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Morbus Fabry Symptome sind vielschichtig und unspezifisch

Morbus Fabry Symptome sind vielschichtig und unspezifisch

Symptome

Durch seine Seltenheit ist Fabry im Praxisalltag kaum oder gar nicht präsent.

 

  1. Eine renale, kardiale und/oder neurologische Symptomatik kann auf einen Morbus Fabry hinweisen (Germain 2010).

  2. Zu den frühen Symptomen gehören Brennschmerzen, gastrointestinale Probleme und Probleme mit dem Schwitzen. Spätere Symptome können u.a. Proteinurie und EKG-Veränderungen sein.

  3. Auffällige Häufungen von Herz- und Nierenschäden in der Familie können ebenfalls auf einen Morbus Fabry hinweisen.

Nephrologische, kardiologische und neurologische Symptomatik kann auf die richtige Spur führen

Globotriaosylceramid und verwandte Glycosphingolipide akkumulieren in den Lysosomen besonders im vaskulären Endothel, in der Niere, im Herzen sowie im peripheren Nervensystem (Germain 2010). Hieraus leiten sich die typischen Fabry-Manifestationen ab. Wichtig zu wissen: M. Fabry Symptome können vielfältig und sehr individuell sein; sie müssen nicht kontinuierlich zusammen auftreten und ihre Häufigkeit und Intensität können sich im Laufe des Lebens ändern (Breunig 2006).

Die Multisystemkrankheit M. Fabry betrifft den ganzen Körper

Fortschreitende Niereninsuffizienz

Das erste Anzeichen für eine beginnende Einschränkung der Nierenfunktion ist typischerweise eine Proteinurie, die schon in frühen Jahren auftreten kann. Mit fortschreitender Erkrankung kommt es zu einer Glomerulosklerose, tubulärer Atrophie und interstitieller Fibrose, die bis zu einer terminalen Niereninsuffizienz fortschreiten kann (Germain 2010).

Ursache sind GL-3-Ablagerungen in Podozyten, Epithel-, Mesangium- und Interstitiumzellen und damit in allen Zellentypen der Niere, wie Untersuchungen mittels Nierenbiopsie gezeigt haben. Sie lassen sich sogar bei Patienten mit normaler GFR und minimaler Proteinurie nachweisen (Waldek 2014). Besonders die Podozyten, die durch das akkumulierte Speichermaterial geschädigt werden, spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Proteinurie (Waldek 2014).

Die Herz-Symptomatik kann vielschichtig sein

Ebenso wie die Niere schädigen GL-3 und Lyso-GL-3 auch das Herz. Zudem beeinflussen sich beide Organe gegenseitig (kardio-renale Achse) (Ronco 2010). Typisch für Morbus Fabry ist eine linksventrikuläre Hypertrophie ohne Hypertonus. Zudem zeigen viele Patienten einen prominent verdickten Papillarmuskel, und ein verbreitetes Problem sind außerdem Arrhythmien. Darüber hinaus wurden bei Fabry-Patienten Klappenanomalien und Herzinfarkte beschrieben. Im Verlauf können sich eine kardiale Fibrose und Herzinsuffizienz entwickeln (Germain 2010, Mehta 2010).

Schmerzen in den Händen und Füßen sind typische frühe Manifestationen

Zu den typischen frühen Symptomen eines Morbus Fabry gehören neuropathische Schmerzen in Händen und Füßen, die häufig als „brennend“ beschrieben werden und sich zu sog. Schmerzkrisen ausweiten können. Viele Fabry-Patienten weisen eine Hypo- oder Anhidrose auf (Germain 2010). Körperliche Anstrengung können sie daher schlecht tolerieren.

Frühe TIA und Schlaganfälle können auf M. Fabry hinweisen

Zudem haben Fabry-Patienten ein erhöhtes Risiko für transitorische ischämische Attacken und Schlaganfälle bereits in jungem Alter. Sie können auch die Erstmanifestation der Erkrankung sein (Germain 2010).

Fabry-Patienten zeigen auch vermehrt auditorische und vestibuläre Abnormalitäten, die sich in Form von Symptomen wie Hörverlust, Tinnitus oder Schwindel äußern können (Germain 2010).

Angiokeratome auf der Haut

Eines der frühen Zeichen für einen Morbus Fabry sind Angiokeratome – sie finden sich vor allem im Badehosenbereich, um den Bauchnabel und/oder im Bereich der Lippen (Germain 2010). Allerdings können sie gerade im Frühstadium noch dezent ausgeprägt sein.

Gastrointestinale Symptome

Viele Patienten berichten über Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen, aber auch abdominelle Krämpfe, häufig nach dem Essen (Germain 2010).

Ophthalmologische Auffälligkeiten

Mittels Spaltlampenuntersuchung beim Augenarzt leicht erkennbar, weist ein hoher Teil der Fabry-Patienten eine Cornea verticillata und/oder geschlängelte retinale Gefäße auf. Eine Visuseinschränkung ist damit meist nicht verbunden (Germain 2010).

Fatigue

Chronische Fatigue ist ein Symptom, das viele Fabry-Patienten belastet. Auch Depressionen kommen bei Morbus Fabry häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung. Die Lebensqualität ist eingeschränkt (Germain 2010).

Die M. Fabry Kardinalsymptome im Überblick

Med. Spezialisierung

Kardinalysndrom

Kasuistik

Mithilfe von 8 gezielten Fragen zur spezifischen Qualität häufiger Symptome bei Morbus Fabry lässt sich ein Verdacht auf Morbus Fabry weiter einengen:

Klinische Manifestationen in Abhängigkeit vom Alter

(Fogo AB 2010, Schunk 2020, Breuning 2006)
Kindheit und Adoleszenz (≤ 16 Jahre) Frühes Erwachsenenalter
(17 – 30 Jahre)
Späteres Erwachsenenalter
(> 30 Jahre)
Neuropathische Schmerzen (unklare Polyneuropathie, Schmerzkrisen) weitere Angiokeratome Progression der Symptome:
Ophthalmologische Auffälligkeiten (Cornea verticillata) Nephropathie (Proteinurie und fortschreitende Niereninsuffizienz) Herzinsuffizienz, Arrhythmien, ausgeprägte LVH, prominenter Papillarmuskel, plötzlicher Herztod
Gastrointestinale Störungen frühe EKG-Veränderungen, beginnende LVH TIA- und Schlaganfall-Rezidive
Angiokeratome Arrhythmien Niereninsuffizienz, Dialysepflicht
Renale Auffälligkeiten (Proteinurie, Mikroalbuminurie) TIA oder Schlaganfall  
Hypohidrose    
Hitze-/Kälte-Überempfindlichkeit    

Frühe Diagnose erspart Erkrankten lange Leidensphasen

Vielfältige Symptome erschweren die Diagnose.

Zur Diagnose

Quellennachweise

Breunig F et al., Nephrologe 2006;1:184–186.
Fogo AB et al., Nephrol Dial Transplant 2010;25(7):2168.
Germain DP. Orpahnet J Rare Dis 2010; 5: 30
Mehta A et al. Q J Med 2010; 103: 641-659
Schunk SJ et al., Nephrol Dial Transplant 2020; pii: gfaa003.
Waldek S, Feriozzi S. BMC Nephrology 2014; 15: 72

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