spezialisten. Meistens ist es ja dann keine seltene Krankheit oder eine schlimme unbehandelbare Krankheit, die dahinter steht, sondern es sind Symptome, die wahrscheinlich eher banal sind. Wenn aber eine seltene Krankheit dahinter steht, dann soll so ein Patient versuchen, sich in einer spezialisierten Uniklinik zu melden, weil die Chancen, dass er einen Spezialisten findet, der etwas davon versteht, ist an diesen Kliniken am höchsten.

Was sind die Hauptsymptome bei Morbus Pompe?

Die Symptomatik bei M. Pompe Patienten ist - vor allem bei den späteren Verlaufsformen - uneinheitlich.

Da Glykogen in den Muskelzellen (aber nicht nur dort!) des gesamten Körpers gespeichert wird, können Symptome auch fast überall auftreten. Diese nehmen mit der Zeit an Schwere zu.

Wenn Sie die nachfolgende oder eine andere Liste der Krankheitsanzeichen (Fachbegriff: Symptome) durchgehen, bedenken Sie bitte, dass nicht jeder, der an einem Morbus Pompe erkrankt, auch alle Symptome in genau der beschriebenen Art und Weise aufweisen muss (und auch umgekehrt nicht jeder mit den genannten Symptomen zwingend an einem M. Pompe erkrankt ist). Wenn die Krankheit fortschreitet, können sich auch die Symptome verändern; so können neue Beschwerden im Laufe der Zeit dazu kommen, andere unter Umständen wieder verschwinden.

Welche körperlichen Schädigungen können bei Morbus Pompe vorkommen?

Bei Säuglingen mit M. Pompe treten Symptome als Folge der Schädigung der Muskelzellen durch die abgelagerte Speichersubstanz meist bereits in den ersten Lebens­wochen oder -monaten auf. Nicht selten führt die Eltern eine beobachtete Trinkschwäche zum Kinderarzt. Der Säugling strengt sich beim Trinken erkennbar an, schwitzt dabei oft stark und ist rasch erschöpft, ohne ausreichend getrunken zu haben. Die Gewichtsentwicklung ist hierdurch meist verzögert. Vor allem im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern fällt der schlaffe Muskeltonus, die Unfähigkeit, den Kopf selbständig anzuheben, fehlende Krabbelaktivität und eine insgesamt reduzierte Spontanbewegung auf. Viele typische „Meilensteine“ der normalen Entwicklung werden nicht erreicht.

Bei einem späteren Einsetzen der Symptome im Kindes- und Jugendlichenalter ist besonders die Muskulatur des Schulter- und Beckengürtels, häufig aber auch des Rückens, auffällig betroffen.

Hierbei kann das Treppensteigen, das Aufstehen aus dem Sitzen und auch das Heben der Arme über Schulterhöhe merklich beeinträchtigt sein. Diese Krankheitszeichen verschlechtern sich im Laufe der Erkrankung durch die zunehmende Anreicherung der Speichersubstanz Gly­ko­gen in den betroffenen Muskeln. Bei manchen Patienten wird auch die Vergrößerung der Zunge (Fachbegriff: Makroglossie) beobachtet. Da bei dieser Erkrankung nicht nur die Muskeln, sondern gleichzeitig auch die beteiligten Nerven, die diese Muskeln versorgen, geschädigt werden können, kommt es zu verminderten bis hin zu völlig fehlenden Muskelreflexen (Fachbegriff: Areflexie). Sogar über Stimmverlust wurde bei einigen Morbus Pompe-Patienten berichtet.

Wie kommt es bei Morbus Pompe zu Schluckbeschwerden?

Auch die Muskulatur im Mund-, Rachen- und Halsbereich kann betroffen sein. Ebenso können die versorgenden Nerven geschädigt sein, was häufig zu einer Beeinträchtigung der Schluckfähigkeit führt.

Im Säuglings- und Kleinkindalter fällt dieses Symptom bereits früh durch entsprechende Probleme beim Saugen oder Füttern des Kindes auf, im späteren Alter dann durch häufiger auftretendes Verschlucken.

Wie kommt es bei der Pompe´schen Erkrankung zu der ausgeprägten Atemschwäche?

Das Alter, in dem die Erkrankung offenkundig wird, schwankt zwar sehr, jedoch kommt es meistens neben einer fortschreitenden Schwäche der Be­we­gungs­mus­ku­latur auch zu ausgeprägten Atemproblemen. Diese Probleme bei der Atmung treten mehr oder minder stark auf, sie sind aber typischerweise auf eine krank­heits­bedingte Zwerchfellschwäche zurückzuführen.

Der Schweregrad der Krankheitszeichen bei Morbus Pompe kann erhebliche individuelle Unterschiede auf­wei­sen. Das Zwerchfell als kuppelförmiger Muskel, der die Brusthöhle von der Bauchhöhle trennt, fungiert als mit Abstand wichtigster Atemmuskel. Wenn der M. Pompe schon im Säuglingsalter in Erscheinung tritt, dann kann es auch zu einer zunehmenden Herzmuskelschwäche mit Herzversagen kommen.

Welche typischen skelettbedingten Auffälligkeiten kommen bei Morbus Pompe vor?

Rückenschmerzen im unteren Bereich der Wirbelsäule, Verkrümmungen der Wirbelsäule (Fachbegriff: Skoliosen) sind auf eine unterentwickelte oder geschädigte Rumpfmuskulatur zurückzuführen. Deshalb trägt bei Patienten mit der Pompe-Krankheit die Wirbelsäule die hauptsächliche Last des Oberkörpers.

Hier wird also die Wirbelsäule nicht wie beim Gesunden durch die entsprechende Muskulatur unterstützt. Zur Stabilisierung des Gleichgewichtes kommt es oft zu einer kompensatorischen Gegenbewegung, was zu einem auffälligen Gangbild des Patienten oder einem insgesamt unsicheren Gang führt.

Wie kommt es bei der Pompe-Krankheit zu einer Herzmuskelbeteiligung?

Eine Herzmuskelbeteiligung (Fachbegriff: Kardiomyopathie) ist vor allem für die sehr schwere, frühe (sog. infantile) Verlaufsform des Morbus Pompe typisch. Das menschliche Herz besteht aus dem besonders ausdauernden, kräftigen und gut durchbluteten Herzmuskel. Die Speicherung des Glykogens führt zu einer Funktionsstörung der Herz­muskelzellen. Der Körper versucht für eine gewisse Zeitspanne, durch eine Verdickung des Herzmuskels zu reagieren. D.h. das Herz versucht, durch eine größere Herzmasse die schlechtere Funktion des geschädigten Herzmuskels wieder auszugleichen.

Der Herzmuskel kann dabei massiv vergrößert sein (Fachbegriff: Kardiomegalie). Allerdings kommt es im weiteren Verlauf der Erkrankung dann jedoch zu einem funktionalen Versagen des Herzens (Fachbegriff: Dekompensation des Herzens).

Eine relevante Beteiligung des Herzmuskels ist bei der später einsetzenden Verlaufsform der Pompe-Krankheit im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter zum Glück selten zu beobachten. Etwas gehäuft werden jedoch Herz­rhyth­musstörungen beobachtet.

Wieso ist bei Patienten mit Morbus Pompe manchmal auch die Leber beteiligt?

Ein Teil der Patienten mit M. Pompe zeigt eine Vergrößerung der Leber (Fachbegriff: Hepatomegalie). Tritt der für M. Pompe typische Mangel an saurer α-Glukosidase auf, kommt es auch in der Leber zur vermehrten Glykogenspeicherung.

Bei Blutuntersuchungen können daher im Labor erhöhte Leberwerte festgestellt werden. Ist die Leber stärker betroffen, kann es zu Funktionseinschränkungen kommen. In Einzelfällen ist auch ein Leberversagen durch eine Leberzirrhose beschrieben worden.

Wieso ist das Allgemeinbefinden bei Morbus Pompe beeinträchtigt?

Das Allgemeinbefinden von Betroffenen der Pompe-Krankheit ist oft deutlich reduziert. So führt eine eingeschränkte Belüftung der Lungen dazu, dass die notwendige Versorgung des Körpers mit Sauerstoff bzw. Abgabe von Kohlendioxid (anfangs vor allem im Schlaf) nicht optimal ist. Die Patienten klagen zum Teil über morgendliche Kopfschmerzen und Tagesmüdigkeit, aber auch chronische Erschöpfung (Fachbegriff: Fatigue). Dies kann bis hin zu Bewusstseinstrübungen bei M. Pompe-Patienten führen.
Bei Kindern werden oft die altersgemäßen Entwicklungs­stufen nicht oder nicht zeitgerecht erreicht. Die typische im Verlauf der Pompe-Erkrankung nachlassende Muskelkraft macht sportliche Aktivitäten schwierig, manche beruflichen oder persönlichen Ziele sogar unerreichbar.

Viele Patienten werden im Laufe der fortschreitenden Erkrankung rollstuhlpflichtig. Auftretende Beschwerden beim Kauen und Schlucken sind eine häufige Ursache für Untergewicht. Wenn die Schluckbeschwerden bei Kindern auftreten, sind sie auch für Gedeihstörungen verantwortlich. Daneben klagen Patienten auch über Magen-Darm-Probleme, wie z.B. Durchfälle oder auch Verstopfung.

Wie kommt es bei Morbus Pompe zu Gefäßveränderungen?

Auch Gefäßveränderungen sind in einigen Fällen bei Patienten mit Morbus Pompe beobachtet worden. Es herrscht allerdings derzeit noch keine Klarheit darüber, ob diese Veränderungen mit der Pompe-Erkrankung im direkten Zusammenhang stehen.

Beobachtet werden sich vergrößernde Ausbuchtungen von Blutgefäßen (Fachbegriff: Aneurysmen), die durch die zunehmende Wandspannung einreißen und so zu schweren Blutungen führen können. Bei diesen Krankheitsymptomen sind allerdings weitere Untersuchungen nötig.

Weitere Informationen zu Morbus Pompe finden Sie unter www.sanofi.de.

Diagnostik von M. Pompe Patienten - wie wird M. Pompe diagnostiziert?

Klinische Anzeichen bei Morbus Pompe-Patienten

Aufgrund der ausgeprägten Symptomatik und auch aufgrund des bedrohlich schnellen Voranschreitens der Erkrankung lässt sich bei Säuglingen mit der infantilen Verlaufsform des Morbus Pompe die Diagnose relativ zuverlässig stellen. Auf der Röntgenaufnahme des Brustkorbs findet sich oft ein stark vergrößertes Herz. Ein solcher Befund zeigt dem Arzt, dass hier eine ernsthafte Erkrankung vorliegt, die dann unbedingt abgeklärt werden muss. Aber auch andere von den Eltern oder vom Arzt beobachtete Symptome (z.B. Trinkschwäche, eine Verzögerung der motorischen Entwicklung oder Atemprobleme) können auf das Vorliegen des Morbus Pompe hinweisen. Gerade bei älteren Patienten mit der Pompe-Krankheit wird die richtige Diagnose oft erst nach längerer Erkrankungszeit und einem nervenaufreibenden Gang „von Pontius zu Pilatus“ gestellt. Leider sind viele Symptome der Pompe´schen Erkrankung den Symptomen anderer Erkrankungen sehr ähnlich und treten darüber hinaus häufig noch zeitlich versetzt und in individuell oft unterschiedlicher Reihenfolge auf.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Ärzte in ihrer Praxis noch nie einen Pompe-Patienten zu Gesicht bekommen haben. Es werden daher in der Regel erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen, bevor eine Diagnose wie die der so seltenen Krankheit des Morbus Pompe in Betracht gezogen wird. Bei manchen Patienten macht sich zuerst eine Muskelschwäche bemerkbar, andere stellen sich beim Arzt primär wegen ihrer Atemprobleme vor; während wieder andere noch nicht kurzatmig sind. Am häufigsten wird der Morbus Pompe als eine Muskelerkrankung, wie z.B. einer Muskeldystrophie vom Duchenne-, oder Gliedergürtel-Typ oder als eine entzündliche Muskelerkrankung wie der Polymyositis fehldiagnostiziert.

Laboruntersuchungen bei Morbus Pompe-Patienten

Wenn mehrere verdächtige klinische Krankheitszeichen vorliegen, dann werden zur weiteren diagnostischen Abklärung häufig Blutuntersuchungen durchgeführt. Dabei wird unter anderem das Enzym Kreatinkinase (Fachabkürzung: CK) bestimmt. Bei Muskelschädigungen fällt die Kreatinkinase im Körper vermehrt an (diese kann allerdings auch bei verstärkter Muskelarbeit kurzfristig erhöht sein). Findet sich nun bei der Blutuntersuchung ein erhöhter Kreatinkinase-Wert, dann folgt normalerweise eine krankheitsspezifischere Untersuchung. Eine CK-Erhöhung alleine sagt noch nichts aus und ist daher kein schlüssiger Beweis für das Vorliegen eines M. Pompe. Sie ist bei Pompe-Patienten zwar häufig erhöht (ca. 95% der Patienten), dies kann aber auch noch viele andere (und wesentlich häufigere) Ursachen haben.

Seit einigen Jahren ist zudem ein spezifischer Bluttest auf Morbus Pompe verfügbar, bei dem die Aktivität des fraglichen Eiweißes (saure α-Glukosidase) in bestimmten weißen Blutkörperchen gemessen wird. Bei einem auffälligen Befund erfolgt häufig eine genetische Untersuchung (meist ebenfalls aus einer Blutprobe) zur Sicherung der Diagnose durch ein spezialisiertes Zentrum. Die neueste Entwicklung in diesem Bereich ist die Verwendung des sogenannten Trockenbluttests (Fach­begriff: Dried blood spot, kurz DBS). Dieses neue Verfahren erlaubt eine zuverlässige Diagnose eines Morbus Pompe aus nur wenigen Tropfen Blut, die auf eine spezielle Filterkarte getropft und in einem Speziallabor analysiert werden.

Biopsie bei Morbus Pompe-Patienten

Ein weiteres diagnostisches Verfahren besteht in der Messung des bei der Pompe-Krankheit fehlenden bzw. in unzureichender Menge gebildeten Enzyms saure α-Glukosidase in einer durch Muskel- oder Hautbiopsie entnommenen Gewebeprobe. Bei kleinen Pompe-Patienten mit frühkindlicher Verlaufsform konnte das Enzym saure α-1,4-Glukosidase so gut wie gar nicht gefunden werden.

Es fand sich jedoch ein bis zu 10-fach erhöhter Glykogengehalt in den Muskelzellen als ein Ausdruck der nicht abgebauten Speichersubstanz. Für diese Untersuchung ist jedoch ein kleiner operativer Eingriff erforderlich und sie ist zudem sehr zeitaufwendig, sodass heute immer mehr die weit weniger belastenden vorgenannten Laboruntersuchungen zur Diagnose des M. Pompe genutzt werden.

Weitere diagnostische Methoden bei Morbus Pompe-Patienten

Die Diagnosestellung des M. Pompe ist auch vorgeburtlich, meist anhand einer Fruchtwasseruntersuchung oder Gewebeentnahme, möglich. Eine weitere Möglichkeit der Diagnosesicherung sind Genanalysen, die auch zum Auffinden möglicher Träger (Fachbegriff: Carrier) innerhalb einer Familie dienen können und für eine zuverlässige genetische Beratung z.B. vor einer geplanten Schwanger­schaft wichtig sind.

Diagnostik-Initiative für lysosomale Speicherkrankheiten – Ihr Arzt weiß mehr!

Ab sofort bietet die Diagnostik-Initiative von Archimed Life Science GmbH Ärzten bei Verdacht auf eine der seltenen Erkrankungen wie Morbus Gaucher, Morbus Fabry, Morbus Pompe oder auf MPS I die Aktivitätsmessung des jeweils betroffenen Enzyms per Trockenblut-Testung in einem anerkannten Speziallabor an. Die Sanofi-Aventis Deutschland GmbH unterstützt diese Diagnostik-Initiative, daher kann Archimed Ärzten die Trockenblut-Testung kostenfrei anbieten.

Lysosomale Speicherkrankheiten sind sehr selten, sie zählen zu den Orphan Diseases (seltene Krankheiten) und zeigen in ihrem Verlauf meist eine Vielzahl von verschiedenen Symptomen. Das macht die Diagnose sehr schwierig. Aus diesem Grund werden die Krankheiten bei vielen Patienten oft erst sehr spät erkannt. Schwere Organschäden können dann meist nicht mehr rückgängig gemacht werden. Eine frühzeitige Diagnose ist daher wichtig.

Wie verläuft die Therapie bei M. Pompe Patienten?

Säugling mit der „infantilen“ Form des Morbus Pompe.
Säugling mit der „infantilen“ Form des Morbus Pompe. Der Kopf kann nicht gegen die Schwerkraft gehalten werden (Head lag). Die Muskelspannung ist reduziert (Floppy Baby) (Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

Morbus Pompe-Patienten konnten bis vor wenigen Jahren nur unterstützend behandelt (Fachbegriff: symptomatisch) werden. Eine Behandlung, die den Mangel des fehlenden Enzyms hätte ausgleichen können, gab es nicht.

Neben der weiterhin wichtigen symptomatischen Therapie mit Krankengymnastik, Atmungsunterstützung und ggf. Hilfsmittelversorgung steht seit Anfang des Jahres 2006 Pompe-Patienten eine medikamentöse Therapie zur Verfügung. Diese lebenslang erforderliche Therapie hilft, das körpereigene Glykogen in den Lysosomen abzubauen.

Welche wissenschaftlichen Ergebnisse zur medikamentösen Therapie des Morbus Pompe liegen vor?

In wissenschaftlichen Untersuchungen bei sehr schwer betroffenen Säuglingen mit Morbus Pompe konnte die Therapie einen Nutzen für die Kindesentwicklung, die Herzfunktion, die Muskelkraft und die betroffene Atem­muskulatur der Säuglinge nachweisen.

Die zuständigen staatlichen Zulassungsbehörden haben aufgrund dieser Ergebnisse im Jahr 2006 die Zulassung für alle Verlaufsformen von Morbus Pompe erteilt.

Wie verhält sich die medikamentöse Therapie des Morbus Pompe bei späteren Verlaufsformen?

Erste Ergebnisse der klinischen Untersuchungen zur späten Verlaufsform des Morbus Pompe sind erstmals im Winter 2007 wissenschaftlich veröffentlicht worden. Dabei konnte eine Verbesserung bzw. Stabilisierung der Gehstrecke und der Atmung bei den Patienten nachgewiesen werden, im Gegensatz zu den Patienten, die in der Studie keine medikamentöse Therapie erhalten hatten.

Im Körper betroffener Patienten ersetzt diese spezifische Therapie das seit ihrer Geburt fehlende oder nicht voll funktionsfähige Enzym (Fachbegriff: saure α-Glukosidase).

Das zur Behandlung verabreichte Medikament gelangt über die Blutbahn zu den Zellen. Dort bindet es sich an bestimmte Bindestellen (Fachbegriff: Rezeptoren), woraufhin die Zelle das Medikament aufnimmt und in die Lysosomen transportiert.

Dort hilft es, das eingelagerte Glykogen abzubauen. Muskelzellen, die nicht unwiderruflich geschädigt sind, können sich nun ganz oder teilweise wieder erholen. Da es sich bei dem zugeführten Medikament um ein Eiweiß handelt, wird es vom Körper auch ganz natürlich und normal abgebaut. Der grundlegende genetische Defekt selbst wird dabei nicht behoben. Daher muss diese spezifische Therapie lebenslang durchgeführt werden.

Weshalb ist ein möglichst früher Therapiebeginn wichtig?

­Die durch den ererbten Enzymmangel im Prinzip bereits vor der Geburt beginnende Glykogenspeicherung in den Lysosomen führt – je nach Schwere des Enzymdefektes mehr oder minder schnell – zu einer zunächst reversiblen Funktionsstörung von Muskelzellen.  Mit weiter fortschrei­ten­der Speicherung kommt es dann zu unumkehrbaren (irreversiblen) Zellschäden. Hinzu kommt, dass die Regenerationsfähigkeit des Muskels (nicht zuletzt durch den M. Pompe selbst) begrenzt ist.  Verlorene Muskel­zel­len können durch die medikamentöse Therapie nicht ersetzt werden. Daher ist der maximal erreichbare Behandlungserfolg auch stark  abhängig von der Aus­gangs­situation. Die frühe Diagnose und ein rascher Therapiebeginn sind wichtig, weil die Erkrankungen sonst fortschreiten und dadurch ein Risiko für Folgekomplikationen entstehen kann.

Bis sich deutliche Therapieerfolge zeigen, wird in der Regel einige Zeit vergehen. Bei Säuglingen und Kleinkindern hat sich in den wissenschaftlichen Studien gezeigt, dass Leber und Herz schneller und in größerem Umfang auf die medikamentöse Therapie ansprechen als die Muskulatur des Skeletts. Die bisherigen Studien haben auch ergeben, dass sich ein Erfolg der Therapie nicht genau vorhersagen lässt. Die Therapie hat in einigen Fällen zum Stillstand der Krankheit geführt. In anderen Fällen haben sich auch das Wohlbefinden und vor allem zusätzlich die Atmungs­situation verbessert. In anderen Fällen hat sich darüber hinaus die Muskelkraft außerordentlich gebessert.

Welche auf die Krankheitszeichen des Morbus Pompe bezogenen Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die medikamentöse Therapie führt nicht zur Heilung. Daher ist neben der ursächlichen (Fachbegriff: kausalen) Therapie weiterhin auch  die Notwendigkeit der auf die Krank­heits­zeichen bezogenen (Fachbegriff: Sympto­matische Therapie) Therapie gegeben.

Durch das Zusammenspiel von kausaler und symptomatischer Therapie lässt sich die Lebensqualität der Patienten mit der Pompe-Krankheit deutlich verbessern.

Welche Atemtherapie gibt es bei Morbus Pompe?

Wenn bei Patienten mit Morbus Pompe die Atem­muskulatur ausgeprägt geschwächt ist, dann wird eine gezielte Atemtherapie notwendig. Hierbei steht die unterstützende Atemhilfe durch Druckbeatmung oder auch durch Volumenbeatmung im Vordergrund. Viele Pompe-Patienten benötigen früher oder später eine Atmungs­unterstützung. Der Vorteil einer Beatmung ist, dass den Patienten die Atemarbeit von dem Beatmungsgerät ganz oder teilweise abgenommen wird. Akut wird durch die maschinelle Beatmung ein mögliches Atemversagen verhindert.

Ein Beatmungsgerät pumpt befeuchtete und angewärmte Luft mit variablem Druck in die Lunge. Anfangs beschränkt sich in vielen Fällen die häusliche Beatmung auf die Nacht. Im weiteren Verlauf wird für den Patienten aber meist auch tagsüber eine Beatmung erforderlich.

In manchen Fällen wird erst im Zuge einer Klinikeinweisung wegen Atemversagens mit der Beatmung begonnen. In solchen akuten Notfällen wird der Patient normalerweise intubiert. Sobald die Atemfunktion wieder stabilisiert werden konnte, wird – sofern möglich – mit der „Entwöhnung" begonnen. Bei diesen Morbus Pompe-Patienten wird die künstliche Beatmung also schrittweise wieder verlassen und er atmet dabei wieder vermehrt selbstständig.

Wird über einen längeren Zeitraum eine 24-stündige Beatmungspflicht notwendig, dann bietet sich die Durchführung eines chirurgischen Luftröhrenschnitts (Fachbegriff: Tracheotomie) an.

Die nicht-invasiven Formen der unterstützten Beatmung bei Morbus Pompe-Patienten

CPAP (Fachbegriff: Continuous Positive Airway Pressure) bei Morbus Pompe-Patienten:
Bei einer CPAP-Atmung atmet der Pompe-Patient spontan (sowohl beim Aus- als auch beim Einatmen) mit einem dauerhaft gegenüber dem äußeren Luftdruck erhöhten Druck in Lungen und Luftwegen. Der konstante Druck hält die Luftwege offen und verhindert so ein Zusammenfallen (Fachbegriff: kollabieren) der Atemwege. Dadurch kommt ohne Mehrarbeit mehr Luft in die Lungen. Zudem werden „Atemaussetzer“ (Fachbegriff: Schlafapnoe) während der Nacht weitgehend verhindert.

BPAP (Bi-level Positive Airway Pressure, bisweilen nicht ganz korrekt auch als Bi-PAP® bezeichnet) bei Morbus Pompe-Patienten:
Bei dieser Abwandlung der CPAP werden 2 unter­schied­liche Druckstufen verwendet, die jedoch ebenfalls beide über dem äußeren Luftdruck liegen. Dabei verwendet man beim Einatmen einen höheren und beim Ausatmen einen niedrigeren Druck. Die BPAP ist besser geeignet für Patienten, die sich beim Ausatmen gegen einen konstanten Druck bei der CPAP-Atmung schwertun.

Die gängigen invasiven Beatmungsformen bei Morbus Pompe-Patienten

Hierbei ist ein vorhergehendes Einführen einer Hohlsonde in die Luftröhre (Fachbegriff: Intubation) oder ein Luftröhren­schnitt (Fachbegriff: Tracheotomie) erforderlich.

ACMV (Assist Control Mode Ventilation) bei Morbus Pompe:
Bei dieser häufig nach der anfänglichen Beatmung eingesetzten Beatmungsform wird bei der Einatmung ein vom Beatmungsapparat unterstützter Atemhub ausgelöst. Hierbei richtet sich eine maschinelle Beatmung nach dem Atemrhythmus des Pompe-Patienten. Zusätzlich erfolgt auch dann ein Hub durch die Maschine, wenn das spontane Einatmen des Morbus Pompe-Patienten ausbleibt.

SIMV (Synchronized Intermittent Mandatory Ventilation) bei Morbus Pompe-Patienten:
Bei dieser Beatmungsform atmet der Patient spontan. Und zwar zwischen einer genau einstellbaren Frequenz von maschinell geführten Zwangsatemzügen. Mit der SIMV kann bei gleichzeitiger maschineller Beatmung der wichtigste Atemmuskel, das Zwerchfell (Fachbegriff: Diaphragma), trainiert werden. So wird der Pompe-Patient auf die Entwöhnung (auf die allmähliche Rückkehr zur Spontanatmung) vorbereitet.

PSV (Pressure Support Ventilation) bei Morbus Pompe-Patienten:
Dieser Beatmungsmodus hilft u. a. Morbus Pompe-Patienten bei einer Entwöhnung von der maschinellen Beatmung. Der Patient erhält dabei nur dann einen maschinell unterstützenden Atemhub, wenn von dem Beatmungsgerät eine Einatmungsanstrengung des Patienten festgestellt wird. Bleibt ein spontanes Einatmen des Patienten aus, dann erfolgt bei der PSV-Beatmung im Gegensatz zur ACMV-Beatmung kein Hub durch die Beatmungsmaschine. In einigen Fällen kann die PSV- Atmung auch mit dem nicht-invasiven Beatmungsgerät sichergestellt werden.

HFV (High Frequency Ventilation) bei Morbus Pompe-Patienten:
Eine neuere Beatmungsart stellt die Hoch­fre­quenz­beatmung dar. Dabei wird mit geringeren Luftmengen in unnatürlich hohen Atemfrequenzen beatmet. Dadurch soll ein Risiko für eine Schädigung durch sich rasch ändernde Lungendrücke (Fachbegriff: Barotraumen) auf ein Minimum reduziert werden. Auf Neugeborenen - und Kinder­in­ten­sivstationen wird die HFV-Beatmung bereits routinemäßig eingesetzt. Bei Erwachsenen hingegen ist diese Methode noch nicht etabliert.

Ernährungsmaßnahmen bei Morbus Pompe-Patienten

Durch Probleme bei der Nahrungsaufnahme fällt es vielen Patienten mit der Pompe-Krankheit schwer, ein normales Gewicht zu halten. Die Ernährungsberatung kann den täglichen Protein- bzw. Kalorienbedarf des Pompe-Patienten ermitteln. Dieser Bedarf hängt unter anderem von der Körpergröße, dem Alter und vom Allgemeinzustand des Pompe-Patienten ab. In vielen Fällen wird eine auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmte Kost mit wenigen Kohlenhydraten und vielen Eiweißen verordnet. Damit sind bei manchen Pompe-Patienten gute Ergebnisse erzielt worden. In manchen Fällen empfiehlt sich noch ein Protein-Ergänzungspräparat, das gezielt Eiweißbausteine (Fach­be­griff: Aminosäuren) zuführt. Ernährungs­maßnahmen führen allerdings nicht immer zum gewünschten Erfolg. In einer 1997 durchgeführten wissenschaftlichen Studie konnte bei lediglich 25 % der Morbus Pompe-Patienten unter einer proteinreichen Kost eine Verbesserung der Atem- und Skelettmuskelfunktion gefunden werden.

Zur Gewährleistung einer langfristig ausreichend hohen Kalorienzufuhr kann eine künstliche Ernährung durch eine Magensonde erforderlich sein. Auch bei massiven Schluckschwierigkeiten, verbunden mit der Gefahr des Verschluckens von Speisen in die Atemwege (Fachbegriff: Aspiration) und Beatmungspflicht ist dies der Fall. Ist die künstliche Ernährung nur zeitweise erforderlich, dann geschieht dies üblicherweise über eine Nasensonde. Wird ein Patient mit M. Pompe längerfristig künstlich ernährt, dann empfiehlt sich die Anlage einer Sonde durch die sogenannte perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG). Generell wird bei der infantilen Verlaufsform die Indikation zur künstlichen Ernährung häufiger gestellt, weil hier die Muskelschwäche (Trinkschwäche!) regelmäßig besonders stark ist.

Körperliches Training, Bewegungstherapie und Physiotherapie bei Morbus Pompe-Patienten

Patienten mit der Pompe´schen Erkrankung profitieren in der Regel von individuell auf sie abgestimmten körperlichen Trainingsprogrammen. Damit soll dem Kräfteverfall ent­ge­gen­gewirkt und so die Fitness so lange wie möglich aufrechterhalten werden. Das ist am besten erreichbar, wenn damit sehr frühzeitig begonnen wird. Der Arzt ermittelt vor dem Beginn eines Übungsprogramms die individuelle Belastbarkeit des Pompe-Patienten. Ein für den jeweiligen Patienten maßgeschneidertes Trainings­pro­gramm wird dann anhand der dabei erhobenen Befunde erarbeitet. Kernstück dieses Programms sind nor­ma­ler­weise Übungen, z.B. auf einem Laufband oder Heimtrainer, im sogenannten aeroben Bereich, da eine Überanstrengung der Muskeln („Muskelkater“) vermieden werden sollte.

Ein physiotherapeutisches Übungsprogramm unterstützt die M. Pompe-Patienten positiv. Besonders Kleinkindern mit dieser Muskelschwäche bietet die Physiotherapie (umgangssprachlich auch als Krankengymnastik bezeichnet) die Möglichkeiten, ihre Umwelt trotz der Einschränkungen kennenzulernen. Auch können Physiotherapeuten den Eltern der Pompe-Patienten zeigen, wie sie die körperliche und geistige Entwicklung ihres Kindes optimal fördern können. Physiotherapeutische Übungen helfen beim Fortschreiten der Pompe-Krankheit, dem Kräfteverfall entgegenzuwirken und die Beweglichkeit möglichst lange aufrechtzuerhalten.

So kann das Alltagsleben erleichtert und die Belastung durch die krankheitsbedingten Veränderungen des Stütz- und Bewegungsapparats reduziert werden. Bei Pompe-Patienten mit einer Atemschwäche bieten sich spezielle Widerstandsübungen, z.B. ein Training der Atem­mus­kulatur, an. Physiotherapeuten können Patienten auch anderweitig behilflich sein: Mit entsprechenden Hilfen bleiben viele Patienten mit geschwächter Bein-, Becken- und Rumpfmuskulatur weiterhin relativ beweglich. So sichern zum Beispiel  Stock, Gehhilfe, Rollwagen/Rollator oder Rollstuhl sowie Knöchel- und Unterschenkelschienen vielen M. Pompe-Patienten weiterhin die Mobilität. In den fortgeschrittenen Stadien werden Hilfsmittel für den häuslichen Bereich wie Toilettensitz-Erhöhung, Duschstuhl, Wannenlifter etc. aber auch andere Umbaumaßnahmen für Patienten und pflegende Angehörige unentbehrlich. Die Ergotherapie ermöglicht, neue Erledigung von Alltagsaufgaben im Haushalt oder am Arbeitsplatz zu erlernen. Eine gezielte logopädische Therapie kann bei Sprech- und Sprachproblemen und bei Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme helfen.

Infektprophylaxe bei Morbus Pompe-Patienten

Bei M. Pompe ist die Verhinderung von Infekten fester Bestandteil des Therapiekonzepts. Da bei einer Mehrzahl der Patienten mit der Pompe´schen Erkrankung eine mehr oder minder ausgeprägte Atemschwäche vorliegt, sind diese Patienten für Infektionen der Lungen, wie z. B. Lungenentzündung, besonders anfällig. Zur Infektprophylaxe sollten die von der ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen, insbesondere gegen invasive Pneumokokken, Keuchhusten und die jährliche Grippeimpfung genutzt werden.

Jede Infektion muss – möglichst von einem mit M. Pompe vertrauten Arzt – sofort entsprechend behandelt werden. Sollte es trotz einer entsprechenden therapeutischen Maßnahme zu einer Verschlechterung kommen, ist häufig für die Dauer der Lungenfunktionsstörung eine Unterstützung der Atmung erforderlich.

Gentherapie bei Morbus Pompe-Patienten

Forscherteams auf der ganzen Welt versuchen seit vielen Jahren, durch Ersatz der krankhaften Gene eine spezielle Therapie zu entwickeln, die ursächlich die Erkrankung behebt. Im Idealfall wäre eine einmalig anzuwendende Behandlungsmethode zu entwickeln, die bei sehr früher Anwendung sogar die Heilung herbeiführen könnte. Ob und wann für Pompe-Patienten eine solche Möglichkeit zur Verfügung stehen kann, ist leider noch nicht abzusehen.

Hilfe in dieser besonderen Lebenssituation können Patienten oder Angehörige unter anderem auch bei Selbsthilfe-Organisationen finden. In Deutschland besteht innerhalb der Selbsthilfegruppe Glykogenose e.V. eine spezielle Arbeitsgruppe für M. Pompe. Diese setzt sich sehr aktiv für die Belange Betroffener oder Angehöriger ein. Diese Morbus Pompe Arbeitsgruppe ist in Deutschland mit weiteren Hilfsgruppen der seltenen Erkrankungen und über die Landesgrenzen hinweg mit der IPA (Abkürzung für: International Pompe Association) vernetzt.

Mehr Informationen hierzu unter: www.sanofi.de

Welche verschiedenen Krankheitsverläufe des Morbus Pompe sind bekannt?

Die Krankheitszeichen eines Morbus Pompe treten nicht unbedingt sofort bei den Patienten in den ersten Lebenswochen auf, obwohl diese Erkrankung angeboren ist. Es werden Patienten in unterschiedlichen Alters­­­­­­­­gruppen gefunden.

Man kann die Pompe-Krankheit nach der Schwere und nach dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen aufteilen in

  • eine frühe Form mit Auftreten schon im Säuglingsalter (Fachbegriff: infantile Verlaufsform)
  • und eine spätere Verlaufsform des Kindesalters, Jugendalters und Erwachsenenalters (Fachbegriff: juvenile/adulte Verlaufsform).

Wie wird die Lebenserwartung in den verschiedenen Verlaufsformen beeinflusst?

Bei der schwersten, der sogenannten infantilen (d.h. im Säuglingsalter auftretenden) Verlaufsform des M. Pompe, treten verschiedene Krankheitszeichen bereits in den ersten Lebenswochen oder Lebensmonaten auf, wobei sich der Zustand der kleinen Patienten meist rasch ver­schlech­tert. Dabei steht bei diesen Kindern eine massive Herz­vergrößerung im Vordergrund (diese findet sich praktisch nur bei der frühen Verlaufsform). Aufgrund ihrer stark verringerten Muskelspannung wirken die Säuglinge schlaff („floppy baby" ist der Fachausdruck im englischen Sprachraum). Häufig wird auch eine Trinkschwäche beobachtet, in deren Folge es häufig auch zu einer Gedeih- und Entwicklungsstörung kommt.

So lernt kaum eines dieser Kinder laufen, die meisten müssen künstlich beatmet werden. Infolge der schnell voranschreitenden Schädigungen der Muskulatur, die für die lebenswichtigen Funktionen unabdingbar ist, ver­ster­ben diese kleinen Patienten (Fachbegriff: mit infantiler Verlaufsform) in der Regel noch im 1. Lebensjahr.

Tritt der Morbus Pompe erst später, also im Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter auf, ist das Beschwer­de­bild in vielen Fällen zunächst uneinheitlich und unspezifisch. Häufig deuten die Symptome eher auf das Vorliegen anderer Erkrankungen der Nerven und Muskeln hin. Die Krankheit schreitet meist deutlich langsamer fort als bei Säuglingen mit der in­fantilen Verlaufsform. Der Morbus Pompe kann hier individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt verlaufen. Bei einigen Patienten treten nur leichte Krankheitszeichen mit geringfügigen Beein­träch­ti­gungen auf. Andere Patienten wiederum werden im späteren Verlauf unter Umständen rollstuhlpflichtig und/oder müssen beatmet werden. Kommt es durch eine fortschreitende Schwäche der Atemmuskulatur (ins­be­son­dere des Zwerchfells) zu einer fortschreitenden Atem­schwäche, die bis hin zu einem Versagen der Atmung führen kann, dann ist auch die Lebenserwartung bei diesen Patienten häufig verkürzt.

Weitere Informationen zu Morbus Pompe finden Sie unter www.sanofi.de.

Pompe Kompetenzzentren

Spezialisierte Kliniken und Zentren, die sich mit den Erkrankungen M. Gaucher / M. Fabry / M. Pompe und MPS I beschäftigen, sind hier aufgelistet.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Patient – vom ersten Verdacht auf eine lysosomale Speicherkrankheit bis zur Therapie – oft eine Odyssee bei unterschiedlichen Fachärzten durchläuft.

Spezialisierte Kliniken und Zentren verfügen über langjährige Erfahrung in der Betreuung von Patienten mit lysosomalen Speicherkrankheiten. Dieses Wissen möchten sie Ärzten und Patienten gerne zur Verfügung stellen und haben deswegen ihre Kontaktdaten angegeben.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die entsprechenden Kliniken und Zentren.

Hinweis:
Die auf dieser Website befindliche Liste von spezialisierten Kliniken bzw. Zentren ist nicht abschließend. Bislang nicht aufgeführte Zentren können jederzeit ergänzt werden.

Morbus Pompe - Symptome, Diagnostik, Therapie

Was ist Morbus Pompe?

M. Pompe ist eine seltene, autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselstörung aus der Gruppe der lysosomalen Speichererkrankungen, die auf einem genetisch bedingten Mangel eines Enzyms beruht und mittels Substitution dieses Enzyms therapierbar ist. (Hirschhorn R 2001;  van der Ploeg AT et al 2017)
Die Pompe-Krankheit ist unter anderem auch als „Myopathie bei Mangel an saurer Maltase" (englisch: Acid Maltase Deficiency, AMD), „α-1,4-Glukosidase-Mangel" bzw. „saure α-Glukosidase-Mangel", „Glykogenspeicher­krankheit Typ II; GSD II" bzw. „Glykogenose Typ II" bekannt. M. Pompe zählt zu den metabolischen Myopathien und ist eine Glykogenspeichererkrankung. Der ICD10 Code für die Diagnose „Morbus Pompe“ lautet „E74.0“.

Die Inzidenz des M. Pompe wird auf ca. 1:40.000-1:200.000 geschätzt. (Schoser B 2015) Die Erkrankung beruht auf einem genetisch bedingten Mangel oder dem völligen Fehlen des lysosomalen Enzyms saure α-Glukosidase (GAA, saure Maltase). Die GAA baut insbesondere in den Lysosomen des Muskelgewebes Glykogen zu Glukose ab. Durch den Mangel an Enzym akkumuliert das Glykogen in den Lysosomen. Wie bei anderen lysosomalen Speicherkrankheiten auch, werden zuerst die Zellen in ihrer Funktion beeinträchtigt und zunehmend im Verlauf das gesamte Muskelgewebe. Einmal eingetretene Schäden sind meist irreversibel. (Hirschhorn R 2001; Hundsberger T 2010)

Abb. Nachweis vermehrter Glykogeneinlagerung in einigen Muskelfasern (PAS Färbung des M. vastus lateralis links).(Bildquelle: Institut für Neuropathologie, Universitätsklinik Mainz)

Durch die zunehmende irreversible Schädigung der Muskulatur kann die Lebenserwartung von Pompe Patienten stark verkürzt sein: Betroffene, die bereits früh im Säuglingsalter erkranken (infantile Verlaufsform), versterben unbehandelt meist innerhalb des ersten Lebensjahres. Bei späterem Beginn der Erkrankung (juvenil/adulte Verlaufsform) droht den Patienten die Abhängigkeit von Rollstuhl und Beatmungsgerät. Sie haben langfristig eine reduzierte Lebenserwartung. (Hagemans ML 2004)

Seit 2006 ist eine spezifische Therapie für Morbus Pompe verfügbar. Damit ist M. Pompe die erste genetisch bedingte neuromuskuläre Krankheit, die mittels einer Enzymersatztherapie kausal behandelbar ist. Um irreversiblen Schäden vorzubeugen, ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. Die wissenschaftliche Diagnostik-Initiative der ARCHIMED Life Science GmbH bietet Ärzten bei Verdacht auf M. Pompe die Aktivitätsmessung des betroffenen Enzyms per Testung mittels Trockenblutkarte in einem anerkannten Speziallabor an. Die Sanofi-Aventis Deutschland GmbH unterstützt diese Diagnostik-Initiative, daher kann ARCHIMEDlife Ärzten die Trockenbluttestung kostenfrei anbieten.

Die Pompesche Krankheit war auch Thema des Kinofilms „Ausnahmesituation“ von 2010, mit Brendan Fraser und Harrison Ford in den Hauptrollen. Der Film erzählt die wahre Geschichte eines Vaters von zwei Kindern mit dieser Erkrankung, der den Mut zu einer besonderen Art der Selbsthilfe hatte: Er kündigte seinen Job, um in einem selbst gegründeten Bio-Tech-Unternehmen eine Therapie für die unheilbare Pompe Krankheit zu finden.

Hirschhorn R, Reuser AJJ. Glycogen storage disease type II: acid alpha-glucosidase (acid maltase) deficiency, in: Scriver C, Beaudet A, Sly W et al. eds, The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease, New York: McGraw Hill, 2001:3389-3420
Hundsberger T et al. Schweiz Arch Neurol Psychiat 2010; 161:55–59
Schoser B et al. Neuromuscular Disorders 2015; 25:674–678
Hagemans ML et al. Neurology 2004;63:1688-1692
van der Ploeg AT et al, Eur J Neurol. 2017; 24: 768-e31

1. Morbus Pompe Symptome

Die Glykogenspeicherkrankheit M. Pompe ist eine progredient verlaufende Myopahtie (fortschreitende Muskelerkrankung), die zu andauernder Behinderung führen kann und im fortgeschrittenen Stadium häufig lebensbedrohend ist. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zur Degeneration (Schädigung) von Skelett-, Atem- und teilweise (beim infantilen M. Pompe) auch Herzmuskulatur aufgrund der Akkumulation (Anreicherung) von Glykogen in den Lysosomen der Muskelzellen. Das klinische Bild der neuromuskulären Erkrankung ist sehr vielfältig, denn die Symptomatik und der Krankheitsverlauf sind individuell sehr verschieden. Es werden mehrere Verlaufsformen unterschieden. (Hirschhorn R 2001; Kishnani PS et al 2006; van der Ploeg AT et al 2008)

Abb. Unbehandelt verläuft die lysosomale Speicherkrankheit Morbus Pompe unaufhaltsam progredient. (Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

Hirschhorn R, Reuser AJJ. Glycogen storage disease type II: acid alpha-glucosidase (acid maltase) deficiency, in: Scriver C, Beaudet A, Sly W et al. eds, The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease, New York: McGraw Hill, 2001:3389-3420
Kishnani et al. Genet Med 2006; 8: 267-288
van der Ploeg et al. Lancet 2008; 372: 1342-1353

1.1 Wie ist der Krankheitsverlauf bei Morbus Pompe bzw. welche verschiedenen Verlaufsformen gibt es?

Der Schweregrad und damit die Lebenserwartung variieren bei der Pompe Krankheit stark; sie sind u.a. abhängig

  • von der Enzym-Restaktivität in den Lysosomen der Zellen, denn nicht immer fehlt das Enzym vollständig und
  • vom Alter, in dem die Symptome zum ersten Mal auftreten. (Hirschhorn R 2001; Kishnani PS et al 2006; van der Ploeg AT et al 2008)

Anhand des Zeitpunkts des ersten Auftretens von Morbus Pompe Symptomen wird bei der lysosomalen Speicherkrankheit zwischen zwei Verlaufsformen unterschieden:

  • der frühen (infantilen) Verlaufsform und
  • der späten (juvenilen/adulten) Verlaufsform

Das deutsche Heilmittelwerbegesetz (HWG) schreibt vor, den Zugang zu fachspezifischen Inhalten zu rezeptpflichtigen Medikamenten nur Fachkreisen zu ermöglichen.
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Natürlicher Spontanverlauf des M. Pompe: Während der Verlauf der (unbehandelten) infantilen Fälle recht ähnlich und zumeist rasch tödlich verläuft, ist der Verlauf der juvenilen bzw. adulten Verlaufsform wesentlich heterogener. Typisch ist jedoch die häufig rasche Verschlechterung, sobald ein gewisser Schweregrad erreicht wurde. Basierend auf Hirschhorn & Reuser. The Metabolic and Molecular Basis of Inherited Disease. (2001) 8th edition; Hagemans MLC et al. Neurology. 2005; 64: 2139-2141; Hagemans MLC et al. Neurology. 2006; 66:581-583.

Hirschhorn R, Reuser AJJ. Glycogen storage disease type II: acid alpha-glucosidase (acid maltase) deficiency, in: Scriver C, Beaudet A, Sly W et al. eds, The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease, New York: McGraw Hill, 2001:3389-3420
Kishnani et al. Genet Med 2006; 8: 267-288
van der Ploeg et al. Lancet 2008; 372 :1342-1353

1.1.1 Die infantile Verlaufsform

Die infantile Form (engl. Infantile Onset Pompe Disease = IOPD) betrifft Säuglinge. In der Diagnostik ist nur noch eine geringe oder keine GAA-Aktivität (<1%) nachweisbar. Die Säuglinge erkranken in den ersten Lebensmonaten sehr schwer und bewegen sich nur wenig und die Muskeln wirken schlaff („floppy infants“). Neben der Atem- und Skelettmuskulatur ist der Herzmuskel besonders betroffen von der Glykogenspeicherung. Die Folgen sind eine oft ausgeprägte Hypertrophie (Vergrößerung) des Herzmuskels mit der Folge der Herz-Lungen-Insuffizienz und  einer generellen Muskelschwäche (muskuläre Hypotonie). Unbehandelt verstirbt die überwiegende Mehrheit der Kinder innerhalb ihres ersten Lebensjahres meist aufgrund eines kardiorespiratorischen Versagens. (Kishnani PS 2006; van den Hout HM 2003, Hahn A 2012)

Abb. Säugling mit der infantilen Form des Morbus Pompe. Der Kopf kann nicht gegen die Schwerkraft gehalten werden (Head lag). Die Muskelspannung ist reduziert („floppy infant“).(Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

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Kishnani PS et al. J Pediatr 2006;148:671-676
Van den Hout HM et al. Pediatrics 2003;112:332-340
Hahn A et al. Monatsschr Kinderheilkd. 2012; 160: 1243-1250

1.1.2 Die juvenil/adulte Verlaufsform

Die juvenil /adulte Verlaufsform, häufig auch als Spätform (engl. Late Onset Pompe Disease = LOPD) bezeichnet, kann Kinder, Jugendliche und Erwachsene betreffen. Bei ihnen sind Restaktivitäten an saurer α-Glukosidase bis zu 30% nachweisbar. (van der Ploeg AT 2008) Die Glykogenose macht sich vor allem in der Skelett- und Atemmuskulatur bemerkbar. Das Voranschreiten der Muskelschwäche ist zwar langsamer als bei Säuglingen, ist aber ebenso unaufhaltsam progredient. Je länger die Krankheit voran schreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Pompe-Patient auf einen Rollstuhl und ein Beatmungsgerät angewiesen ist. (Hagemans ML 2005) Die Lebenserwartung ist langfristig reduziert. (Hagemans ML 2004) Häufig ist auch die Lebensqualität der Betroffenen stark vermindert. Ihre Arbeitsfähigkeit ist beeinträchtigt und mit der Zeit sind sie mehr und mehr auf Unterstützung im Alltag angewiesen. (Hagemans ML 2004) Darum ist es wichtig, dass der Abstand zwischen dem Auftreten der Symptome und der Diagnosesicherung möglichst kurz gehalten wird. Dann kann eine Therapie beginnen, bevor irreversible Organschäden auftreten. (Schoser B 2009) Die Untersuchung des M. Pompe kann in speziell auf neuromuskuläre Krankheiten spezialisierten Kliniken oder in interdisziplinären Zentren erfolgen.

Abb.:Krankheitsprogression lysosomaler Speicherkrankheiten wie M. Pompe im Modell: Zunächst manifestieren sich die Schädigungen auf zellulärer Ebene. Bei Fortschreiten der Erkrankung kommt es zu Gewebeschäden und schließlich kann die Funktion ganzer Organe beeinträchtigt werden. Bei der infantilen Verlaufsform des M. Pompe sind vor allem die Herz-, Atem- und Skelettmuskulatur betroffen.(Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

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Van der Ploeg AT, Reuser AJJ. Lancet 2008;372:1442-1353
Hagemans ML et al. Neurology 2005;64:2139-2141
Hagemans ML et al. Neurology 2004;63:1688-1692
Schoser B et al. Psychopharmakotherapie 2009;16:192-197

1.2 Welche Symptome treten bei Morbus Pompe auf?

Morbus Pompe zählt zu den metabolischen Myopathien. Ursache der typischen Symptomatik von M. Pompe ist eine zunehmende Schädigung des Muskelgewebes infolge der pathologischen Speicherung von Glykogen in den Lysosomen der Muskelzellen. Betroffen ist vor allem die proximale (rumpfnahe) Skelett-, die Atem- und bei Säuglingen auch die Herzmuskulatur. Bei der juvenil/adulten Verlaufsform des M. Pompe zeigt sich das Symptombild einer proximal betonten Muskelschwäche und oft auch eine Schwäche der Atemmuskulatur, die sich bei Erwachsenen zunächst in einer nächtlichen Atemstörung äußern kann. Die Symptome nehmen mit der Zeit an Schwere zu.

Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten. Wann die Symptome beginnen, hängt von den verschiedenen Mutationen und der Restaktivität des Enzyms saure α-Glukosidase in den Lysosomen der Zellen und damit der Ausprägung der Glykogenose ab.

1.2.1 Welche Symptome zeigen sich bei Pompe-Patienten mit infantiler Verlaufsform?

Bei der frühkindlichen (infantilen) Form treten die Morbus Pompe Symptome bereits in den ersten Lebensmonaten auf. Die allgemeine Muskelschwäche (muskuläre Hypotonie)  kann zu einem „Floppy Infant Syndrom“ führen: Die Babys wirken schlaff, bewegen sich kaum und können ihren Kopf nicht selbständig heben. Weitere Anzeichen können verstärktes Schwitzen vor allem beim Trinken, eine Trinkschwäche und vermehrte Atemwegsinfekte sein. Die motorische Entwicklung ist verzögert. Die Säuglinge fallen häufig durch ein stark vergrößertes und in seiner Funktion beeinträchtigtes Herz (Kardiomegalie) auf. Unbehandelt versterben die meisten Babys noch innerhalb des ersten Lebensjahres an kardiorespiratorischem Versagen. (Hahn A 2012, Kishnani PS et al, 2006)

Hahn A et al. Monatsschr Kinderheilkd. 2012; 160: 1243-1250
Kishnani et al. Genet Med.2006;8:267-288

1.2.2 Welche Symptome treten auf, wenn die Erkrankung im Kindes- oder Jugendalter beginnt?

Beginnt die Krankheit im Kindes- oder Jugendalter (juvenile Form), fallen die Kinder  zuerst oft durch Unsportlichkeit und mangelnde Bewegungsfreude auf. Ihre motorische Entwicklung ist oft verzögert, die Muskeleigenreflexe vermindert. Auffällig ist häufig auch eine Schwäche der Nackenmuskulatur. Als weitere Symptome können eine Skoliose oder ein Rigid-Spine-Syndrom sowie Kontrakturen der Hüft-, Knie- und Sprunggelenke auftreten. Die Kinder entwickeln schon früh eine muskuläre Atemstörung. (Hahn A 2012; Cupler EJ 2012; van Capelle CI 2016)  

Mögliche Symptome des juvenilen M. Pompe (van Capelle CI 2016)
Fortschreitende rumpfbetonte Museklschwäche  
  • Verzögerte motorische Entwicklung
  • Progrediente Muskelschwäche:
    • Schwäche der Nacken- und Gesichtsmuskulatur
    • Häufiges Stolpern/Fallen
    • Probleme beim Rennen/Sport
    • Schwierigkeiten beim Treppensteigen
    • Erschwertes Aufrichten aus der Rückenlage
    • Erschwertes Aufstehen aus der Hocke oder dem Sitzen (Gowers-Zeichen)
    • Verminderte oder fehlende Reflexe
  • Orthopädische Probleme:
    Wirbelsäulendeformation (z.B. Skoliose)
  • Scapula alata
Zwerchfell- bzw. muskuläre Atemschwäche 
  • Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Belastungsdyspnoe
  • Tagesmüdigkeit
  • rezidivierende Infekte
LaborbefundeErhöhte Werte für:
  • Kreatinkinase (CK)
  • Laktatdehydrogenase (LDH)
  • Aspartat-Aminotransferase (AST)
  • Alanin-Aminotransferase (ALT)
Weitere häufige Erstsymptome 
  • Anhaltende, unklare Diarrhö
  • Unklare Fatigue
 

Hahn A et al. Monatsschr Kinderheilkd. 2012;160:1243-1250
Cupler EJ et al. Muscle Nerve. 2012;45:319-333
van Capelle et al. Orphanet Journal of Rare Diseases 2016;11:65

1.2.3 Welche Symptome treten auf, wenn die Krankheit im Erwachsenenalter beginnt?

Im Erwachsenenalter (adulte Form) können sich die ersten milden Anzeichen der Erkrankung bereits Jahre bevor der Patient deswegen einen Arzt aufsucht, bemerkbar machen. Zu Beginn lässt die Fitness nach, das Laufen und besonders das Treppensteigen fallen schwerer. Bei Anstrengung kommen die Patienten schneller außer Atem (Belastungsdyspnoe), beim Aufstehen aus der Hocke müssen sie sich zunehmend abstützen (Gowers-Manöver). Beim Gehen muss die Hüfte mit einer Rumpfdrehung nach vorne gebracht werden, was zu einem entenähnlichen „Watschelgang“ führt (Trendelenburg-Gang). Ursache ist eine fortschreitende Schwäche der Rumpfmuskulatur sowie der Muskulatur der proximalen Extremitäten.

Abb. Gowers-Manöver: Aufgrund der Muskelschwäche stützen sich die Patienten beim Aufstehen aus der Hocke ab.

Neben der Skelettmuskulatur des Rumpfes können auch die Atemmuskulatur und insbesondere das Zwerchfell geschwächt sein. Die Zwerchfellschwäche kann zu Atemstörungen führen, die zunächst nachts auftreten. Die Folge sind Tagesmüdigkeit und Erschöpfungszustände. Ebenfalls durch die Zwerchfellschwäche kann es in Rückenlage zur paradoxen Atmung kommen, bei der sich der Thorax bei der Inspiration einzieht und bei der Exspiration ausdehnt. Der Hustenstoß im Liegen ist oft deutlich schwächer als im Sitzen. (McCool FD 2012; Perrin C 2004)

Mögliche Symptome des adulten M. Pompe im Überblick
Laborbefunde
  • Unklare persistierende Hyper-CK-ämie:400 – 2.000 U/L bzw. 6– 35 μkat/L
 
Gliedergürtel-/Proximale Muskelschwäche
 
  • Trendelenburg-Zeichen / wiegender Gang
  • Positives Gowers-Zeichen
  • Probleme beim Treppensteigen
  • Erschwertes Anheben von Lasten
  • ParaspinaleAtrophie / axiale Schwäche / Rigid-Spine-Syndrom
  • Scapula Alata
  • Skoliose / Hyperlordose / Hyperkyphose
Zwerchfell- bzw. muskuläre Atemschwäche 
  • Morgendlicher Kopfschmerz
  • Tagesschläfrigkeit
  • Belastungsdyspnoe
  • Atemnot im Liegen / Orthopnoe
  • Paradoxe Atmung
 

Abb. Die proximale Muskelschwäche bei Morbus Pompe im Erwachsenenalter betrifft vor allem die Skelett- und Atemmuskulatur (modifiziert nach van der Beek N 2012). (Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

McCool FD et al. N Engl J Med. 2012;366:932-942
Perrin C et al. Muscle Nerve. 2004;29:5-27
Van der Beek N et al. Orphanet Journal of Rare Diseases 2012;7:88

 

 

1.2.4 Welche Symptome treten mit fortschreitender Erkrankung auf?

Die lysosomale Speicherkrankheit Morbus Pompe kann in ihrem Verlauf zu sehr starken gesundheitlichen Einschränkungen führen. Denn unbehandelt verläuft diese Muskelkrankheit (metabolische Myopathie) unaufhaltsam progredient, mit zunehmender Muskelschwäche bis hin zur Immobilisation und schwerer muskulärer Atemstörung.

Mit Fortschreiten der Erkrankung nimmt auch die Schmerzsymptomatik, bedingt u.a. durch Muskelschmerzen (Myalgien), zu. Schmerzen treten vor allem in den Beinen, aber auch Schultern und im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Auch Krämpfe können auftreten und die Lebensqualität der Patienten zusätzlich beeinträchtigen. (Güngör D 2013)

Die zunehmende Atemmuskelschwäche macht sich in vielen Fällen zunächst als Belastungsdyspnoe und während des Schlafs bemerkbar. Der Schlaf wird mehr und mehr gestört. Anfangs betreffen die Störungen nur die REM-Schlafphasen, in fortgeschrittenen Krankheitsstadien kann es zu länger andauernder Hypoventilation mit Anstieg des nächtlichen CO2 kommen, sodass schließlich alle Schlafstadien beeinträchtigt sind. (Ragette R 2003) Es können  sich zunehmende Symptome wie morgendliche Kopfschmerzen, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Tagesschläfrigkeit zeigen. Die nächtliche Hypoxie kann u.a. auch mit pulmo-arteriellem Hochdruck bis zum Cor pulmonale einhergehen. (Sieb JP 2009)

Je länger die Krankheit voran schreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Pompe-Patient auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Wie eine Studie zeigt, steigt sie in jedem Jahr nach Diagnosestellung um ca. 13%. Zusätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine künstliche Beatmung aufgrund einer respiratorischen Insuffizienz notwendig wird, in jedem Jahr um ca. 8%. (Hagemans ML 2005) Langfristig ist die Lebenserwartung reduziert. (Hagemans ML 2004)

Güngör D et al. Mol Genet Metab 2013;109:371–376
Ragette R et al. Pneumologie 2003;57:729-733

Sieb JP, Schrank B, Diagnostik und Therapie von Muskelerkrankungen, in: Sieb JP, Schrank B, Neuromuskuläre Erkrankungen, Verlag W. Kohlhammer 2009

Hagemans ML et al. Neurology 2005;64:2139-2141

Hagemans ML et al. Neurology 2004;63:1688-1692

1.3 Was ist bei einem Verdacht auf Morbus Pompe zu tun?

Bei Symptomen wie einer anhaltenden, moderaten CK-Wert-Erhöhung unklarer Ursache in Kombination mit Symptomen einer proximalen Muskelschwäche und/oder Atmungsstörung sollte auch an die lysosomale Speicherkrankheit M. Pompe gedacht werden. Die Diagnose lässt sich mit Hilfe eines einfach anzuwendenden Trockenbluttestes sicherstellen. Dazu wird die Restaktivität des Enzyms saure α-Glukosidase bestimmt. Die direkte Bestätigung kann durch molekularbiologische Untersuchung aus derselben Probe erfolgen. Bestätigt sich der Verdachtsfall, sollte der behandelnde Arzt verschiedene Untersuchungen z.B. in einer auf neuromuskuläre Erkrankungen spezialisierte Klinik verlassen.

1.4 Wer ist bei einem Morbus Pompe Verdachtsfall der richtige Ansprechpartner?

Morbus Pompe Symptome sind sehr vielfältig. Im Vordergrund stehen bei der späten Verlaufsform des M. Pompe Probleme bei der Bewegung sowie Atmungs- und konsekutive Schlafstörungen. Die Patienten suchen daher oft eine Reihe verschiedener Ärzte auf (z.B. Pädiater, Hausarzt, Neurologen, Pneumologen, Schlafmediziner, Rheumatologen), ehe der Verdacht auf einen M. Pompe gestellt wird. Grundsätzlich kann der Verdacht auf M. Pompe durch einen einfachen Trockenbluttest gesichert werden. Da die Erkrankung als Myopathie vom Symptombild zu den neuromuskulären Erkrankungen zählt, finden sich Spezialisten für M. Pompe vor allem an Kliniken für Neurologie (neuromuskulären Zentren) und Pädiatrie, insbesondere Neuropädiatrie. In einem u.a. auf Morbus Pompe spezialisierten Zentrum arbeiten Ärzte der verschiedenen Fachgebiete interdisziplinär zusammen.

Hirschhorn R, Reuser AJJ. Glycogen storage disease type II: acid alpha-glucosidase (acid maltase) deficiency, in: Scriver C, Beaudet A, Sly W et al. eds, The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease, New York: McGraw Hill, 2001:3389-3420
Umapathysivam K et al. Clin Chim Acta 2005;361:191-198
Kishnani PS et al. J Pediatr 2006;148:671-676
Van den Hout HM et al. Pediatrics 2003;112:332-340
Van der Ploeg AT, Reuser AJJ. Lancet 2008;372:1442-1353
Hagemans ML et al. Neurology 2005;64:2139-2141
Hagemans ML et al. Neurology 2004;63:1688-1692
Schoser B et al. Psychopharmakotherapie 2009;16:192-197
Hahn A et al. Monatsschr Kinderheilkd. 2012;160:1243-1250
Cupler EJ et al. Muscle Nerve. 2012;45:319-333
van Capelle et al. Orphanet Journal of Rare Diseases 2016;11:65
McCool FD et al. N Engl J Med. 2012;366:932-942
Perrin C et al. Muscle Nerve. 2004;29:5-27
Güngör D et al. Mol Genet Metab 2013;109:371–376
Ragette R et al. Pneumologie 2003;57:729-733
Sieb JP, Schrank B, Diagnostik und Therapie von Muskelerkrankungen, in: Sieb JP, Schrank B, Neuromuskuläre Erkrankungen, Verlag W. Kohlhammer 2009
Van der Beek N et al. Orphanet Journal of Rare Diseases 2012;7:88

2. Morbus Pompe Vererbung

M. Pompe ist eine autosomal rezessiv vererbbare Muskelerkrankung, die beide Geschlechter in gleicher Weise betrifft. Ursache sind Mutationen im Gen für die saure α-Glukosidase (GAA, auch: saure Maltase), die eine deutlich verringerte Enzymaktivität zur Folge haben. Die Genlokalisation befindet sich auf dem langen Arm des Chromosoms 17 (17q25.3). (Hundsberger T 2010) Bis heute wurden mehr als 450 verschiedene genetische Veränderungen identifiziert. Wenn ein Kind nur von einem Elternteil ein verändertes Gen erbt, ist es Überträger der Krankheit. Nur wenn es von beiden Eltern je ein verändertes Gen erbt, erkrankt es selbst. Ist also ein Elternteil erkrankt und der andere Überträger, beträgt das Risiko einer Vererbung der Erkrankung für jedes Kind 50%. Sind beide Elternteile erkrankt, werden alle Kinder mit 100% Sicherheit erkranken. (Hundsberger T 2010)

Hundsberger T et al. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 2010;161:55-59

2.1 Wie sieht der Erbgang bei Morbus Pompe aus?

Die Vererbung des Morbus Pompe erfolgt autosomal rezessiv. Nur wenn das Kind sowohl vom Vater als auch von der Mutter ein fehlerhaftes Gen erbt, wird es selbst erkranken. (Hundsberger T 2010)

Wenn beide Eltern Träger eines fehlerhaften Gens (und damit Träger der Erkrankung, aber nicht selbst Patienten) sind, ergeben sich bei jeder Schwangerschaft die folgenden Wahrscheinlichkeiten für eine Erkrankung des Kindes. (Hundsberger T 2010) Das Geschlecht des Kindes spielt dabei keine Rolle (s. Grafik).

  • 25%: Das Kind erkrankt, weil es sowohl von der Mutter als auch vom Vater das jeweils fehlerhafte Gen erbt.
  • 25%: Das Kind ist vollständig gesund und auch nicht Überträger der Erkrankung, weil es sowohl von der Mutter als auch vom Vater das jeweils gesunde Gen erbt.
  • 50%: Das Kind ist gesund, aber Überträger der Erkrankung, weil es von einem Elternteil das fehlerhafte und vom anderen das gesunde Gen erbt. Das Kind ist selbst nicht betroffen, da wegen des einen gesunden Gens ausreichend Enzym (saure α-Glukosidase) gebildet wird, dass das Glykogen in den Lysosomen abbaut.

Hundsberger T et al. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 2010;161:55-59

2.2 Kann auch ein Geschwisterkind von Morbus Pompe betroffen sein?

Wenn beide Eltern gesund, aber Überträger der Erkrankung sind, beträgt das Risiko, dass auch ein Geschwister von M. Pompe betroffen ist, 25%.

Wird also bei einem Kind ein Morbus Pompe diagnostiziert, empfehlen sich eine genetische Beratung sowie die Testung der Geschwister. Sie ermöglichen informierte Entscheidungen hinsichtlich einer potentiell notwendigen Therapie und der weiteren Familienplanung. Es sollte – ausgehend von dem Indexpatienten – auch die Erstellung eines Familienstammbaums angeboten werden.

2.3 Wie hoch ist das Erkrankungsrisiko für geplante Kinder, wenn ein Elternteil an Morbus Pompe erkrankt ist?

Wenn ein Elternteil an Morbus Pompe erkrankt ist – also zwei veränderte Gene trägt – werden alle Kinder von diesem Elternteil auf jeden Fall ein fehlerhaftes Gen erben und somit zumindest Überträger der Erkrankung sein. Ihr Erkrankungsrisiko hängt vom zweiten Elternteil ab:

  • In dem (wahrscheinlichen) Fall, dass der zweite Elternteil Träger von zwei gesunden Genen ist, wird ein Kind von diesem sicher ein gesundes Gen erben. Damit ist es Überträger der Erkrankung, erkrankt aber nicht selbst.
  • Ist der zweite Elternteil jedoch selbst Überträger der Erkrankung (trägt also ein gesundes und ein verändertes Gen), beträgt das Risiko, dass das Kind das veränderte Gen erbt und damit selbst erkrankt, 50%.
  • Risiko-Unterschiede in Bezug auf das Geschlecht des Kindes existieren nicht.

Paare, die Eltern werden möchten und von denen eine(r) an Morbus Pompe erkrankt ist, sollten daher eine genetische Beratung und eine Testung des zweiten Partners in Erwägung ziehen. So lässt sich das Risiko für eine Vererbung dieser neuromuskulären Erkrankung beurteilen.

2.4. Ist eine Pränataldiagnostik des Morbus Pompe möglich?

Eine Pränataldiagnostik ist in begründeten Fällen möglich und kann anhand einer Chorionzottenbiopsie oder einer Amniozentese erfolgen. Prinzipiell kann sowohl die Enzymaktivität gemessen als auch das Gen für die saure α-Glukosidase  auf Mutationen untersucht werden. Letztere Methode bietet sich vor allem an, wenn die Mutation, nach der gesucht werden soll, bei dem Elternteil bereits bekannt ist.

Hundsberger T et al. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 2010;161:55-59
Hirschhorn R, Reuser AJJ. Glycogen storage disease type II: acid alpha-glucosidase (acid maltase) deficiency. In: Scriver C et al. eds, The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease, New York: McGraw Hill, 2001:3389-3420

3. Morbus Pompe Diagnostik

Ursache des Morbus Pompe (Glykogenose Typ II) ist ein genetischer Defekt des Enzyms saure a-Glukosidase (GAA, saure Maltase), so dass die Aktivität des lysosomalen Enzyms stark verringert (<30%) oder kaum noch nachweisbar (<1%) ist. Die Folge ist eine übermäßige Speicherung von Glykogen in den Lysosomen der Zellen, vor allem der Muskelzellen, und eine zunehmende Schädigung des Muskelgewebes. Dadurch wird eine Vielzahl von Symptomen verursacht. Eine spezifische Therapie kann bei rechtzeitiger Anwendung möglicherweise irreversible Schädigungen und die Progression der Erkrankung verringern. Dafür ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. (Hundsberger T 2010; Hirschhorn R 2001; van der Ploeg AT 2008)

Hundsberger T et al. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 2010;161:55-59
Hirschhorn R, Reuser AJJ. Glycogen storage disease type II: acid alpha-glucosidase (acid maltase) deficiency. In: Scriver C et al. eds, The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease, New York: McGraw Hill, 2001: 3389-3420
Van der Ploeg et al. Lancet 2008; 372: 1342-135
3

3.1 Bei welchen Symptomen/Untersuchungsbefunden sollte an M. Pompe gedacht werden?

Säuglinge mit der infantilen Verlaufsform des Morbus Pompe werden im frühen Säuglingsalter (im Mittel im Alter von 3 Monaten) diagnostiziert:

  • aufgrund der ausgeprägten muskulären Symptomatik,
  • aufgrund des in der Regel vergrößerten Herzens und
  • aufgrund des bedrohlich schnellen Voranschreitens der Erkrankung.

Weitere Anzeichen können sein

  • rezidivierende Infekte,
  • Trinkschwierigkeiten mit starkem Schwitzen und
  • eine Verzögerung der motorischen Entwicklung.

Außerdem kann die orientierende neurologische Untersuchung wichtige Hinweise auf das Vorliegen der Erkrankung geben. (Hahn A 2012; Hundsberger T 2010)

Betroffene mit der juvenilen bzw. adulten Verlaufsform (Late onset Pompe Disease) – also Kinder, Jugendliche und Erwachsene – berichten anamnestisch typischerweise über Symptome einer proximalen Muskelschwäche und/oder einer muskulären Atemschwäche. Dazu gehören etwa Probleme beim Treppensteigen, Schwierigkeiten bei sportlichen Aktivitäten, Muskelschmerzen, eine Belastungsdyspnoe oder auch morgendliche Kopfschmerzen oder Tagesmüdigkeit bis hin zu Erschöpfungszuständen. Ursache für letztere können nächtliche Atmungsstörungen sein. (Hundsberger T 2010; Hirschhorn R 2001; Schüller A 2013)

Bei der klinischen Untersuchung im Rahmen der Diagnostik sollten Ärzte u.a. besonders auf folgende Anzeichen achten (Schüller A 2013; Hirschhorn R 2001):

Gliedergürtel-/ Proximale Muskelschwäche

  • Gowers-Manöver: Der Patient nimmt beim Aufrichten aus der Hocke oder Aufstehen aus dem Sitzen die Hände zu Hilfe, um sich abzustützen.

(Videoquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

  • Trendelenburg-Gang: Der Patient zeigt einen wiegenden Gang.

(Videoquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

  • Muskelschwäche der Arme: Der Patient hat Probleme, die Arme über den Kopf zu heben sowie Lasten anzuheben und vor sich zu tragen.
  • Scapula alata: Aufgrund der proximalen/axialen Muskelschwäche und spinalen Muskelatrophie können die Schulterblätter flügelartig abstehen.

Muskuläre Atemschwäche

  • Paradoxe Atmung: Wegen der Zwerchfellschwäche kommt es in Rückenlage zur sogenannten paradoxen Atmung, bei der sich der Thorax bei der Inspiration einzieht und bei der Exspiration ausdehnt.

(Videoquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

  • Reduzierte Vitalkapazität bzw. Hustenstoß im Liegen: Einen Hinweis auf eine Zwerchfellschwäche kann zudem die Messung der (forcierten) Vitalkapazität bieten, wenn sie im Liegen gegenüber der im Sitzen deutlich (>20%) reduziert ist. Falls dies technisch nicht möglich ist, kann auch der Hustenstoß im Sitzen und im Liegen beobachtet werden.
  • Orthopnoe: Im Verlauf der Erkrankung kann sich eine Orthopnoe entwickeln. Bei dieser starken Dyspnoe ist in aufrechter Haltung auch in Ruhe der Einsatz der Atemhilfsmuskulatur nötig.

Elektromyographie (EMG)

Auffällig bei M. Pompe kann ein myopathisches Muster mit pseudomyotonen Entladungen, Fibrillationspotenzialen und monophasischen positiven Wellen ohne Veränderungen der motorischen und sensorischen Reizleitung sein. (AANEM Diagnostic criteria for LOPD 2009) Cave: Bei erwachsenen Pompe-Patienten können einige Muskelgruppen aber auch völlig normale Messdaten ergeben.

Muskelbiopsie

In der Muskelbiospie kann sich eine vakuoläre Speicherung von Glykogen zeigen, die das Muskelgewebe zunehmend zerstört. Cave: Auch hier gilt, dass sich der Muskelbefall sehr heterogen darstellen kann. (AANEM Diagnostic criteria for LOPD 2009; Hundsberger T 2010) Eine Muskelbiopsie allein ist daher nicht für den Nachweis eines Morbus Pompe geeignet. (AANEM Diagnostic criteria for LOPD 2009)

(Bildquelle: B. Thurberg, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

Polysomnographie

Die zunehmende Atemmuskelschwäche manifestiert sich bei Patienten mit M. Pompe häufig zuerst als nächtliche Atemstörung mit Symptomen wie morgendliche Kopfschmerzen und/oder Tagesmüdigkeit. (Mellis U 2009) In einigen Fällen kann diese Symptomatik auch als führend auftreten. (Boentert M 2016) Solche Symptome sollten daher Anlass geben, nach dem Schlaf zu fragen und ggf. eine Untersuchung im Schlaflabor zu veranlassen.

In der Polysomnographie fallen zyklische Entsättigungen – initial nur im REM-Schlaf, später auch in anderen Schlafphasen – auf. Die Zwerchfellschwäche demaskiert  sich vor allem im REM-Schlaf, da in dieser Schlafphase hauptsächlich das Diaphragma die Atemarbeit leistet. Dies führt zu einer insbesondere REM-Schlaf assoziierten alveolären Hypoventilation mit konsekutivem pCO2-Anstieg und pO2-Abfall. (Mellis U 2009; Boentert M 2016)

Hundsberger T et al. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 2010;161:55-59
Hirschhorn R, Reuser AJJ. Glycogen storage disease type II: acid alpha-glucosidase (acid maltase) deficiency. In: Scriver C et al. eds, The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease, New York: McGraw Hill, 2001: 3389-3420
Hahn A et al. Monatsschrift Kinderheilkunde 2012;12:1243-1248
Schüller A et al. Der Nervenarzt 2013;12:1467-1471
American Association of Neuromuscular & Electrodiagnostic Medicine (AANEM). Muscle Nerve 2009;40:149-160
Mellis U et al. Resp Med 2009;103:477-484
Boentert M et al. Int J Mol Sci 2016;17:1735; doi:10.3390/ijms17101735

3.2 Welche auffälligen Laborwerte sind bei der Diagnostik von Morbus Pompe häufig anzutreffen?

Fast immer ist bei Patienten mit der Muskelerkrankung Morbus Pompe die Kreatinkinase (CK) erhöht. Ärzte sollten daher diesen Wert bei der Diagnostik unbedingt erfassen. Bei frühkindlichen Verlaufsformen ist der CK-Wert meist (bis zu 10 bis 15-fach) erhöht, während bei der juvenil/adulten Verlaufsform meist eine moderate (5- bis 10-fache Erhöhung) persisitierende HyperCKämie festgestellt wird, es können jedoch auch Normalwerte vorliegen. (Schüller A 2013; AANEM Diagnostic criteria for LOPD 2009)

Die Leber-Enzyme Aspartat-Aminotransferase (AST; veraltet Glutamat-Pyruvat-Transaminase, GPT), Alanin-Aminotransferase (ALT; veraltete Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, GOT) und Laktatdehydrogenase (LDH) sind häufig ebenfalls erhöht (AANEM Diagnostic criteria for LOPD 2009) und können einen hilfreichen Hinweis für die Diagnosestellung bieten.  

Schüller A et al. Der Nervenarzt 2013;12:1467-1471
American Association of Neuromuscular & Electrodiagnostic Medicine (AANEM). Muscle Nerve 2009;40:149-160

3.3 Wie kann Morbus Pompe nachgewiesen werden?

Wenn die Anamnese/Befragung sowie die klinischen Symptome und die laborchemische Untersuchung im Rahmen der Diagnostik Hinweise auf die lysosomale Speicherkrankheit M. Pompe liefern, sollten Ärzte die Krankheit möglichst rasch nachweisen bzw. die Diagnose ausschließen. Denn für diese seltene angeborene Krankheit steht eine spezifische Behandlung zur Verfügung. Der sichere Nachweis erfolgt mittels eines Enzymtests. (Hundsberger T 2010; Schüller A 2013)

Das deutsche Heilmittelwerbegesetz (HWG) schreibt vor, den Zugang zu fachspezifischen Inhalten zu rezeptpflichtigen Medikamenten nur Fachkreisen zu ermöglichen.
Nach Ihrem Login mit DocCheck erhalten Sie hier zusätzliche Informationen.

Hundsberger T et al. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 2010;161:55-59
Schüller A et al. Der Nervenarzt 2013;12:1467-1471

3.4. Wie funktioniert die Bestimmung der Enzymaktivität mittels eines Trockenbluttests bei Morbus Pompe?

Da Morbus Pompe auf einem Mangel des lysosomalen Enzyms saure α-Glukosidase beruht, kann die Diagnose durch den Nachweis einer verringerten Enzymaktivität mit anschließender genetischer Testung gesichert werden. Hierfür ist heute ein einfach in den Praxisalltag integrierbarer Trockenbluttest verfügbar. Die Testmethode (engl. Dried blood spot, DBS) erfordert nur wenige Blutstropfen.

Die wissenschaftliche Diagnostik-Initiative der ARCHIMED Life Science GmbH bietet Ärzten bei Verdacht auf Morbus Pompe die Aktivitätsmessung des betroffenen Enzyms per Trockenbluttestung in einem anerkannten Speziallabor an. Die Verwendung modernster Technik ermöglicht Ärzten eine einfache und jederzeit durchführbare Anwendung im Praxisalltag. Die Sanofi-Aventis Deutschland GmbH unterstützt diese Diagnostik-Initiative, daher kann ARCHIMEDlife Ärzten die Trockenbluttestung kostenfrei anbieten.

Abbildung Trockenblutkarte
(Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

Der Trockenbluttest ist einfach in der Handhabung: Das Untersuchungspaket besteht aus

  • der Trockenblutkarte,
  • dem Laboranforderungsschein mit Arzt- und Patienteninformation zum Datenschutz und Einwilligungserklärungen und
  • dem wasserfesten, adressierten Probenversandumschlag.

In der Praxis werden für die Diagnostik nach der Blutentnahme einige Blutstropfen (EDTA-Blut oder Kapillarblut) auf eine Trockenblutkarte aufgetropft und an der Luft (ca. 2 Stunden) trocknen gelassen. Zusammen mit dem ausgefüllten Laboranforderungsschein wird die Karte sodann im Probenversandumschlag an das Speziallabor geschickt. Genaue Hinweise zur Anwendung finden sich im Untersuchungspaket sowie in diesem Video. Als spezifische Behandlung des Morbus Pompe steht die Enzymersatztherapie zur Verfügung.

(Videoquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

3.5 Kann Morbus Pompe auch genetisch (mittels eines Gentests) nachgewiesen werden?

Für die Diagnose dieser erblichen Muskelerkrankung ist die Bestimmung der Enzymaktivität maßgeblich; die Analyse der Gene des Patienten dient der Bestätigung der Enzymatik. Der Gentest gibt wertvollen wissenschaftlichen Aufschluss über die genetisch ursächliche Veränderung.

Die Methodik der ARCHIMED Life Science GmbH erlaubt eine molekularbiologische Bestätigungsdiagnose aus derselben Trockenblutkarte, sodass für die genetische Untersuchung keine weitere Blutprobe an das Labor geschickt werden muss.

Hundsberger T et al. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 2010;161:55-59
Hirschhorn R, Reuser AJJ. Glycogen storage disease type II: acid alpha-glucosidase (acid maltase) deficiency. In: Scriver C et al. eds, The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease, New York: McGraw Hill, 2001: 3389-3420
Hahn A et al. Monatsschrift Kinderheilkunde 2012;12:1243-1248
#Schüller A et al. Der Nervenarzt 2013;12:1467-1471
American Association of Neuromuscular & Electrodiagnostic Medicine (AANEM). Muscle Nerve 2009;40:149-160
Mellis U et al. Resp Med 2009;103:477-484
Boentert M et al. Int J Mol Sci 2016;17:1735; doi:10.3390/ijms17101735

4. Mögliche Differentialdiagnosen von Morbus Pompe

Abhängig von der Ausprägung der klinischen Symptomatik und dem Alter der Erstmanifestation kann es zu diagnostischen Fehldeutungen kommen. Ähnliche und zum Teil überlappende Symptome wie ein M. Pompe können folgende Krankheiten zeigen (Schüller A 2013):

Mögliche Differentialdiagnosen des Morbus Pompe
Differentialdiagnose[ICD-10;2015]*Überlappende Symptomatik
Gliedergürteldystrophien (LGMD) [G71.0] Progressive Muskelschwäche im Becken und Schultergürtel, ggf. respiratorische Insuffizienz, CK-Erhöhung
Skapuloperoneale Syndrome, z.B. im Rahmen von myofibrillären Myopathien [G12.1] Progressive Muskelschwäche der Fußheber und der Schultergürtelmuskulatur
Myotone Dystrophie Typ 2 [G71.1]Proximale Muskelschwäche mit Myotonie, EMG: myotone Serienentladung
Glykogenspeichererkrankungen
(IIIa, IV, V, VII) [E74.0]
Muskuläre Hypotonie und Tetraparese, Hepatomegalie, CK-Erhöhung
Danon-Erkrankung [E74.0]Muskelbioptischer Nachweis von Vakuolen mit Glykogen, Muskelschwäche
Mitochondriale Myopathien [G71.3]Proximale Muskelschwäche, muskuläre Belastungsintoleranz, meist CK-Erhöhung, multisystemische Symptome
Polymyositis und Einschlusskörpermyositis [M33.2]Proximale und distale Muskelschwäche und -atrophie
Spinale Muskelatrophie [G12.1 Symmetrische Muskelschwäche und -atrophie
Rigid-spine-Syndrom [G71.2]Steifigkeit der Wirbelsäule, lumbale Rückenschmerzen
Adaptiert nach: Schüler A et al. Diagnose und Therapie des Late-onset-Morbus-Pompe. Nervenarzt 2013; 84: 1467-1472 * Für die meisten der hier aufgeführten Erkrankungen ist die ICD-10 nicht eindeutig, sondern repräsentiert jeweils eine Gruppe von Erkrankungen. So beinhaltet z.B. E74.0 allgemein Glykogenspeicherkrankheiten und somit neben M. Pompe auch u.a. McArdle-, von-Gierke- und Cori-Krankheit.

Schüller A et al. Der Nervenarzt 2013;12:1467-1471

5. Morbus Pompe Therapie

Die Therapie des Morbus Pompe baut auf zwei Säulen auf: Die Enzymersatztherapie mit einem rekombinant hergestellten Enzym (verfügbar seit 2006) stellt die erste spezifische Therapie für eine genetisch bedingte neuromuskuläre Krankheit dar. Ihre Wirksamkeit ist in Studien nachgewiesen. (Kishnani P 2006, 2007; van der Ploeg AT 2010, 2012; Toscano A 2013; Schoser B 2016) Es handelt sich dabei um eine lebenslange Infusionstherapie. Zusätzlich bleibt die symptomatische Therapie – vor allem die Physiotherapie, Beatmung und Hilfsmittelversorgung – unverzichtbar. Aufgrund des komplexen Krankheitsbildes ist eine interdisziplinäre Behandlung essenziell. (Schüller A 2013) Trotz aller Fortschritte ist Morbus Pompe bis heute zwar therapierbar, aber nicht heilbar. Gentherapeutische Ansätze befinden sich in der Erprobung.

Kishnani PS et al. J Pediatr 2006;149:89-97
Kishnani P et al. Neurology 2007;68:99-109
Van der Ploeg AT et al. NEJM 2010;362:1396-1406
Van der Ploeg AT et al. Mol Genet Metab 2012;107:456-461
Toscano A, Schoser B. J Neurol 2013;260:951-9
Schoser B et al. Survival and long-term outcomes in late-onset Pompe Disease following alglucosidase alfa treatment: a systematic review and meta-analysis. J Neurol. 2016 [Epub ahead of print]
Schüller A et al. Der Nervenarzt 2013;12:1467-1471
Fachinformation Myozyme®, Stand: 07/2017

5.1 Wie funktioniert die Enzymersatztherapie (EET) bei Morbus Pompe?

Als spezifische (kausale) Therapie hilft die EET den für Morbus Pompe ursächlichen Enzymmangel auszugleichen. Dafür wird den Patienten regelmäßig, in zweiwöchigem Rhythmus, ein biotechnologisch hergestelltes Enzym infundiert.

Das deutsche Heilmittelwerbegesetz (HWG) schreibt vor, den Zugang zu fachspezifischen Inhalten zu rezeptpflichtigen Medikamenten nur Fachkreisen zu ermöglichen.
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5.2 Welche Begleittherapien bei Morbus Pompe gibt es?

Neben der medikamentösen Therapie bleibt die unterstützende symptomatische Behandlung bei M. Pompe unverzichtbar. Dabei stehen körperliches Training/Physiotherapie, Atemtherapie sowie die Versorgung mit geeigneten Hilfsmitteln im Vordergrund. In Einzelfällen kann bei starker, fortschreitender Wirbelsäulenfehlstellung ein chirurgischer Eingriff erforderlich werden. Auch bei M. Pompe sollten entsprechend der aktuellen Impfempfehlungen geimpft werden. (Schüller A 2013)

Schüller A et al. Der Nervenarzt 12; 2013: 1467-1471

5.2.1 Ab wann müssen Morbus Pompe Patienten einer assistierenden Beatmung zugeführt werden?

Bei vielen von M. Pompe Betroffenen schreitet die Schwäche der Atemmuskulatur im Verlauf der Erkrankung voran und es entwickeln sich Symptome einer Ateminsuffizienz. Diese zieht die Notwendigkeit einer Atmungsunterstützung nach sich. Dabei spielen die Druck- oder Volumenbeatmung eine wichtige Rolle. Anfangs kommt es wegen der Zwerchfellschwäche vor allem nachts zu einer Minderatmung – hier reicht eine Behandlung mit einer nicht-invasiven intermittierenden Beatmung zunächst aus. Wird bei einer zunehmend schweren Atemmuskelschwäche über einen längeren Zeitraum eine 24-stündige Beatmungspflicht notwendig, bietet sich eine invasive Therapie an.

5.2.2 Ist eine begleitende Physiotherapie bei Morbus Pompe sinnvoll?

Ein regelmäßiges körperliches Training sowie begleitende Physiotherapie sind bei Morbus Pompe zusätzlich zur medikamentösen Therapie unverzichtbar. Sie wirken dem Kräfteverfall entgegen und erhalten die Beweglichkeit so lange wie möglich aufrecht. Die Übungen sollten individuell abgestimmt sein und von speziell auf die Bedürfnisse von M. Pompe Patienten geschulten Physiotherapeuten angeleitet werden. Wichtig ist, dass die Übungen im submaximalen, aeroben Bereich stattfinden.

5.3 Gibt es während der Therapie von Morbus Pompe Besonderheiten bzgl. Anästhesie / Narkose?

Manche Medikamente, die bei einer Vollnarkose oder bei einer umfangreichen Lokalanästhesie verwendet werden, können sich auf die – bei M. Pompe geschwächte - Atemmuskulatur oder auf den Herzmuskel auswirken. Zudem kann es durch eine mögliche Skoliose zu Schwierigkeiten bei der Intubation kommen. Vor einem geplanten Eingriff sollte die Klinik daher über die Erkrankung informiert werden. Detaillierte Informationen erhalten Anästhesisten darüber hinaus in spezialisierten Pompe-Zentren.

Kishnani PS et al. J Pediatr 2006; 149: 89-97
Kishnani P et al. Neurology 2007; 68: 99-109
Van der Ploeg AT et al. NEJM 2010; 362: 1396-1406
Van der Ploeg AT et al. Mol Genet Metab 2012; 107: 456-461
Toscano A, Schoser B. J Neurol 2013 260: 951-9
Schoser B et al. Survival and long-term outcomes in late-onset Pompe Disease following alglucosidase alfa treatment: a systematic review and meta-analysis. J Neurol. 2016 [Epub ahead of print]
Schüller A et al. Der Nervenarzt 12; 2013: 1467-1471
Fachinformation Myozyme®, Stand: 07/2017

6. Pompe Zentren

Gerade bei einer seltenen Erkrankung wie Morbus Pompe ist der Austausch mit Kollegen extrem sinnvoll, da die persönliche Erfahrung einzelner Ärzte aufgrund der Seltenheit der Erkrankung naturgemäß limitiert ist. Kompetente Ansprechpartner finden sich in spezialisierten Pompe Zentren.

Darüber hinaus bietet die Fortbildungsplattform "Neurologie im Dialog" interessierten Neurologen aus Praxis und Klinik eine praxisorientierte und interaktive Fortbildungs-/Weiterbildungsmöglichkeit zu neuromuskulären Erkrankungen.

6.1 Gibt es spezielle (Behandlungs-)Zentren / Kliniken mit spezialisierten Ärzten für Morbus Pompe, an die ich mich wenden kann?

Spezialisierte Pompe-Behandlungszentren existieren an einigen Universitätskliniken. Die Ärzte dort stehen allen Kollegen für den fachlichen Austausch zur Verfügung.

6.2 Welche Aufgaben und Vorteile haben die Morbus Pompe Zentren?

Spezialisierte Kliniken und Zentren verfügen über langjährige Erfahrung in der Betreuung von Patienten mit Morbus Pompe. Ihre Aufgaben umfassen die Diagnose (falls erforderlich), die Einleitung der medikamentösen Therapie sowie die regelmäßigen Kontrollen des Krankheitsverlaufs. Je nach Verlaufsform arbeiten vor allem Pädiater, Neuropädiater, Neurologen, Internisten und Pneumologen in Morbus Pompe Zentren eng zusammen, um die verschiedenen Facetten der Erkrankung abzudecken. Je nach Bedarf können weitere Spezialisten wie Orthopäden, Kardiologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Ernährungsberater hinzugezogen werden.

Nach der eindeutigen Diagnose und der Einstellung auf die Enzymersatztherapie erfolgen die regelmäßigen Infusionen normalerweise bei einem Arzt am Wohnort; zunehmend wird aber auch über Möglichkeiten für eine Heimtherapie diskutiert. Wichtig sind regelmäßige, zirka jährliche Verlaufskontrollen im Zentrum, um den Therapieerfolg beurteilen und ggf. Anpassungen vornehmen zu können. Eine gute Zusammenarbeit zwischen dem behandelnden Arzt vor Ort und dem Pompe-Zentrum ist essenziell.

6.3 Welche Untersuchungen werden in den Morbus Pompe Zentren durchgeführt?

Zu den Untersuchungen zur Diagnose sowie zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs gehören u.a.:

  • Beurteilung von Muskelkraft und - funktion (z.B. British Medical Research Skala, 6- Minuten-Gehtest)
  • Beurteilung der Atemfunktion (z.B. forcierte Vitalkapazität (FVC) im Sitzen und Liegen)
  • Erhebung von Laborwerten (z.B. Creatin-Kinase (CK), Aspartat-Aminotransferase (AST), Alanin-Aminotransferase (ALT), Laktatdehydrogenase (LDH))
  • Sonstige Untersuchungen: z.B. Elektromyographie (EMG), Magnetresonanztomographie (MRT)

6.4 Wo befinden sich die Morbus Pompe Zentren?

Die auf dieser Website befindliche Liste von spezialisierten Kliniken bzw. Zentren ist nicht abschließend. Bislang nicht aufgeführte Zentren können jederzeit ergänzt werden.

7. Morbus Pompe Register

Krankheitsspezifische Register spielen vor allem bei seltenen Erkrankungen wie Morbus Pompe eine bedeutende Rolle. Sie dienen dazu, fortlaufend Daten zu Gesundheitsstatus und Therapie der Patienten zu erfassen. Damit tragen sie entscheidend dazu bei, das Wissen über Erkrankungen zu erweitern, von denen nur einige Tausend Patienten weltweit betroffen sind. Eine Teilnahme liegt somit im Interesse von Ärzten und Patienten. Die Dateneingabe erfolgt nach Zustimmung des Patienten durch die Pompe Zentren.

Sanofi Genzyme sichert die Funktion des Pompe Registry und unterstützt es finanziell. Dabei ist der Schutz der Privatsphäre und der personenbezogenen Daten jederzeit sichergestellt.

8. Kontakt

Vorgehen bei einem Morbus Pompe Verdachtsfall – spezifische Diagnostik

  • Besteht der Verdacht auf einen Morbus Pompe, kann ein einfacher Trockenbluttest Klarheit schaffen.
  • Dieser misst die saure α-Glukosidase-Enzymaktivität mittels Trockenblutkarte. Zusätzlich ist ein genetischer Test möglich, der für die Diagnosesicherung wichtig ist.
  • Die Sanofi-Aventis Deutschland GmbH unterstützt die Diagnostik-Initiative für lysosomale Speicherkrankheiten von ARCHIMED Life Science GmbH. Daher kann ARCHIMEDlife Ärzten die Trockenbluttestung kostenfrei anbieten.
  • Nutzen Sie die kostenfreie Service-Hotline 0800 – 11 15 200 zur Bestellung des Trockenbluttests.
  • Bei positivem Befund auf Morbus Pompe empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einem spezialisierten Behandlungszentrum

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