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Morbus Gaucher (Gaucher Krankheit) - Symptome, Diagnostik, Therapie

Morbus Gaucher-Speicherzelle
Fachbegriff: Gaucher-Speicherzelle, umgeben von vielen kleinen roten Blutkörperchen (die blaue Farbe wird durch einen Farbstoff hervorgerufen)(Quelle: Genzyme GmbH)

Der Morbus Gaucher, auch Gaucher´sche Krankheit genannt, zählt zu den erblichen Glyko-Lipidspeicherkrankheiten. M. Gaucher ist eine der häufigsten der rund fünfzig sogenannten lysosomalen Speicherkrankheiten. Er wird verursacht durch Mangel eines bestimmten Eiweißes, genauer eines Enzyms (Fachbegriff: β-Gluko­zerebrosidase) in den sogenannten Lysosomen der Zelle. Lysosomen dienen in der Zelle dem kontrollierten Abbau zahlreicher komplexer Verbindungen. Diese Abbau­pro­zes­se erfordern Enzyme, spezielle Eiweiße, die Stoff­wech­sel­vorgänge steuern.

Für den Abbau bestimmter Glyko-Lipide (Fachbegriff: Glukozerebroside) ist im Körper das Enzym Beta-Glukozerebrosidase verantwortlich. Dieses Enzym spaltet bestimmte zuckerhaltige Lipide in Glukose und ein bestimmtes Lipid (Fach­be­griff: Zeramid, eine fettartige Substanz). Die von der Beta-Glukozerebrosidase gespaltenen Glyko-Lipide fallen vor allem beim natürlichen Abbau von Blutzellen (rote Blutkörperchen (Fachbegriff: Erythrozyten) und weiße Blutkörperchen (Fachbegriff: Leukozyten) in großer Menge an. Der Abbau dieser Zellen erfolgt überwiegend in den großen Fresszellen des Körpers (Fachbegriff: Makro­phagen). Verfügen diese Fresszellen – wie beim Morbus Gaucher der Fall – über zu wenig Beta-Gluko­ze­re­brosidase, so können die Glukozerebroside nicht mehr korrekt gespalten werden und reichern sich daher in den Lysososmen der Fresszellen als Speicherstoff an. Mit zunehmender Speicherung in den Fresszellen schwellen diese zu dicken Speicherzellen an, die man als Gaucher-Zellen bezeichnet. Diese Gaucher-Speicherzellen sammeln sich dann in verschiedenen Organen an, vor allem in der Leber, der Milz und im Knochenmark.

Dadurch führen sie zum charakteristischen klinischen Krankheitsbild. Die Folge sind leichte bis schwere Krankheitszeichen. Diese können zum Teil sogar lebens­bedrohliche Formen annehmen. Manche der Symptome treten erstmals in der Kindheit auf, können aber auch erst im höheren Lebensalter auftreten.

Im Durchschnitt erkrankt einer von 40.000 bis 60.000 Menschen in der Gesamtbevölkerung an M. Gaucher. Das sind nur gut einhunderttausend Menschen weltweit. Allerdings sind in einigen Populationen, z.B. in der Ashkenazi-jüdischen und in der türkischen Bevölkerung, mit einer von eintausend Personen (relativ gesehen) deutlich mehr Menschen von Morbus Gaucher betroffen.

Was sind die Hauptsymptome des Morbus Gaucher?

Symptome im Blut bei M.Gaucher
Quelle: Genzyme GmbH

Die Gaucher-Speicherzellen reichern sich vor allem im Knochenmark, in der Milz und der Leber an und können zu einer Vielzahl von Symptomen führen. Diese nehmen unbehandelt mit der Zeit an Schwere zu. Das Nervensystem ist in wenigen Fällen betroffen.

Die häufigsten Krankheitszeichen werden im folgenden beschrieben. Wenn Sie eventuell die Liste der Symptome durchgehen, bedenken Sie, dass nicht jeder, der an der Gaucher-Krankheit leidet, alle Symptome aufweist. Die Schilderung der Krankheitszeichen bezieht sich auf Patienten ohne Behandlung. Wenn die Krankheit fort­schrei­tet, können sich die Symptome auch verschlechtern. So können auch neue Beschwerden und Symptome im Laufe der Zeit dazukommen.

Mögliche Blutungsneigung bei der Gaucher-Krankheit

Bei Morbus Gaucher kann es zu vermehrten blauen Flecken kommen. Der Grund hierfür liegt unter anderem in der durch M. Gaucher veränderten Milz. Hier werden überalterte Blutzellen gefiltert. Eine vergrößerte Milz fängt vermehrt Blutzellen ab, da sie mehr Aktivität zeigt, wodurch es unter anderem zu einem Mangel an Blutplättchen (Fachbegriff: Thrombozytopenie) kommen kann.

Das führt dann auch zum häufigen Auftreten blauer Flecke (Fachbegriff: Hämatome) und zu verstärkter Blutungs­neigung. Bei Morbus Gaucher-Patienten können zudem verstärkt Zahnfleischbluten und auch heftiges Nasenbluten auftreten. Auch die Regelblutung (Fachbegriff: Menstruation) ist eventuell bei Morbus Gaucher stärker und länger als normal.

Mögliche Blutarmut bei der Gaucher-Erkrankung

Eine weitere Folge der überaktiven Milz ist der schnellere Abbau roter Blutzellen (Fachbegriff: Erythrozyten), sodass diese nicht ausreichend schnell nachproduziert werden können. Hinzu kommen die Störungen des Knochenmarks. Die Folge ist ein Mangel an roten Blutkörperchen, im Volksmund auch Blutarmut genannt (Fachbegriff: Anämie).

Mögliche Infektionen bei Morbus Gaucher

Durch den verstärkten Abbau auch von weißen Blut­körperchen in der Milz und durch die Probleme im Knochenmark kommt es zu einem Mangel weißer Blut­körperchen (Fachbegriff: Leukozyten). Diese werden zur lmmunabwehr benötigt. Die Anzahl der weißen Blutzellen im Körper variiert auch beim gesunden Menschen. Als Antwort auf eine Infektion erhöht der Organismus zumeist die Anzahl der Leukozyten. Durch eine überaktive Milz ist die Anzahl weißer Blutzellen von Morbus Gaucher-Patienten stark reduziert und die körpereigene lnfektabwehr dadurch geschwächt. Deshalb leiden M. Gaucher- Patienten teilweise häufiger an Infektionen als gesunde Personen.

Müdigkeit, Leistungsminderung, Konzentrationsschwäche bei Morbus Gaucher

Rote Blutkörperchen (Fachbegriff: Erythrozyten) trans­por­tieren Sauerstoff von den Lungen zu den Körperzellen.

Da Morbus Gaucher-Patienten oft zu wenige Erythrozyten haben, leiden sie merklich unter Auswirkungen des Sauerstoffmangels. Dies lässt sie u. a. schneller ermüden. Das ist mit ein Grund für die geringe Ausdauer und den allgemeinen Energiemangel, über den viele M. Gaucher-Patienten klagen.

Wenn Patienten eine schwere Anämie haben, fühlen sie sich oft auch nach 8 Stunden Schlaf noch müde. Kindern mit der Gaucher-Krankheit fehlt manchmal sogar die Energie zum Spielen. Viele kleine M. Gaucher-Patienten haben auch Schwierigkeiten im Schulunterricht. Manche können sich schlecht auf die Hausaufgaben konzentrieren. Für einen Gaucher-Patienten sind oft schon einfache Alltagstätigkeiten eine Herausforderung, die einem Gesunden leicht erscheinen.

Dicker Bauch und Oberbauchbeschwerden bei der Gaucher Krankheit

Die Speicherung von Gaucher-Zellen in Milz (Fachbegriff: Splenomegalie) und Leber (Fachbegriff: Hepa­to­me­ga­lie) führt zur Vergrößerung dieser Organe. Die Milz kann hier in Extremfällen auf das Zwanzig- bis Dreißig-fache ihrer normalen Größe anschwellen. Dabei kann die Milz mit einem normalen Durch­­schnittsgewicht von 150 Gramm auf vier bis fünf Kilogramm anwachsen. Sie kann dann unter Umständen auch leicht reißen und so durch eine innere Blutung eine akute Gefahr für den Patienten bedeuten.

Auch die Leber kann sich deutlich vergrößern (doppelt so groß werden wie normal). Dadurch dehnt sich der Bauch aus, sodass ein Druckgefühl im Bauchraum entsteht. Bevor es die Therapie des Enzymersatzes gab, wurde dem Morbus Gaucher-Patienten häufig die vergrößerte Milz operativ entfernt (Fachbegriff: Sple­nek­tomie). Bei diesen Patienten fehlt die Milz als „Speicherorgan". Als Folge findet man nun eine stärkere Ansammlung von Gaucher-Zellen in der Leber und im Knochenmark.

Möglicher Appetitverlust bei Morbus Gaucher

Eine Milz- oder Lebervergrößerung kann auch Druck auf den Magen und Darm ausüben. Deshalb fühlen sich Gaucher-Patienten oft schon satt, wenn sie nur wenig gegessen haben.

Mögliche Kurzatmigkeit bei der Gaucher`scher-Erkrankung

Die vergrößerte Milz und Leber behindern die Ausdehnung der Lunge. Die Lungenentfaltung ist nur noch ein­ge­schränkt möglich, sodass weniger Luft eingeatmet wird und der Patient unter Kurzatmigkeit leidet.

Die Blutarmut und der Sauerstoffmangel, der daraus folgt, kann die Kurzatmigkeit weiter verstärken.

Mögliche Knochenprobleme bei Morbus Gaucher

Eine Knochenbeteiligung lässt sich bei mehr als 80 % aller Morbus Gaucher-Patienten nachweisen. Die Knochensymptomatik der M. Gaucher-Patienten kann sich ohne Be­hand­lung oft schnell verschlechtern. Es können sich zum Teil schwer­wiegende und stark behindernde Krankheitssymptome entwickeln, da die normalen Knochenmarkzellen (Abb. 1) durch sich dort anreichernde Gaucher-Zellen verdrängt werden.

Gesunder Knochen
Knochenprobleme bei Morbus Gaucher

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Ludger Poll, Duisburg

Abb.1: Knochenmarkinfiltration: Unterschiedlich starke Ein­la­ge­run­gen von Gaucher-Zellen am Beispiel des Ober­schen­kel­knochens im Kniebereich. Normales Knochenmark (links oben) erscheint hell und feinstrukturiert, mit Gaucher-Zellen durchsetztes Knochenmark dunkler und grobstrukturiert.

Oberschenkel mit gesunder Knochenstruktur und Knocheninfiltration
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Ludger Poll, Duisburg

Bei der diagnostischen Abklärung eines M. Gaucher-Patienten wird zur Klärung einer Knochenbeteiligung neben einer Röntgenaufnahme des Skeletts auch eine Kernspintomographie (MRT) der Knochen durchgeführt. Das Ausmaß der Durchsetzung des Knochenmarks mit Gaucher-Zellen kann nur mit dieser Methode erfasst werden. Das Knochenmark kann auf einer Röntgen­aufnahme nicht dargestellt werden, sondern nur der Knochen selbst (Abb. 2).

Abb.2: Röntgenaufnahme von Oberschenkel und Knie mit gesunder Knochenstruktur und Erlenmeyerdeformität; rechts die kernspintomographische Aufnahme des gleichen Patienten zeigt bereits eine deutliche Knochenmark­infiltration.

Veränderungen der Struktur des Knochens im Röntgenbild sind erst dann zuverlässig erkennbar, wenn bereits mehr als die Hälfte der Knochensubstanz in ihrer Struktur verändert ist. Die Speicherung von Gaucher-Zellen im Knochen­mark schädigt den Knochen auf verschiedene Weise und kann zu folgenden Veränderungen führen:

  • einer Rückbildung der Knochenmasse (Fachbegriff: Osteopenie)
  • einem Rückgang der Knochendichte (Fachbegriff: Osteoporose) mit Verringerung der Stabilität und u. U. vermehrten Knochenbrüchen
  • einer Änderung der Knochenstruktur (Fachbegriff: Osteosklerose) und in schweren Fällen zu:
  • einer Auflösung und einem Abbau von Knochengewebe, z.B. Zerstörung des Oberschenkelknochens (Fachbegriff: Osteolyse, Abb. 3).
  • einem Absterben von Knochengewebe (Fachbegriff: Osteonekrose bzw. Knocheninfarkt)
Becken eines gesunden Menschens
Becken eines Gaucher Patientens

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Ludger Poll, Duisburg

Abb.3: Röntgenbild eines gesunden Beckens (li.) mit normal ausgebildeten Oberschenkelköpfen;(re.) Röntgenbild des Beckens eines Gaucher-Patienten mit stark geschädigten Oberschenkelköpfen (Osteolyse).

Knochenschmerzen bei Morbus Gaucher

Knochenschmerzen reichen bei M. Gaucher von sehr leicht bis zu sehr schwer. Auch der Umgang mit solchen Schmerzen kann für den Gaucher-Patienten zu einem großen Problem werden. Schon bei leichten Bewegungen können starke Knochenschmerzen auftreten, die die normalen Aktivitäten stark einschränken. Sie be­ein­träch­tigen den Schlaf des Patienten und können auch zu Krankenhausaufenthalten führen.

Erwachsene M. Gaucher-Patienten und die Eltern von erkrankten Kindern sollten sich von ihren Ärzten darüber beraten lassen, welche schmerzlindernden Medikamente oder Techniken bei solchen Schmerzen am besten geeignet sind.

Bewegungsstörungen bei der Gaucher-Krankheit

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Bilder mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Ludger Poll, Duisburg

Änderungen der Knochenform und –stabilität bei M. Gaucher-Patienten können dauerhafte Bewegungs­stö­rungen hervorrufen. Dies ist auf den gestörten Knochenstoffwechsel zurückzuführen. Bei schwerst­be­trof­fenen Gaucher-Patienten kann es dabei auch zu einer Zerstörung der Hüftknochen kommen. Hierdurch kann dann die Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt sein. Am unteren Teil des Oberschenkelknochens kann die so­genannte „Erlenmeyerkolben-Verformung", eine konische Verformung des Knochens am Oberschenkel im Knie­bereich, als eine typische Veränderung auftreten (Abb. 4).

Abb.4: Röntgenbild eines normal geformten Kniegelenks (li.) und Röntgenbild eines Oberschenkelknochens (re.) mit einer sogenannten Erlenmeyerkolben-Veränderung.

Wachstumsverzögerung und verzögerte Entwicklung bei M. Gaucher

Kinder, deren M. Gaucher-Erkrankung nicht behandelt wird, wachsen oft verzögert und langsamer als ihre Altersgenossen. Auch die Pubertät kann sich verzögern.

Mögliche Symptome am Nervensystem:

Ist das zentrale Nervensystem beteiligt wie beim sog. Morbus Gaucher Typ3, dann können auch epileptische Anfälle, Be­we­gungs­stö­run­gen der Augen und andere Krankheitszeichen auftreten.

Hiervon sind jedoch nur ca. 5 – 10 Prozent aller Morbus Gaucher-Patienten betroffen.

Mögliche emotionale Probleme bei Morbus Gaucher

Zu akzeptieren, dass man an einer chronischen Krankheit leidet, ist nicht nur für Betroffene der Gaucher-Krankheit jeden Alters schwierig. Da Kinder mit Morbus Gaucher auf­grund der Wachstumsverzögerung jünger als ihre Alters­genossen wirken, neigen Eltern und Lehrer manch­mal dazu, sie nicht entsprechend ihrem tatsächlichen Alter zu behandeln. Das veränderte Aussehen ist auch dann ein großes Problem, wenn an Morbus Gaucher erkrankte Kinder und Jugendliche eine vergrößerte Leber oder Milz haben oder sie kleiner als Gleichaltrige sind.

Treten beim M. Gaucher die ersten Krankheitssymptome erst im Erwachsenenalter auf, kann auch die gesamte Lebensplanung wegen der plötzlich auftretenden schweren Krankheitssymptome massiv beeinträchtigt werden. Sind die Zeichen der Erkrankung dagegen eher schwach oder treten sie nur schleichend auf, dann bemerkt ein Teil der Betroffenen unter Umständen die lang­sa­me Ver­schlech­terung der Lebensqualität gar nicht. Ohne Therapie können sich die Symptome verschlechtern und Schäden auftreten, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Wie wird ein Morbus Gaucher diagnostiziert?

Einen M. Gaucher zu diagnostizieren, ist eigentlich nicht schwierig. Aufgrund der Seltenheit werden Betroffene häufig zunächst nicht richtig oder falsch diagnostiziert, da einige Krankheitszeichen des M. Gaucher auch bei anderen Krankheiten vorkommen, die deutlich häufiger sind. Einige Symptome werden auch einfach übersehen oder ignoriert. Für manche Patienten führt dies zu einer Odyssee von Arzt zu Arzt, teilweise über Jahre, bis endlich festgestellt wird, unter welcher Krankheit der Gaucher-Betroffene leidet.

Ein Verdacht auf Morbus Gaucher kann auf Grund der Laborbefunde und der verschiedenen für Morbus Gaucher typischen Symptome gestellt werden. Eine Bestätigung der Diagnose erfolgt durch die Messung der ß-Glukozerebrosidase-Aktivität im Blut. Bei Morbus Gaucher-Patienten ist die Enzymaktivität im Gegensatz zu Gesunden stark vermindert.

Die Enzymaktivität kann durch einen einfachen Bluttest bestimmt werden.

Diagnostik-Initiative für lysosomale Speicherkrankheiten – Ihr Arzt weiß mehr!

Ab sofort bietet die Diagnostik-Initiative von Archimed Life Science GmbH Ärzten bei Verdacht auf eine der seltenen Erkrankungen wie Morbus Gaucher, Morbus Fabry, Morbus Pompe oder auf MPS I die Aktivitätsmessung des jeweils betroffenen Enzyms per Trockenblut-Testung in einem anerkannten Speziallabor an. Die Genzyme GmbH, Deutschland, Teil der Sanofi-Gruppe, unterstützt diese Diagnostik-Initiative, daher kann Archimed Ärzten die Trockenblut-Testung kostenfrei anbieten.

Lysosomale Speicherkrankheiten sind sehr selten, sie zählen zu den Orphan Diseases (seltene Krankheiten) und zeigen in ihrem Verlauf meist eine Vielzahl von verschiedenen Symptomen. Das macht die Diagnose sehr schwierig. Aus diesem Grund werden die Krankheiten bei vielen Patienten oft erst sehr spät erkannt. Schwere Organschäden können dann meist nicht mehr rückgängig gemacht werden. Eine frühzeitige Diagnose ist daher wichtig.

Therapie des Morbus Gaucher

Welche spezifischen Therapieformen gibt es für Morbus Gaucher?

Enzymersatztherapie

Seit über 20 Jahren steht mit der Enzymersatztherapie eine ursächliche Therapie des Morbus Gaucher zur Verfügung. Hierbei wird das fehlende Enzym (Fachbegriff: Glukozerebrosidase) biotechnologisch her­ge­stellt und dem erkrankten Körper als Infusion verabreicht. Daher spricht man von einer Enzym­er­satz­the­rapie. Das biotechnologisch hergestellte Enzym kann die, in den Fresszellen (Fachbegriff: Makrophagen) eingelagerten Spei­cher­sub­stan­zen (Fachbegriff: Glukozerebroside) abbauen. Dies kann mit der Therapie bei der Zuckerkrankheit verglichen werden; hier fehlt den betroffenen Patienten das Hormon Insulin, das dem Körper durch die Therapie zugeführt wird.

Da das zur Behandlung zugeführte Enzym Glu­ko­ze­rebrosidase durch den natürlichen Stoffwechsel abgebaut wird, muss die Enzymersatztherapie (auch hier analog zum Diabetiker) lebenslang durchgeführt werden. Die Therapie kann – sofern sie rechtzeitig begonnen wurde - in allen betroffenen Organen und Organsystemen (Ausnahme: Nervensystem) wirken und die durch den Enzymmangel hervorgerufenen Symptome vermindern oder beseitigen.

Substratreduktionstherapie

Bei der Substratreduktionstherapie wird nicht das fehlende Enzym ersetzt, sondern der Aufbau der zu den Lipiden gehörenden, zuckerhaltigen Glukozerebroside teilweise gehemmt.

So ist es möglich die Anreicherung der Glukozerebroside in den Zellen zu reduzieren bzw. zu verhindern, wodurch wiederum Organschäden gelindert oder vermieden werden können. Anders als bei der Enzymersatztherapie, kann die Substratreduktionstherapie oral als Kapsel verabreicht werden. Auch diese Therapiealternative muss lebenslang beibehalten werden.

(Quelle: Genzyme GmbH)

Weitere Informationen zu Morbus Gaucher unter www.ggd-ev.de oder www.genzyme.de.

Unterschiedliche Verlaufsformen der Gaucherschen Erkrankung

Die Gaucher-Spezialisten unterscheiden heute zwischen der nicht-neuronopathischen und der neuronopathischen Verlaufsform des M. Gaucher.

  1. Die Nicht-Neuronopathische Form (auch Typ 1):
    Sie betrifft alle Altersgruppen, kann mild verlaufen, sie kann aber auch schwere Symptome verursachen.

  2. Die Neuronopathische Form (auch Typ 2 bzw. 3):
    Eine akute Verlaufsform (auch Typ 2), die sehr selten vorkommt. Sie betrifft Kleinkinder und verläuft leider rasch tödlich.
    Die neuronopathisch-chronische Verlaufsform (auch Typ 3): Sie tritt in der frühen bis in die späte Kindheit auf und kann zu einer verkürzten Lebenserwartung führen.

Gaucher Kompetenzzentren

Spezialisierte Kliniken und Zentren, die sich mit den Erkrankungen M. Gaucher / M. Fabry / M. Pompe und MPS I beschäftigen, sind hier aufgelistet.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Patient – vom ersten Verdacht auf eine lysosomale Speicherkrankheit bis zur Therapie – oft eine Odyssee bei unterschiedlichen Fachärzten durchläuft.

Spezialisierte Kliniken und Zentren verfügen über langjährige Erfahrung in der Betreuung von Patienten mit lysosomalen Speicherkrankheiten. Dieses Wissen möchten sie Ärzten und Patienten gerne zur Verfügung stellen und haben deswegen ihre Kontaktdaten angegeben.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die entsprechenden Kliniken und Zentren.

Hinweis:
Die auf dieser Website befindliche Liste von spezialisierten Kliniken bzw. Zentren ist nicht abschließend. Bislang nicht aufgeführte Zentren können jederzeit ergänzt werden.

Gaucher Zentren

Reihenfolge nach Postleitzahl

Universitätsklinikum Leipzig
Medizinische Klinik IV
Sektion Rheumatologie

Liebigstraße 20
04103 Leipzig
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Christoph Baerwald
Telefon: (0341) 9724710, Fax: (0341) 9724709
E-Mail: Christoph.Baerwald@remove-this.medizin.uni-leipzig.de

Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum
Kompetenzzentrum seltene Stoffwechselerkrankungen
Interdisziplinäres Stoffwechsel-Centrum (Oberärztliche Leitung: Prof. Dr. med. U. Plöckinger)

Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Ursula Plöckinger/
Dr. med. Nikolaus Tiling
Telefon: (030) 450 553 814, Fax: (030) 450 553 950
E-Mail: swc@remove-this.charite.de

Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Stoffwechselarbeitsgruppe

Martinistraße 52
20246 Hamburg
Ansprechpartner:Prof. Dr. med. Kurt Ullrich/
Prof. Dr. med. René Santer/
Dr. med. Nicole Muschol
Telefon: (040) 7410-53710, Fax: (040) 7410-56527
E-Mail: ullrich@remove-this.uke.de
E-Mail: muschol@remove-this.uke.de
E-Mail: santer@remove-this.uke.de

Asklepios Klinik St. Georg Hamburg
1. Medizinische Abteilung
Stoffwechselambulanz für Erwachsene
Haus O
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Martin Merkel
Telefon: (040) 18 1885-2352, Fax: (040) 18 1885-2323
E-Mail: m.merkel@remove-this.asklepios.com

Universitätsklinikum Düsseldorf
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie

Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
Ansprechpartner: Dr. med. Markus Donner
Telefon: (0211) 8118713, Fax: (0211) 8104941
E-Mail: markus_donner@remove-this.yahoo.de

Centrum für Seltene Erkrankungen (CeSER)
Universitäts-Kinderklinik
Frau Dr. Nesrin Karabul
Alexandrinenstr. 5
44791 Bochum
Telefon: 0234-5092610
Fax: 0234-5092612
E-Mail: n.karabul@remove-this.klinikum-bochum.de

Katholische Kliniken Oberhausen GmbH
St. Josef Hospital und St. Marien-Hospital
Innere Medizin

Mühlheimer Straße 83
46045  Oberhausen
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Claus Niederau
Telefon: (0208) 837301, Fax: (0208) 837309
E-Mail: c.niederau@remove-this.kk-ob.de

Universitätsklinikum Mainz
Kinderklinik
Villa Metabolica

Langenbeckstraße 2
55131 Mainz
Ansprechpartner: Dr. med. Eugen Mengel
Telefon: (06131) 175754, Fax: (06131) 175672
E-Mail: mengel@remove-this.kinder.klinik.uni-mainz.de

HSK - Dr. Horst Schmidt Kliniken GmbH
Zentrum für seltene Erkrankungen (ZSE)
Ludwig-Erhard-Strasse 100
65199 Wiesbaden
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Maurizio Scarpa
Dr. med. Christina Lampe
Telefon: (0611) 43 2326
E-Mail: Christina.Lampe@remove-this.hsk-wiesbaden.de

II. Medizinische Klinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar der TU München
Abteilung für Nephrologie
Ambulanz für lysosomale Speicherkrankheiten – lysoTUM

Ismaninger Straße 22
81675 München
Ansprechpartner: Dr. med. Claudia Regenbogen
Telefon: (089) 4140-2164
E-Mail: nephrologie.office@remove-this.lrz-tu-muenchen.de

Bewegungsvideos für Gaucher-Patienten

Bewusst bewegen im Alltag

Die Bewegungsvideos sind eine Anleitung, die speziell auf Ihre Bedürfnisse als Patient ausgerichtet sind und Ihnen helfen sollen, sich den Alltag zu erleichtern. Sie umfassen kleinere Trainingseinheiten zur Dehnung, Koordi­nation, Entspannung und Kräftigung, die Sie auch ohne besondere „Grundfitness” in Ihren Tagesablauf integrieren können. Hilfe annehmen heißt, sich selbst helfen.

Sie dürfen bei den Übungen keinerlei Schmerzen, Schwindel, Übelkeit oder sonstige Beschwerden fühlen. Bei Zweifeln oder Unsicherheit wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Robin Müller Schober

Fersen und Fussballen anheben

Oberkörper aufrichten

Schulterkreisen

Rudern mit dem Theraband

Zähne putzen

Was ist Morbus Gaucher?

Philippe Charles Ernest Gaucher
Erstbeschreiber der Gaucher`schen Erkrankung: Philippe Charles Ernest Gaucher (Bildquelle: Genzyme GmbH)

Morbus Gaucher (OMIM-ID 606463; ICD-10: E75.2 ) ist eine seltene, autosomal, rezessiv vererbte, angeborene Stoffwechselstörung. Es handelt sich um eine Glyko-Lipidspeicherkrankheit, die durch den Defekt des als β-Glukozerebrosidase be­zeich­neten, lysososmalen Enzyms [EC 3.2.1.45] verursacht wird. Die Krankheit ist nach Philippe Charles Ernest Gaucher benannt, der im Jahre 1882 als erster eine Patientin mit den typischen Symptomen beschrieb. Den multisystemischen Charakter dieser auf einem Gendefekt auf Chromosom 1 beruhenden Krankheit erkannte er allerdings damals noch nicht. M. Gaucher ist eine der häufigsten lysosomalen Speicherkrankheiten. Die klinische Inzidenz liegt in Zentraleuropa bei cirka 1 : 40.000 bis 1 : 60.000. Unter den Bewohnern der Mittelmeerländer und hier besonders unter der türkischen Bevölkerung tritt der Morbus Gaucher wesentlich häufiger auf; bei Ashkenazi-Juden mit einer geschätzten Häufigkeit von 1 : 850.
Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164

Wie sieht die Klinik und Klassifikation des Morbus Gaucher aus?

Gaucher-Speicherzelle
Mikroskopisches Bild der typischen Gaucher-Speicherzelle (Bildquelle: Genzyme GmbH)

Das körpereigene Enzym β-Glukozerebrosidase spaltet hydrolytisch ein Glukosemolekül aus Glukozerebrosiden ab. Glukozerebroside gehören zur Gruppe der Glykosphingolipide und fallen regelmäßig in Makrophagen beim Abbau von Membranen von Leukozyten und Erythrozyten an. Wenn das Enzym nun fehlt oder nur eine unzureichende Aktivität des Enzyms zur Verfügung steht, reichern sich in den Lysosomen der Makrophagen die nicht mehr weiter abbaubaren Glukozerebroside als Speichersubstanz an. Dabei schwellen die Makrophagen morphologisch zu den typischen Gaucher-Speicherzellen an.
Grabwoski GA . Lysosomal Storage Disease 1 - Phenotype, diagnosis, and treatment of Gaucher’s disease. Lancet (2008) 372: 1263-1271

Was sind die typischen klinischen Symptome des Morbus Gaucher?

Der M. Gaucher ist klinisch besonders durch das Leitsymptom Splenomegalie, den Knochenbefall mit Knochenschmerzen oder Knochenkrisen, hä­ma­to­logischen und labor­chemischen Veränderungen, sowie Abgeschlagenheit und Adynamie gekennzeichnet. Nur in cirka 5 bis 10 Prozent der Fälle ist das Zentralnervensystem (ZNS) auch betroffen. Dann spricht man von einer neuronopathischen Verlaufsform.

Der M. Gaucher ist die häufigste unter den lysosomalen Speicherkrankheiten. Die Inzidenz liegt in Zentraleuropa bei cirka  1 : 40.000 bis 1 : 60.000. Unter den Bewohnern der Mittelmeerländer und hier besonders unter der türkischen Bevölkerung tritt der Morbus Gaucher wesentlich häufiger auf; bei den Ashkenazi-Juden mit einer geschätzten Häufigkeit von 1 : 1.000.
Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164

Symptomatik des M. Gaucher

Wie sieht die typische Symptomatik des Morbus Gaucher aus?

Die mit Speichersubstanz (Fachbegriff: Glukozerebrosid) beladenen Makrophagen (Fachbegriff: Gaucher-Zellen) sammeln sich in allen Geweben und Organen, in denen sich typischerweise Makrophagen befinden. Diese Gaucher-Zellen finden sich daher überwiegend im Knochenmark, der Milz und der Leber. Bei der Therapie und deren Steuerung kommt der Beurteilung dieser drei betroffenen Organsysteme, d.h. den ossären, hämatologischen und viszeralen Symptomen ein hoher Stellenwert zu.
Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164

Viszerale Parameter der M. Gaucher-Symptomatik

Leber und Milz eines Patienten mit Morbus Gaucher
Gaucher-Patienten mit vergrößerter Milz und Leber (Bildquelle: Genzyme Corporate)

Durch die zunehmende Infiltration mit Gaucher-Zellen kommt es zur Vergrößerung von Milz und Leber mit abdominellen Beschwerden. Die Milz des Gaucher-Patienten kann bis zum Dreißigfachen des Normalen anschwellen. Als Folge kann es zu Milzinfarkten, einer Milzfibrosierung, einem Hypersplenismus sowie zur Narben- und Knötchenbildung kommen. Bei der Leber sind Vergrößerungen des Zwei- bis Dreifachen der Norm beschrieben. Manche Patienten entwickeln eine portale Hypertension, eine Fibrose (Pseudozirrhose) oder es kommt – wenngleich eher selten – zur Leberinsuffizienz oder gar zu einer Zirrhose.

Hämatologische Parameter als Symptome bei Morbus Gaucher-Patienten

Erhöhte Hämatomneigung bei Morbus Gaucher
Erhöhte Hämatomneigung bei M. Gaucher-Patienten als Folge der Thrombopenie (Bildquelle: Genzyme Corporate)

Überaktivität der Milz und Milzsequestration sowie die Infiltration des Knochenmarks unter Verdrängung der blutbildenden Zellen führen oft zu Blutbildveränderungen. Diese können mit einer zunächst milden Anämie und einer Thrombozytopenie (Thrombozytenzahl < 80.000/µl) beginnen. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung kann es zu einem weiteren Abfall der Thrombozytenzahl auf Werte von unter 20.000/µl und zur manifesten Blutungsneigung kommen. Häufig werden rezidivierendes Zahnfleisch- oder Nasenbluten und eine Hämatombildung auch nach Bagatelltraumata beschrieben. Eine auftretende Leukozytopenie führt bei Morbus Gaucher-Patienten zu einer vermehrten Infektanfälligkeit.

Ossäre Parameter als Symptome bei Morbus Gaucher-Patienten

Erlenmayer-Deformität bei Morbus Gauch
Typische Erlenmayer-Deformität bei Morbus Gaucher (Bildquelle: Institut für Diagnostische Radiologie, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf)
Knochenmarkinfiltration bei Morbus Gaucher
MRT: Knochenmarkinfiltration bei Morbus Gaucher (Bildquelle: Institut für Diagnostische Radiologie, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf)

Die Verdrängung des Knochenmarks durch die erkrankungsbedingten Gaucher-Zellen führt in den Knochen zu einem Ungleichgewicht von Auf- und Abbau in der Knochensubstanz. Dies führt zu einer allmählichen Veränderung der Kortikalis und damit zu einer verringerten Knochenstabilität. Im Metaphysenbereich, besonders in der proximalen Tibia und im distalen Femur, finden sich häufig radiologisch erkennbare Knochenschädigungen, die der Form eines Erlenmeyerkolben ähneln. Sie sind beim nicht-neuronopathischen Morbus Gaucher ebenso häufig wie eine Splenomegalie.
Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164

80 bis 90 Prozent aller Morbus Gaucher-Patienten entwickeln unterschiedlich stark ausgeprägte Knochen­symptome. Es kann zu sogenannten Knochenkrisen mit den typischen Symptomen einer akuten hoch­schmerz­haf­ten Entzündung sowie zu Wachstumsverzögerungen bei Kindern kommen. Sogar Knocheninfarkte sind beschrieben.

Der Schweregrad des Knochenbefalls wird anhand der Befallsmuster in Scores beurteilt. So wird beispielsweise das ossäre Befallsmuster der unteren Extremitäten oft mit dem Düsseldorf-Score beurteilt. Dabei nimmt die Veränderung von proximal nach distal und zu den Metaphysen hin an Schweregrad zu.

Infiltration am Knochenmark mit Gaucher-Zellen am Beispiel des distalen Femurs (MRT)

distaler Femur ohne pathologischen Befund bei Morbus Gaucher
Distaler Femur ohne pathologischen Befund
distaler Femur mit geringer Ausprägung bei Morbus Gaucher
Distaler Femur mit Gaucher-typischer Infiltration; geringe Ausprägung
distaler Femur mit schwerer Ausprägung bei Morbus Gaucher
Distaler Femur mit Gaucher-typischer Infiltration; schwere Ausprägung

(Bildquelle: Institut für Diagnostische Radiologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Weitere Symptomatik bei M. Gaucher-Patienten

Morbus Gaucher-Patienten haben einen erhöhten Grundumsatz. Bei Kindern sind ein verspäteter Eintritt der Pubertät und Wachstumsstörungen zu beobachten. Die meisten Gaucher-Patienten leiden unter Allgemein­beschwerden wie Müdigkeit und Leistungsminderung.

Die mit ca. 1 % der Gaucher Patienten sehr seltene, akut verlaufende neuro­nopathische Verlaufsform (früher Typ 2) wird schon im Säuglingsalter manifest. Hier stehen schwere neuro­lo­gi­sche Symptome im Vordergrund. Diese Gaucher-Patienten versterben in der Regel bereits innerhalb der ersten 2 Lebensjahre an rasch fortschreitenden ZNS-Kom­plikationen.

Eine chronisch-neuronopathische Variante des Morbus Gaucher (früher Typ 3) kommt ebenfalls selten vor. Sie beginnt meist im Kindesalter und ist durch eine geringere Progredienz gekennzeichnet. Die neurologische Symptomatik zeigt zum Teil einen fortschreitenden Abbau geistiger Fähigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, Störungen der Bewegungsmotorik, Augenbewegungsstörungen und Krampfanfälle.

Beim nicht-neuronopathischen Verlauf des Morbus Gaucher (früher Typ1) wird die Lebensqualität besonders durch die Gelenk- und Knochenveränderungen beeinflusst. Nach Frakturen und Femurkopfnekrosen sind manche Patienten leider an den Rollstuhl gefesselt. Vor allem durch mögliche Milzrupturen und Blutungskomplikationen sind Gaucher-Patienten auch akut gefährdet.

Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164
Grabwoski GA . Lysosomal Storage Disease 1 - Phenotype, diagnosis, and treatment of Gaucher’s disease. Lancet (2008) 372: 1263-1271

Hämatologische Aspekte des Morbus Gaucher

Hämatologen haben eine Schlüsselrolle in der Diagnostik des Morbus Gaucher:

Das Leitsymptom bei Morbus Gaucher ist die vergrößerte Milz. In einer Studie2 wurde gezeigt, dass 86% der noch unerkannten Gaucher-Patienten während ihrer Suche nach der richtigen Diagnose zur Abklärung der Splenomegalie beim Hämatologen vorstellig werden.

Was Morbus Gaucher ist und warum Sie als Hämatologe eine wichtige Rolle bei der Diagnostik spielen, erklärt Prof. Dr. med. Martin Merkel, Hannover:

(Video:Genzyme GmbH)


Prof. Merkel: „Man darf die Häufigkeit eines Morbus Gaucher im Patientenkreis eines Hämatologen nicht unterschätzen. Wir haben Untersuchungen durchgeführt und denken, dass 3-6% der Patienten mit unklarer Splenomegalie einen unerkannten Morbus Gaucher haben. Diese gilt es zu diagnostizieren. Wir sehen wie viele unserer Patienten vom Hämatologen kommen. Deshalb glaube ich, dass den Hämatologen eine ganz wichtige Rolle bei der Diagnose von Patienten mit Morbus Gaucher zukommt.“

2 Mistry PK, Sadan S, Yang R et al. Consequences of diagnostic delays in type 1 Gaucher disease: The need for greater awareness among hematologists-­oncologists and an opportunity for early diagnosis and intervention. Am J Hematol 2007; 82:697-­701.

Leukämie differentialdiagnostisch ausgeschlossen, dann an Morbus Gaucher denken:

(Bildquelle: Genzyme Corporate)

Symptome wie unklare Splenomegalie oder Thrombozytopenie lassen Hämatologen schnell an hämatologische Tumore, insbesondere Leukämie, chronisch-­hämolytische Anämien oder Lebererkrankungen als Verdachtsdiagnose denken. Wurden diese ausgeschlossen, sollten bei der Differentialdiagnose auch andere Erkrankungen wie die lysosomale Speicherkrankheit Morbus Gaucher in Betracht gezogen werden.

Aus welchen Gründen, erläutert Prof. Dr. med. Martin Merkel, Hannover, hier im Video:

(Video:Genzyme GmbH)


Prof. Merkel: „Wir Ärzte funktionieren so, dass wir die häufigeren und akuteren Krankheiten in der Regel zuerst ausschließen. Wenn jemand mit einer vergrößerten Milz oder einer schweren Thrombozytopenie kommt, wird man natürlich unter anderem an Leukämien oder andere hämatologische Erkrankungen denken. Diese müssen zuerst ausgeschlossen werden. Wenn diese ausgeschlossen sind und das Symptom nicht zu erklären ist, dann sollte man an Morbus Gaucher denken, damit der Patient seine rettende und symptomlindernde Therapie bekommen kann.“

Unklare Splenomegalie: Ursache Morbus Gaucher gar nicht so selten

Mit freundlicher Genezmigung Dr. Mengel, Mainz

Das Follow-up eines bundesweiten Screeningprojektes an 217 Patienten mit idiopathischer Splenomegalie zeigte 5 Neudiagnosen von Morbus Gaucher. Die Prävalenz Morbus Gaucher bei Patienten mit Splenomegalie liegt  bei 1:43 und ist damit häufiger als zunächst vermutet!3

Mehr zur Splenomegalie bei Morbus Gaucher erfahren Sie von Prof. Dr. med. Martin Merkel, Hannover, hier im Video:  

(Video:Genzyme GmbH)

Prof. Merkel: „Eine Splenomegalie ist ein ernst zu nehmender Befund. Hinter der Splenomegalie können hämatologische Erkrankungen wie z.B. Leukämien stecken. Auch eine Leberzirrhose, Herzerkrankungen (z.B. eine Endokarditis) oder schwere chronische Infektionen können die Ursache sein. Die Differentialdiagnose der Splenomegalie ist sehr vielfältig und der Befund einer Splenomegalie ist grundsätzlich abklärungsbedürftig. Wenn die üblichen Ursachen einer Splenomegalie (Infektion, Hämatologie, Lebererkrankungen) ausgeschlossen sind, dann sollte man auch an seltenere Diagnosen wie Morbus Gaucher denken, der in ca. 5% der Fälle mit unklarer Splenomegalie vorkommen kann.“

3 vom Dahl, Santosa D, Donner M, Merkel M et al. Sieben Neudiagnosen der Sphingolipidosen M. Gaucher und M. Niemann-Pick Typ B bei idiopathischer Splenomegalie: Follow-up eines bundesweiten Screeningprojektes an 217 Patienten. Der Gastroenterologe 2015; 10:350, Springer Medizin

Unklare Thrombozytopenie: Auch an einen M. Gaucher denken?

(Bildquelle: Genzyme Corporate)

Einer der wichtigsten Befunde des M. Gaucher ist die Thrombozytopenie. Da sie bereits relativ früh auftreten kann, liefert sie oft einen entscheidenden Diagnosehinweis.

Welche Rolle die Thrombozytopenie spielt und welche hämatologischen Parameter Ärzte außerdem im Blick haben sollten, berichtet Prof. Dr. med. Martin Merkel, Hannover, im Video:

(Video:Genzyme GmbH)

Prof Merkel: „Der wichtigste Blutbefund bei Morbus Gaucher ist die Thrombozytopenie, die relativ früh auftritt und zunächst als isolierte Thrombopenie ohne eine Panzytopenie zu finden ist. In Mitteleuropa seltener, aber durchaus beschrieben sind eine Anämie, die nicht durch eine Blutung erklärbar ist, oder auch eine leichte Erhöhung der Transaminasen, die durch die Beteiligung der Leber entstehen kann. Andere Blutwerte, wie das ACE (Angiotensin Converting Enzyme) oder Ferritin, sind häufiger erhöht bei Morbus Gaucher."

Einfacher Trockenbluttest erhärtet Verdacht auf Morbus Gaucher

(Bildquelle Genzyme GmbH)

Unklare Splenomegalie oder Thrombozytopenie gehören zu den Leitsymptomen des M. Gaucher. Erhärtet sich der Verdacht auf die Erkrankung, sollte die Abklärung frühzeitig erfolgen. In einer aktuellen italienischen Studie4 wurde bei 3,6% von 200 Patienten mit Splenomegalie und/oder Thrombozytopenie ein Morbus Gaucher anhand der Bestimmung von Enzymaktivität und anschließender genetischer Analyse mittels Trockenbluttest diagnostiziert.

Wann eine solche Testung erfolgen sollte und wie sie abläuft, erläutert Prof. Dr. med. Martin Merkel, Hannover, im Video:

(Video:Genzyme GmbH)

Prof. Merkel: „Hat man den spezifischen Verdacht auf Morbus Gaucher, dann muss man einen Enzymtest machen. Wenn bei der Trockenbluttestung die ß-Glukozerebrosidase in ihrer Aktivität nicht voll vorhanden ist oder fehlt, hat man den hochgradigen Verdacht auf Morbus Gaucher. Heutzutage geht das relativ einfach. Bereits aus einem kleinen Trockenbluttröpfchen kann die Enzymaktivität mit sehr hoher Sicherheit und sehr hoher Genauigkeit bestimmt werden. Daran würde sich eine genetische Untersuchung anschließen, denn man möchte eine genetische Erkrankung auch genetisch nachweisen.“

4 Motta I et al. A Multicentre Observational Study for Early Diagnosis of Gaucher Disease in Patients with Splenomegaly and/or Thrombocytopenia. Eur J Haematol. 2015 Jun 1. doi: 10.1111/ejh.12596.

Was ist Morbus Gaucher?

Morbus Gaucher ist eine erblich bedingte lysosomale Speicherkrankheit. Ursächlich ist ein autosomal-­rezessiv vererbter Gendefekt, durch den es zu einem Mangel des Enzyms β-­Glukozerebrosidase kommt. Dieses Enzym katalysiert den Abbau der Glukozerebroside, die Bestandteile der Zellmembranen sind. Durch den Enzymmangel kommt es zu einer Akkumulation in den Lysosomen von Makrophagen. Durch die Speicherung der Glukozerebroside entstehen aus den Makrophagen vergrößerte Zellen (sog. Gaucher‐Zellen), die sich in verschiedenen Bereichen des Körpers, insbesondere in der Milz, der Leber und dem Knochenmark, ansammeln. Die Infiltration kann eine Vielzahl verschiedener Symptome verursachen, darunter Vergrößerungen von Milz und Leber, Anämie, Blutungsneigung und Hämatome, sowie Knochenschmerzen.

Aufgrund seiner Seltenheit und der großen Variabilität der Symptome wird der Morbus Gaucher oft erst nach Jahren erkannt. Dann sind häufig bereits irreversible Schäden eingetreten, die durch den Einsatz der heute verfügbaren Therapieoptionen meist zu verhindern gewesen wären.
Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164
Grabwoski GA . Lysosomal Storage Disease 1 - Phenotype, diagnosis, and treatment of Gaucher’s disease. Lancet (2008) 372: 1263-1271

Leitsymptome bei Morbus Gaucher

Symptome wie unklare Splenomegalie oder Thrombozytopenie lassen Hämatologen schnell an Leukämie denken. Wurde diese ausgeschlossen, sollten bei der Differentialdiagnose auch andere Erkrankungen wie die lysosomale Speicherkrankheit M. Gaucher in Betracht gezogen werden.

Unklare Splenomegalie, u. U. in Verbindung mit

  • Thrombozytopenie/Blutungsneigung
  • Erhöhtem Ferritin und/oder erhöhtem ACE
  • Moderater Anämie
  • Knochenschmerzen

Nach Ausschluss von Lymphom, Leukämie und myelodysplastischem Syndrom

(Bildquelle: Genzyme GmbH)

Was tun bei Verdacht auf Morbus Gaucher?

  • Bestimmung der Enzymaktivität (z.B. Trockenblut-­Testmethode)
    Ein negativer Knochenmarksausstrich schließt Morbus Gaucher nicht aus!
  • Kontaktaufnahme mit einem Gaucher-­Zentrum

Diagnostik-Initiative Morbus Gaucher

Der Einsatz einer einfachen Trockenblut-Testmethode zur Bestimmung der Enzymaktivität der β-Glukozerebrosidase kann eine rasche Diagnose ermöglichen, was eine prognostisch günstigere frühe
Behandlung der Erkrankung ermöglicht. Die Unterlagen zur Diagnostik-­Initiative für lysosomale Speicherkrankheiten der Archimed Life Science GmbH erhalten Sie über die kostenfreie Service Hotline oder wenden Sie sich an Ihren Genzyme-­Mitarbeiter.

Bei einem positiven Befund empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einem spezialisierten Behandlungszentrum.

Genzyme, Teil der Sanofi-­Gruppe, unterstützt die Diagnostik-­Initiative für lysosomale Speicherkrankheiten der Archimed Life Science GmbH. Daher kann Archimed Ärzten die Trockenbluttestung kostenfrei anbieten.

Für die Kontaktdaten unserer kostenfreien Service Hotline,
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Wie verläuft die Diagnostik/Diagnose bei Morbus Gaucher?

Bei Verdacht auf M. Gaucher ist eine sorgfältige körperliche Untersuchung angezeigt. Sie sollte eine Untersuchung der Oberbauchorgane, insbesondere eine Oberbauchsonographie einschließen. Im Ultraschall lässt sich die bei M. Gaucher fast immer vorhandene Milzvergrößerung gut nachweisen und quantifizieren. Auch ein Knochenstatus sowie Laboruntersuchungen und eine Familienanamnese sollten durchgeführt werden.
Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164
Grabwoski GA . Lysosomal Storage Disease 1 - Phenotype, diagnosis, and treatment of Gaucher’s disease. Lancet (2008) 372: 1263-1271

Laboruntersuchungen: Gesichert wird die Diagnose eines M. Gaucher durch die direkte Aktivitätsmessung der β-Glukozerebrosidase (in Leukozyten) im Blut in einem Speziallabor, z.B mittels eines einfach durchzuführenden Trockenbluttests. Bei eindeutig erniedrigter Gluko­zere­bro­sidaseaktivität und dem typischen klinischen Bild einer Gaucherschen Erkrankung sind histologische Unter­su­chun­gen von Milz, Leber oder Knochen zur Sicherung der Diagnose nicht erforderlich, zumal in Zweifelsfällen auch eine genetische Untersuchung aus einer Blutprobe zur Sicherung der Diagnose möglich ist. Hämoglobin und Thrombozyten im Blut sind typischerweise erniedrigt. Bei fast allen Patienten finden sich erhöhte Werte des Serumferritins, des Angiotensin-Converting-Enzyms (ACE) und der nicht-tartrathemmbaren sauren Phosphatase. Die Aktivität des Enzyms Chitotriosidase ist (bei symptomatischen M. Gaucher-Patienten) im Plasma mindestens 100-fach erhöht. Die Messung der Chitotriosidase-Aktivität eignet sich besonders gut, um den Erfolg der Therapie zu überwachen. Die Konzentration des Enzyms in den Verlaufsuntersuchungen spiegelt recht gut die Gesamtmenge der im Körper gespeicherten Glukozerebrosiden wider. Die Bestimmung der Chitotriosidase sollte möglichst immer im selben Labor erfolgen, da es je nach Methode erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Labors gibt.

Untersuchung des Skelettsystems: Knochen­ver­ä­nde­rungen treten am häufigsten in der proximalen Tibia und im distalen Femur auf. Radiologisch zeigen sie sich als Verbreiterungen im Metaphysenbereich. Die Magnet­reso­nanztomografie bzw. die Kernspintomografie (Abkürzung: MRT) ist die sensitivste Technik, um solche Knochenveränderungen, insbesondere die Infiltration des Knochenmarks mit Gaucher Zellen,  zu dokumentieren. Auch der Schweregrad der Knochenbeteiligung der Gaucher-Erkrankung kann so bestimmt werden. Alternativ wird hierzu auch die CT-Technik (Fachbegriff: Computertomografie) eingesetzt. Hierbei entsteht allerdings eine Strahlenbelastung des Patienten.

Mögliche Differenzialdiagnosen bei Morbus Gaucher

SymptomeMögliche Differenzialdiagnosen
Hämatologische Veränderungen (u.a. Anämie, Thrombozytopenie, Blutungsneigung)Leukämie, Anämie, Lymphom, multiples Myelom, M. Hodgkin
Viszerale Veränderungen (u.a. Splenomegalie)Infekt unklarer Ursache, unklarer Tumor, unklare Bauchschmerzen, Leukämie
Ossäre Veränderungen (u.a. Knochenschmerzen, pathologische Frakturen, Knochennekrosen)Osteomyelitis, M. Legg-Calvé-Perthes, rheumatoide Arthritis

Diagnostik bei Morbus Gaucher

Besteht aufgrund von Beschwerden der Verdacht auf Morbus Gaucher, kann dieser durch Laboruntersuchungen relativ einfach bestätigt oder ausgeschlossen werden. In der Regel reicht ein Bluttest aus, bei dem die Aktivität des Enzyms β-Glukozerebrosidase gemessen wird. Die Blutprobe kann in der Arztpraxis entnommen und zur Analyse in ein spezialisiertes Labor geschickt werden.

Sobald bei Ihnen der Verdacht auf einen Morbus Gaucher besteht, sollten Sie umgehend mit einem Gaucher-Zentrum (siehe Expertenzentren) Kontaktaufnehmen.

Welche Rolle spielt die Vererbung bei Morbus Gaucher?

Der Morbus Gaucher ist eine autosomal rezessive Erbkrankheit. Der Genlocus des Glukozerebrosidase-Gens findet sich der Region 1q22.
Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164
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Die Eltern beim M. Gaucher sind selbst meist asymptomatische Träger nur eines mutierten Gens. Bei ihnen reicht die vorhandene Restenzymaktivität für die Aufrechterhaltung des Systems aus. Es kommt zu keiner Speicherung von Glukozerebrosiden. Derzeit sind über 300 Polymorphismen und Mutationen beim Glukozerebrosidase-Gen katalogisiert. Sie alle können zu Morbus Gaucher führen. Es überwiegen zwar die Punktmutationen, aber auch Frameshift- und Spleiß-Mutationen wurden beschrieben.

Bei all diesen Mutationen sind die Enzymstabilität, die katalytische Aktivität des Enzyms oder die Zahl synthetisierter Enzymmoleküle verändert. Die 4 häufigsten Mutationen betreffen cirka 80 bis 90 Prozent aller Patienten. Dass der Krankheitsverlauf und die klinischen Merkmale zwischen Personen des gleichen Genotyps sich stark unterscheiden können, ist bemerkenswert. Wie Genotyp und Phänotyp korrelieren, ist bis heute unklar.

Anhand von Stammbäumen kann das Risiko, Kinder zu bekommen, die an Morbus Gaucher erkranken bzw. Träger sind, eingeschätzt werden:

1. Fall

autosomal rezessive Vererbung von Morbus Gaucher

Wenn beide Elternteile gesund sind, dann vererben sie jeweils zwei normale Gene. Alle Nachkommen sind auch gesund.

2. Fall

autosomal rezessive Vererbung von Morbus Gaucher

Leiden beide Elternteile an Morbus Gaucher, dann vererben sie jeweils zwei veränderte Gene. Alle Nachkommen sind dann betroffen.

3. Fall

autosomal rezessive Vererbung von Morbus Gaucher

Sind beide Elternteile Träger, dann haben sie jeweils ein normales und ein verändertes Gen. Statistisch gesehen erben 50 Prozent der Nachkommen je ein normales und je ein verändertes Gen. Wie ihre Eltern sind sie Träger, haben aber keine Symptome der Krankheit. 25 Prozent der Nachkommen erben zwei normale Gene und sind gesund. 25 Prozent der Nachkommen erben zwei veränderte Gene und werden an M. Gaucher erkranken. Das bedeutet, dass eine statistische Chance bei jeder Schwangerschaft von drei zu vier oder eine fünfundsiebzig-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, auch ein gesundes Kind zu bekommen.

4. Fall

autosomal rezessive Vererbung von Morbus Gaucher

Ist ein Elternteil Träger und ein Elternteil gesund, so wird keines der Kinder selbst erkranken, jedoch werden 50 Prozent der Nachkommen auch Träger des veränderten Gens sein.

5. Fall

autosomal rezessive Vererbung von Morbus Gaucher

Ist ein Elternteil gesund und leidet ein Elternteil an Morbus Gaucher, so werden alle Nachkommen selbst gesund, jedoch auch Träger des veränderten Gens sein.

6. Fall

autosomal rezessive Vererbung von Morbus Gaucher

Ist ein Elternteil erkrankt und ein Elternteil Träger, dann werden 50 Prozent der Nachkommen ebenfalls an Morbus Gaucher leiden. Die andere Hälfte ist Träger und gesund.

(Bildquelle für alle Abbildungen: Genzyme GmbH)

Das deutsche Heilmittelwerbegesetz (HWG) schreibt vor, den Zugang zu fachspezifischen Inhalten zu rezeptpflichtigen Medikamenten nur Fachkreisen zu ermöglichen.

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Therapie des Morbus Gaucher

Enzymersatztherapie

Seit fast 25 Jahren gibt es mit der Enzymersatztherapie (EET) eine etablierte, kausale Therapie für M. Gaucher. Hierbei wird das bei M. Gaucher defiziente Enzym β-Glukozerebrosidase biotechnologisch hergestellt und dem Körper als Infusion zugeführt. Das so zugeführte Enzym wird gezielt in die Lysosomen transportiert und spaltet dort die, vor allem in den Makrophagen gespeicherten Glukozerebroside. Die Enzymersatztherapie korrigiert die mangelnde Enzymaktivität womit die für M. Gaucher typischen Symptome reduziert oder beseitigt werden.

Die EET wirkt in praktisch allen bei M. Gaucher betroffenen Geweben. Lediglich im ZNS werden aufgrund der Blut-Hirn-Schranke keine ausreichenden Konzentrationen erreicht, was bei den seltenen neuronopathischen Verlaufsformen (M. Gaucher Typ 2 und Typ 3) von Bedeutung ist.

Das therapeutisch zugeführte Enzym wird im Körper verstoffwechselt, was eine lebenslange Therapie bedingt.

Substratreduktionstherapie

Die Substratreduktionstherapie (SRT) zielt darauf ab, die Syntheserate der Speichersubstanz, den Glu­koze­re­brosiden (Glukosylzeramide, GL-1), zu verringern und so an den gestörten Abbaustoffwechsel bei Patienten mit Gaucher Typ 1 anzupassen. Dazu wird ein oraler Inhibitor der Glukozerebrosid-Synthase verabreicht.

Durch die reduzierte Neubildung von Glukozerebrosiden kann die bei M. Gaucher Typ 1 immer vorhandene ß-Glukozerebrosidase-Restenzymaktivität ausreichen, die im Stoffwechsel anfallende Menge an Glukozerebrosiden abzubauen. So kann eine pathologische Speicherung von Glukozerebrosiden verhindert und die klinischen Manifestationen gemildert werden.

Welche Verlaufsformen des M. Gaucher gibt es?

Der M. Gaucher ist klinisch besonders durch das Leitsymptom Splenomegalie, den Knochenbefall mit hämatologischen und labor­che­mischen Veränderungen, sowie Abgeschlagenheit und Adynamie gekennzeichnet. Nur in cirka 5 bis 10 Prozent der Fälle ist das Zentral­nervensystem (ZNS) auch betroffen.
Linari S et al. Clinical manifestations and management of Gaucher disease.  Clin Cases Miner Bone Metab (2015) 12 157-164
Grabwoski GA . Lysosomal Storage Disease 1 - Phenotype, diagnosis, and treatment of Gaucher’s disease. Lancet (2008) 372: 1263-1271

Die Krankheit wurde bisher von Gaucher-Spezialisten sehr streng in 3 Subtypen eingeteilt. Diese Einteilung basierte auf den jeweiligen Symptomen, der Mitbeteiligung des Nervensystems, dem Zeitpunkt des Krankheitseintritts und der Lebenserwartung der Patienten.
Diese willkürliche Trennung wird zunehmend zu Gunsten einer neuen Aufteilung verlassen, da es Übergangsformen gibt, die sich nicht eindeutig einem Sub-Typ zuordnen lassen. Man unterscheidet heute eine nicht-neuro­nopathische und eine neuronopathische Verlaufsform. Das bedeutet, dass das Fehlen bzw Auftreten von Nervenschädigungen über die Zuordnung zu den 2 Hauptgruppen entscheidet.

Die neue und die alte Klassifizierung stehen in folgendem Zusammenhang:

  • nicht-neuronopathisch (früher Typ 1):
    betrifft alle Altersgruppen, klassischer Verlauf mit Schwerpunkt Knochenbefall, hämatologische und viszerale Beteiligung. Häufigster Subtyp.
  • neuronopathisch (früher Typ 2 bzw. 3):
    akute Verlaufsform (früher Typ 2): sie ist eher selten, betrifft dann Kleinkinder und verläuft rasch tödlich;
    chronische Verlaufsform (früher Typ 3): sie tritt in der frühen bis späten Kindheit auf und führt häufig zu einer verkürzten Lebenserwartung.

Hauptvarianten des Morbus Gaucher

Informationen zu der Abbildung

Sie können die Abbildung sehen, wenn Sie sich mit Ihrem DocCheck- oder Service-Login anmelden.

Krankheitsregister für Morbus Gaucher

Der Zugang zu Informationen spielt eine wichtige Rolle, um den M. Gaucher-Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten. Informationen zur Therapie und Erkrankung des Morbus Gaucher stehen dem einzelnen behandelnden Arzt aber nur begrenzt zur Verfügung.

Zusammen mit der Einführung der kausalen Therapie wurde das M. Gaucher-Register bereits 1991 etabliert. Es repräsentiert auch heute noch die größte Datensammlung (nationale und internationale)  zur Erkrankung und Therapie des Morbus Gaucher.

Seit der Einführung haben mehr als 750 Zentren aus übersechzig Ländern Daten von mehr als 6.000 Patienten zum M. Gaucher-Register beigesteuert.

Zum Verständnis der Enzymersatztherapie und des Krankheitsverlaufes hat die kontinuierliche Sammlung und Auswertung von Daten zu Morbus Gaucher wesentlich beigetragen. Die Forschungskooperationen, die daraus entstanden sind, haben zu zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen in Fachzeitschriften und der Erstellung von Therapieleitlinien geführt.
Weinreb NJ et al. The history and accomplishments of the ICGG Gaucher registry Am J Hematol (2015) 90: Supplement 1

Die Zielsetzungen des Gaucher-Registers sind auch nach 15 Jahren noch aktuell und umfassen:

  • Erweiterung des Fachwissens zur Krank­heits­progression, der Variabilität der Symptomatik und auch des natürlichen Verlaufs des Morbus Gaucher als Grundlage für die bessere Einschätzung und Beratung von Therapieinterventionen
  • Verbesserung der medizinischen Patientenversorgung durch die Entwicklung von Empfehlungen zur Verlaufskontrolle und zur Therapie sowie die Erarbeitung von Berichten zum Krankheitsverlauf

Das M. Gaucher-Register hat nur beobachtenden Charakter. Umfang und Intervall klinischer Verlaufs­kontrollen legt der behandelnde Arzt anhand der individuellen Erfordernisse seines Patienten fest. Alle Informationen zu den teilnehmenden Patienten und Ärzten werden anonymisiert. Diese müssen vorab schriftlich der Teilnahme zustimmen. Eine vorrangige Bedeutung hat hierbei der Schutz der Privatsphäre.

Expertenzentren

Spezialisierte Kliniken und Zentren, die sich mit den Erkrankungen M. Gaucher / M. Fabry / M. Pompe und MPS I beschäftigen, sind hier aufgelistet.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Patient – vom ersten Verdacht auf eine lysosomale Speicherkrankheit bis zur Therapie – oft eine Odyssee bei unterschiedlichen Fachärzten durchläuft.

Spezialisierte Kliniken und Zentren verfügen über langjährige Erfahrung in der Betreuung von Patienten mit lysosomalen Speicherkrankheiten. Dieses Wissen möchten sie Ärzten und Patienten gerne zur Verfügung stellen und haben deswegen ihre Kontaktdaten angegeben.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die entsprechenden Kliniken und Zentren.

Hinweis:
Die auf dieser Website befindliche Liste von spezialisierten Kliniken bzw. Zentren ist nicht abschließend. Bislang nicht aufgeführte Zentren können jederzeit ergänzt werden.

Gaucher Zentren

Reihenfolge nach Postleitzahl

Universitätsklinikum Leipzig
Medizinische Klinik IV
Sektion Rheumatologie

Liebigstraße 20
04103 Leipzig
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Christoph Baerwald
Telefon: (0341) 9724710, Fax: (0341) 9724709
E-Mail: Christoph.Baerwald@remove-this.medizin.uni-leipzig.de

Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum
Kompetenzzentrum seltene Stoffwechselerkrankungen
Interdisziplinäres Stoffwechsel-Centrum (Oberärztliche Leitung: Prof. Dr. med. U. Plöckinger)

Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Ursula Plöckinger/
Dr. med. Nikolaus Tiling
Telefon: (030) 450 553 814, Fax: (030) 450 553 950
E-Mail: swc@remove-this.charite.de

Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Stoffwechselarbeitsgruppe

Martinistraße 52
20246 Hamburg
Ansprechpartner:Prof. Dr. med. Kurt Ullrich/
Prof. Dr. med. René Santer/
Dr. med. Nicole Muschol
Telefon: (040) 7410-53710, Fax: (040) 7410-56527
E-Mail: ullrich@remove-this.uke.de
E-Mail: muschol@remove-this.uke.de
E-Mail: santer@remove-this.uke.de

Asklepios Klinik St. Georg Hamburg
1. Medizinische Abteilung
Stoffwechselambulanz für Erwachsene
Haus O
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Martin Merkel
Telefon: (040) 18 1885-2352, Fax: (040) 18 1885-2323
E-Mail: m.merkel@remove-this.asklepios.com

Universitätsklinikum Düsseldorf
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie

Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
Ansprechpartner: Dr. med. Markus Donner
Telefon: (0211) 8118713, Fax: (0211) 8104941
E-Mail: markus_donner@remove-this.yahoo.de

Centrum für Seltene Erkrankungen (CeSER)
Universitäts-Kinderklinik
Frau Dr. Nesrin Karabul
Alexandrinenstr. 5
44791 Bochum
Telefon: 0234-5092610
Fax: 0234-5092612
E-Mail: n.karabul@remove-this.klinikum-bochum.de

Katholische Kliniken Oberhausen GmbH
St. Josef Hospital und St. Marien-Hospital
Innere Medizin

Mühlheimer Straße 83
46045  Oberhausen
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Claus Niederau
Telefon: (0208) 837301, Fax: (0208) 837309
E-Mail: c.niederau@remove-this.kk-ob.de

Universitätsklinikum Mainz
Kinderklinik
Villa Metabolica

Langenbeckstraße 2
55131 Mainz
Ansprechpartner: Dr. med. Eugen Mengel
Telefon: (06131) 175754, Fax: (06131) 175672
E-Mail: mengel@remove-this.kinder.klinik.uni-mainz.de

HSK - Dr. Horst Schmidt Kliniken GmbH
Zentrum für seltene Erkrankungen (ZSE)
Ludwig-Erhard-Strasse 100
65199 Wiesbaden
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Maurizio Scarpa
Dr. med. Christina Lampe
Telefon: (0611) 43 2326
E-Mail: Christina.Lampe@remove-this.hsk-wiesbaden.de

II. Medizinische Klinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar der TU München
Abteilung für Nephrologie
Ambulanz für lysosomale Speicherkrankheiten – lysoTUM

Ismaninger Straße 22
81675 München
Ansprechpartner: Dr. med. Claudia Regenbogen
Telefon: (089) 4140-2164
E-Mail: nephrologie.office@remove-this.lrz-tu-muenchen.de