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Seiteninhalthalt

Empowerment – Eigenverantwortlichkeit von Patienten stärken

Hinter dem Begriff „Empowerment“ (engl. Bevoll­mäch­tigung) steckt die Herausforderung, Strategie und Maßnahmen zu entwickeln, Eigenverantwortung zu übernehmen und seine Krankheit mit Selbstbewusstsein zu meistern.

Es ist der Ausdruck einer neuen Lebenshaltung, die besagt, dass Sie als Patient größer, stärker und fähiger sind, als Sie zu denken wagen. Empowerment erteilt dem oft verbreiteten Vorurteil, dass Menschen mit schweren Erkrankungen nicht in der Lage seien, aktiv und eigenverantwortlich zu handeln, eine Absage und stellt deren Ressourcen und Potenziale in den Vordergrund, die es zu entfalten gilt.

Werden Sie aktiv

Empowerment erfordert, dass das medizinische Fach­personal seine Haltung als alleiniger Experte in der Beziehung zum Patienten aufgibt und zu einem Partner wird. Als Patient werden Sie zum Experten für Ihr eigenes Leben und wir, das medizinische Fachpersonal, aber auch Unternehmen wie Genzyme, unterstützen Sie dabei. Dies bedeutet, Ihnen als Patient Respekt entgegenzubringen, Sie an der Entscheidungsfindung zu beteiligen sowie Ihre Erfahrung und Ihr Wissen anzuerkennen.

Bauen Sie Kompetenz auf

Um mitentscheiden zu können, brauchen Sie Selbst­kom­pe­tenz. Selbstkompetenz heißt, sich Wissen und Kennt­nisse über die Krankheit, deren Diagnose und Therapie anzueignen.

Wissen reduziert Unsicherheit und weist Spe­ku­la­tionen und Vermutungen in ihre Schranken.

Eine zentrale Aufgabe des medizinischen Fachpersonals ist es, Sie dabei zu unterstützen, Informationen zu finden, zu sammeln, einzuordnen und zu ergänzen. Neben dem Ansammeln von Wissen sind die Körperwahrnehmung und das Körperbewusstsein wichtige Bausteine, um selbstbewusst mit der eigenen Erkrankung umzugehen und somit eigenverantwortlich handeln zu können - Selbstmanagement. Vor dem Hintergrund der partnerschaftlichen Ent­schei­dungs­findung zwischen Arzt und Patient kann man sagen: 

Je größer die erworbene Selbstkompetenz, desto erfolgreicher ist die Beziehung.

Selbstverständlich ist der Arzt Experte für medizinisches Wissen, aber der Patient ist Experte für sein Leben, seine Werte und seine Entscheidungen. Dafür benötigt der Patient die Fähigkeit zu kommunizieren, denn Kom­mu­ni­ka­tion ist die Voraussetzung für das Treffen von ge­mein­samen Entscheidungen. Es ist wichtig, Worte zu finden, um das eigene körperliche Befinden zu beschreiben und seine Wünsche auszudrücken.

Entwickeln Sie einen Plan

Andrea Gertz
Andrea Gertz,
Patient Empowerment Coach (Bildquelle: privat)

Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu vielen unterschiedlichen Situationen. Für Sie bedeutet Empowerment, je nach Gegebenheit in der Lage zu sein, einen passenden Plan zu entwerfen, wie Sie dieser Situation begegnen möchten. Nach einer Anstrengung brauchen viele Patienten Ruhe, ziehen sich zurück, um mit Geduld und Gelassenheit der nächsten Situation begegnen zu können. Eigenverantwortliche Patienten brauchen sehr viel Kraft, sich selbst immer wieder neu zu motivieren und nicht aufzugeben. Manchmal braucht es einen Rückzug, manchmal Wut, manchmal Zorn oder Trauer. Ein eigenverantwortlicher Patient ist aber auch ein fordernder Patient, der gelernt hat, was für ihn gut ist, und dies gegenüber anderen auch durchsetzt.

Ich möchte mit einem Zitat enden:
„Wir wollen unsere persönlichen Dinge auf unsere Weise zum Ausdruck bringen, wir wollen, dass überholte Gewohnheiten beseitigt werden, und natürlich wollen wir über unser Schicksal selbst bestimmen."
Zitat einer australischen Frau, 1944

Mein Ziel ist, diesen Wunsch ernst zu nehmen und alle Patienten auf diesem Weg zu unterstützen.

Woher kommt Ihr Interesse zum Thema Patienten Empowerment?

(Video: Genzyme GmbH)

Ja, angefangen habe ich eigentlich 1999, in meiner Tätigkeit an der Universitätsklinik, ich hab dort in einem großen Zentrum in einer Arbeitsgruppe gearbeitet. Meine Aufgabe war letztendlich Patientenbetreuung, Patienten vorzubereiten auf den Arztbesuch und ja mich mit dem Thema Empowerment und in dem Zusammenhang auch Compliance und auch Krankheitsbewältigung zu beschäftigen. Auf der einen Seite wirklich im Alltag zu beschäftigen, weil das in meiner Tätigkeit in der Ambulanz einfach eine große Rolle gespielt hat, aber auch, wissenschaftlich so ein bisschen damit umzugehen.

Was hat sich beim Patient Empowerment in den letzten 10 Jahren verändert?

(Video: Genzyme GmbH)

Ja, ich glaube, dass die Wünsche der Patienten oder Bedürfnisse der Patienten schon relativ gleich geblieben sind. Also es geht immer um Eigenverantwortlichkeit und dass der Patient auch selbst mitbestimmen kann, was mit ihm passiert. Ich glaube, dass das sehr sehr alt ist. Was sich, glaube ich, geändert hat, ist die Sichtweise auf den Patienten. Also wir sind eher weggekommen von dieser anleitenden Geschichte, dass der Patient angeleitet wird irgendetwas zu tun, sondern wir sind hingekommen glaub ich, zu einer Einbeziehung in die Thera­pie­ent­schei­dungen des Patienten. Und da eine gemeinsame Ebene zu finden und dem Patienten auch durchaus zuzutrauen, dass er so ein Experte in seiner eigenen Krankheit werden kann und den Patienten auch so zu sehen. Ich glaube, das ist die Entwicklung der letzten 10 Jahre, dass sich das Patientenbild ein Stück weit geändert hat oder die Sichtweise, unsere Sichtweise auf den Patienten geändert hat.

Beim Patient Empowerment begegnen sich Arzt und Patient auf Augenhöhe. Das ist für viele Patienten neu. Wie bereiten Sie Patienten darauf vor?

(Video: Genzyme GmbH)

Also ich glaube, das Wichtigste ist immer erst mal, über die Rollen zu sprechen, wer in diesem Team welche Rolle einnimmt und ich glaube einfach, das Wichtigste ist, dass der Arzt definitiv Lotse in diesem System bleibt, aber dem Patienten durchaus Verantwortung für seine Krankheit oder eine Therapie eben zutraut. Und ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir den Patienten informieren, dass wir gucken, wo steht der Patient, wo hol ich den Patienten ab, welche Vorinformationen hat der Patient, welche Erfahrung hat er zum Beispiel auch gemacht mit irgendwelchen Therapien, mit irgendwelchen vorherigen Erkrankungen. Das ist, glaube ich, das Wichtigste und dann zu gucken, wo fehlen Informationen, diese Informationen aufzufüllen, denn die Voraussetzung, einen aktiven Patienten zu haben, oder auch einen Patienten, der auch mitentscheidet, ist immer nur ein gut informierter Patient. Ich glaube, das ist die Vorbereitung des Patienten, um dann gemeinsam den Weg mit ihm zu gehen.