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Mukopolysaccharidosen (MPS) im Überblick

Mukopolysaccharidosen (MPS) im Überblick

Zusammenfassung

  1. Die Mukopolysaccharidosen gehören zur Gruppe der lysosomalen Speicherkrankheiten.

  2. Die Ursache ist eine genetisch bedingte Fehlfunktion eines lysosomalen Enzyms.

  3. Mukopolysaccharidosen sind progrediente Erkrankungen.

  4. Es werden 7 verschiedene Formen der Mukopolysaccharidose unterschieden.

Mukopolysaccharidosen (MPS), wie z. B. Mukopolysaccharidose Typ 1 (MPS I), gehören zur Gruppe der lysosomalen Speicherkrankheiten (LSD, lysosomal storage disorders). LSD zählen zu den seltenen Erkrankungen. Insgesamt sind über 50 verschiedene LSD beschrieben. Dabei handelt es sich um Stoffwechselstörungen genetischen Ursprungs, die durch einen Mangel oder eine Defizienz von lysosomalen Enzymen verursacht werden. Hier erhalten Sie einen Überblick zu der Definition, der Vererbung und den Unterschieden zwischen den einzelnen Formen der Mukopolysaccharidosen.

MPS – Lysosomen im Zentrum des Geschehens

Über MPS

Mukopolysaccharidosen sind chronisch progrediente Erkrankungen (Clarke 2008).

Lysosomen spielen eine zentrale Rolle beim Abbau von zellulären Substraten. Der Abbau dieser Substrate wird von spezifischen lysosomalen Enzymen übernommen. Bei den Mukopolysaccharidosen sind bestimmte lysosomale Enzyme durch Mutationen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Infolge kommt es zu einer Akkumulation der entsprechenden Substrate in den Lysosomen, da diese durch die verminderte oder fehlende Enzymaktivität nicht mehr abgebaut werden können. Die Akkumulation der Substrate zeigt sich auf zellulärer Ebene durch eine Vergrößerung und Anreicherung von Lysosomen (Abb. 1) (Platt 2012, Sun 2018).

Abbildung 1: Pathologische Akkumulation von Substraten in den Lysosomen bei MPS. (Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

Über MPS

Mukopolysaccharidosen sind chronisch progrediente Erkrankungen (Clarke 2008).

Die Akkumulation der Substrate in den Lysosomen führt zunächst zu Zellschäden, die sich dann zu Gewebe- und in der Folge zu Organschäden ausweiten. Im Verlauf führen diese Veränderungen bei den Patienten zunehmend zu Symptomen (Abb. 2). Je nach Regenerationsfähigkeit des betroffenen Gewebes bzw. Organs sind diese Schäden zunehmend irreversibel. Um dies zu vermeiden, kommt einer möglichst frühen Diagnose und Therapie eine entscheidende Bedeutung zu (Clarke 2008, Sun 2018).

Abbildung 2: Schematische, vereinfachte Darstellung des Krankheitsverlaufs bei lysosomalen Speichererkrankungen.(Bildquelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)

Mukopolysaccharidosen – Akkumulation von Glykosaminoglykanen (GAG)

Glykosaminoglykane (GAG), früher auch als Mukopolysaccharide bezeichnet, sind komplexe Zuckermoleküle, deren Anreicherung der Erkrankungsgruppe der Mukopolysaccharidosen ihren Namen verleihen. Es gibt verschiedene Glykosaminoglykane, die zudem nicht in allen Organen und Geweben in gleichem Umfang vorkommen. Dies erklärt zum Teil auch die Unterschiede im klinischen Erscheinungsbild dieser Erkrankungen. Beispiele sind Dermatansulfat, Heparansulfat, Keratinsulfat, Chondroitinsulfat und Hyaluronsäure. Sie kommen physiologisch in zahlreichen Geweben wie der Haut, dem Bindegewebe, der Hornhaut sowie in weiteren Organen vor und übernehmen dort wichtige Funktionen. So dienen sie u. a. als strukturelle Komponente der extrazellulären Matrix oder sind als Signalmoleküle an der Modulation verschiedener zellulärer Prozesse beteiligt, wie z. B. Zellteilung, Zelldifferenzierung, Wachstum oder Zell-Zell-Kommunikation. So liegt es nahe, dass bei einer pathologischen Akkumulation dieser Mukopolysaccharide im Falle der MPS-Erkrankung die genannten Funktionen gestört sein können. Welches Glykosaminoglykan sich ansammelt, ist abhängig von dem spezifischen Enzym, das in seiner Funktion beeinträchtigt ist oder gänzlich fehlt (Abb. 3). Daraus ergeben sich dann die jeweils charakteristischen klinischen Merkmale, die aus der Akkumulation der jeweiligen Substrate entstehen (Clarke 2008, Sun 2018).

Abbildung 3: Enzymatischer Abbau von Glykosaminoglykanen am Beispiel von Dermatansulfat; modifiziert nach (Neufeld 2001).

Manche MPS-Formen ähneln sich in ihrer Symptomatik und sind, vor allem anfangs, klinisch schwer voneinander zu unterscheiden.

Es werden sieben MPS-Formen unterschieden

Manche MPS-Formen ähneln sich in ihrer Symptomatik und sind, vor allem anfangs, klinisch schwer voneinander zu unterscheiden.

Abhängig vom angereicherten Glykosaminoglykan und dem zugrundeliegenden Enzymdefekt unterscheidet man bei den Mukopolysaccharidosen zwischen verschiedenen Krankheitsformen. Insgesamt sind elf verschiedene Enzymdefizienzen bekannt, die zu sieben verschiedenen MPS-Formen führen. Die Symptome einiger MPS-Formen sind sich sehr ähnlich und überlappen (Tab. 1). So ist es teilweise schwierig, die einzelnen MPS-Formen anhand der Symptomatik zu unterscheiden. Zu den Ausnahmen zählen jedoch MPS III und MPS IV. Bei MPS III liegen vorwiegend neurologische Symptome vor und MPS IV zeichnet sich durch das Vorliegen der charakteristischen hypermobilen Gelenke aus (Coutinho 2012, Muenzer 2011, Natowicz 1996).

Mukopolysaccharidosen treten mit einer Inzidenz von etwa 1:28:000 auf; am häufigsten davon MPS III, am seltensten MPS IX (Baehner 2005, Muenzer 2011). Ein Überblick zu den einzelnen MPS-Formen finden Sie in Tabelle 1.

MPS-Formen

MPS I
(M. Hurler, M. Hurler-Scheie, M. Scheie)

MPS II
(M. Hunter)

MPS III
(M. Sanfilippo Typ A–D)

MPS IV
(M. Morquio Typ A/B)

MPS VI
(M. Maroteaux-Lamy)>

MPS VII
(M. Sly)

MPS IX
(M. Natowicz)

Klinische Manifestationen

 

Schwere und attenuierte Verlaufsformen:


M. Hurler: Schwerer Verlauf mit schneller Progression und Tod in der Kindheit


M. Hurler-Scheie: intermediärer Phänotyp, langsamere Progression mit verringerter Lebenserwartung (< 30 Jahre)


M. Scheie:  attenuierter Phänotyp, Symptome treten später und deutlich abgeschwächt auf. Lebenserwartung: Erwachsenenalter

Verlaufsformen mit/ohne ZNS-Beteiligung


Neuronopathischer Verlauf: Schwerer Verlauf mit Tod vor dem 15. Lebensjahr


Nicht-neuronopathischer Verlauf: milde Symptomausprägung, Lebensspanne 20-60 Jahre

Neurologische Symptome stehen im Vordergrund


(Typ A–D)

Typ A: Spektrum leichter bis schwerer Verläufe


Typ B Ähnlich, aber meist mildere Symptome wie Typ A


Lebenserwartung 2.-3. Lebensdekade bei schwerer Verlaufsform, normal bei leichter Verlaufsform

Spektrum leichter bis schwerer Verläufe.


Überleben bis zur jungen Adoleszenz, bei leichten Verläufen auch bis etwa 50 Jahre

Breites Spektrum schwerer Verläufe


Hydrops fetalis bei schwerer Verlaufsform

Weltweit nur 4 Fälle beschrieben


Keine MPS-„typische“ Symptomatik, sondern rheumatische Beschwerden

ZNS-Beteiligung

 

M. Hurler: Ja. Schwere kognitive Dysfunktionen mit Verlust des bereits Erlernten,
Verhaltensauffälligkeiten, epileptische Anfälle,
Hyperaktivität,
Schlafstörungen
 

M. Hurler-Scheie: (Ja) Kognitive Beeinträchtigungen möglich, aber leichter.


M. Scheie: Nein. Normale Intelligenz 

Neuronopathischer Verlauf: Ja. Kognitive Dysfunktionen mit Verlust des bereits Erlernten, Verhaltensauffälligkeiten, epileptische Anfälle, 
Hyperaktivität,
Schlafstörungen


Nicht-neuronopathischer Verlauf:
Nein. Keine kognitiven Dysfunktionen, keine Verhaltensauffälligkeiten, normale Intelligenz

Ja. Zunehmende Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensstörungen, Verlust des bereits Erlernten, 
epileptische Anfälle,
Hyperaktivität, 
Schlafstörungen,
progrediente kognitive 
Dysfunktionen 

Nein. Normale Intelligenz

Nein. Normale Intelligenz

Ja. Mittelschwere bis schwere geistige Behinderung,

Verlust des bereits Erlernten,

epileptische Anfälle

 

Kopf und Gesicht

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie, Makroglossie,
auffälliger Zahnstatus, 
buschige Haare,
kurzer Hals,
Hirsutismus

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie, Makroglossie,
auffälliger Zahnstatus, 
buschige Haare,
kurzer Hals,
Hirsutismus

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie im späteren Verlauf erkennbar,
Buschige und spröde Haare und Augenbrauen 

 

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie, 
auffälliger Zahnstatus,
kurzer Hals 

 

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie, Makroglossie, 
auffälliger Zahnstatus, 
buschige Haare,
kurzer Hals,
Hirsutismus 

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie

 

 

Auge & Ohren

 

Hornhauttrübung,
Sehstörung


Schwerhörigkeit, Taubheit,
rezidivierende Infekte,
Paukenergüsse und Adenoide 
 

Keine Hornhauttrübung,
Sehstörung,
Opticusatrophie


Schwerhörigkeit, Taubheit ,
rezidivierende Infekte,
Paukenergüsse und Adenoide 

Hornhauttrübung,
Sehstörung


Schwerhörigkeit
 

Hornhauttrübung,
Sehstörung


Schwerhörigkeit,
rezidivierende Infekte,  
Paukenergüsse und Adenoide
 

Hornhauttrübung, 
Sehstörung,
Opticusatrophie,
Glaukom


Schwerhörigkeit, Taubheit, 
rezidivierende Infekte,  
Paukenergüsse und Adenoide  

Hornhauttrübung, 
Sehstörung


Schwerhörigkeit, Taubheit,
rezidivierende Infekte,
Paukenergüsse und Adenoide
 

 

Atemwege und Lunge

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

 

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

 

Skelettal

Dysostosis multiplex u.a.
Wirbelsäulendeformierung (Gibbus, Skoliose, Kyphose),
Hüftdysplasie, 
X-Beine,
dysproportionierter Kleinwuchs,
zunehmende Gelenkversteifungen & Gelenkkontrakturen,
Karpaltunnelsyndrom

Ähnlich MPS I:
Dysostosis multiplex u.a.
Wirbelsäulendeformitäten (Gibbus,
Skoliose, Kyphose),
Hüftdysplasie, 
X-Beine,
dysproportionierter Kleinwuchs, 
zunehmende Gelenkversteifungen & Gelenkkontrakturen,
Karpaltunnelsyndrom

Dysostosis multiplex

Dysostosis multiplex u.a.
schwere

Wirbelsäulenveränderungen (Gibbus, Skoliose, Kyphose)
X-Beine,
Hüftdysplasie, 
Thoraxdeformität, 
dysproportionierter Kleinwuchs / kleine Statur,
Gelenkhypermobilität

Dysostosis multiplex u.a.
Wirbelsäulenveränderungen
(Gibbus, Skoliose, Kyphose),
X-Beine,
Hüftdysplasie, 
dysproportionierter Kleinwuchs / kleine Statur,

zunehmende Gelenkversteifungen und
Gelenkkontrakturen,
Karpaltunnelsyndrom

 

Dysostosis multiplex u.a.
Kleinwuchs,

Skelettveränderungen mit zunehmenden Gelenkversteifungen, 
Wirbelsäulenveränderungen
(Gibbus, Skoliose, Kyphose),
X-Beine,
Hüftdysplasie,
Thoraxdeformitäten 

Gelenk- und skelettale
Beteiligung, Gelenkergüsse

Viszeral

Hepatosplenomegalie,
Nabel- u/o Leistenhernien

Hepatosplenomegalie,
Nabel- u/o Leistenhernien 

Hepatosplenomegalie 

Hepatosplenomegalie,
Nabel- u/o Leistenhernien

Hepatosplenomegalie,
Nabel- u/o Leistenhernien 

Hepatomegalie, 
Nabel- u/o Leistenhernien

 

Herz

Klappenvitien 

Klappenvitien 

 

Klappenvitien 

Klappenvitien 

Klappenvitien 

 

Haut

Verdickte Haut 

Hautveränderungen (Peau d’Orange) 

   

Verdickte Haut

Verdickte Haut

 

Betroffenes lysosomales Enzym

α-L-Iduronidase

Iduronat-2-Sulfatase 

Typ A: 
Heparan-N-Sulfatase
Typ B: 
α-N-Aceytylglukosaminidase
Typ C: 
Acetyl-CoA:α-Glukosaminid-Acyltransferase
Typ D: 
N-Acetylglukosamin-6-Sulfatase

Typ A: 
Galaktose-6-Sulfatase
Typ B: 
β-Galaktosidase

Arylsulfatase B

ß-Glukuronidase

Hyaluronidase

Gespeichertes Substrat

Dermatansulfat, Heparansulfat

Dermatansulfat, Heparansulfat

Heparansulfat

Typ A: Keratansulfat, Chondroitinsulfat


Typ B: Keratansulfat

Dermatansulfat,
Keratansulfat,
Chondroitinsulfat

Dermatansulfat,
Heparansulfat,
Chondroitinsulfat 

Hyaluronsäure

Erbgang

Autosomal-rezessiv

X-chromosomal

Autosomal-rezessiv

Autosomal-rezessiv

Autosomal-rezessiv

Autosomal-rezessiv

Autosomal-rezessiv

Prävalenz

1:75.000 bis 1:100.000 

1:92:000 bis 1:146.000 

Je nach Typ A–D: 


1:136.000 bis 1:1.056.000 

Je nach Typ A/B: 


1:455.000 bis 1:714.000 

1:235.000 bis 1:238.000 

1:416.000 bis 1:2.111.000 

Sehr selten, bisher 4 Patienten weltweit beschrieben 

Quellen

(Clarke 2018, Clarke 2015, Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Moore 2008, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Scarpa 2017, Tomatsu 2018, Tran 2016, Wolfberg 2020) 

(Clarke 2018, Clarke 2015, Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Scarpa 2017, Tomatsu 2019, Tomatsu 2018, Wolfberg 2020, Wraith 2008)

(Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Scarpa 2017, Tomatsu 2018, Wolfberg 2020)

Clarke 2015, Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Tomatsu 2018, Tran 2016, Wolfberg 2020)

(Clarke 2018, Clarke 2015, Coutinho 2012, de Almeida-Barros 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Tomatsu 2019, Tomatsu 2018, Tran 2016, Wolfberg 2020)

(Clarke 2018, Clarke 2015, Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Poorthuis 1999, Tomatsu 2018, Tran 2016, Wolfberg 2020)

(Kiykim 2016, Lampe 2016, Muenzer 2011, Natowicz 1996)

MPS-Formen

MPS I
(M. Hurler, M. Hurler-Scheie, M. Scheie)

MPS II
(M. Hunter)

MPS III
(M. Sanfilippo Typ A–D)

MPS IV
(M. Morquio Typ A/B)

MPS VI
(M. Maroteaux-Lamy)

MPS VII
(M. Sly)

MPS IX
(M. Natowicz)

Klinische Manifestationen

 

Schwere und attenuierte Verlaufsformen:

M. Hurler: Schwerer Verlauf mit schneller Progression und Tod in der Kindheit

M. Hurler-Scheie: intermediärer Phänotyp, langsamere Progression mit verringerter Lebenserwartung (< 30 Jahre)

M. Scheie:  attenuierter Phänotyp, Symptome treten später und deutlich abgeschwächt auf. Lebenserwartung: Erwachsenenalter

Verlaufsformen mit/ohne ZNS-Beteiligung

Neuronopathischer Verlauf: Schwerer Verlauf mit Tod vor dem 15. Lebensjahr

Nicht-neuronopathischer Verlauf: milde Symptomausprägung, Lebensspanne 20-60 Jahre
 

Neurologische Symptome stehen im Vordergrund

(Typ A–D)

 

Typ A: Spektrum leichter bis schwerer Verläufe

Typ B
Ähnlich, aber meist mildere Symptome wie Typ A

Lebenserwartung 2.-3. Lebensdekade bei schwerer Verlaufsform, normal bei leichter Verlaufsform

Spektrum leichter bis schwerer Verläufe.

Überleben bis zur jungen Adoleszenz, bei leichten Verläufen auch bis etwa 50 Jahre
 

Breites Spektrum schwerer Verläufe 

Hydrops fetalis bei schwerer Verlaufsform
 

Weltweit nur 4 Fälle beschrieben

Keine MPS-„typische“ Symptomatik, sondern rheumatische Beschwerden

ZNS-Beteiligung

 

M. Hurler: Ja. Schwere kognitive Dysfunktionen mit Verlust des bereits Erlernten,
Verhaltensauffälligkeiten, epileptische Anfälle, 
Hyperaktivität,
Schlafstörungen

M. Hurler-Scheie: (Ja) Kognitive Beeinträchtigungen möglich, aber leichter.

M. Scheie: Nein. Normale Intelligenz 

Neuronopathischer Verlauf: Ja. Kognitive Dysfunktionen mit Verlust des bereits Erlernten, Verhaltensauffälligkeiten, epileptische Anfälle, 
Hyperaktivität,
Schlafstörungen

Nicht-neuronopathischer Verlauf:
Nein. Keine kognitiven Dysfunktionen, keine Verhaltensauffälligkeiten, normale Intelligenz

Ja. Zunehmende Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensstörungen, Verlust des bereits Erlernten, 
epileptische Anfälle,
Hyperaktivität, 
Schlafstörungen, progrediente kognitive Dysfunktionen 

Nein. Normale Intelligenz

Nein. Normale Intelligenz

Ja. Mittelschwere bis schwere geistige Behinderung,

Verlust des bereits Erlernten,

epileptische Anfälle

 

Kopf und Gesicht

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie, Makroglossie,
auffälliger Zahnstatus, 
buschige Haare,
kurzer Hals,
Hirsutismus

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie, Makroglossie,
auffälliger Zahnstatus, 
buschige Haare,
kurzer Hals,
Hirsutismus

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie im späteren Verlauf erkennbar,
Buschige und spröde Haare und Augenbrauen 

 

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie, 
auffälliger Zahnstatus,
kurzer Hals 

 

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie, Makroglossie, 
auffälliger Zahnstatus, 
buschige Haare,
kurzer Hals,
Hirsutismus 

Vergrößerter Kopfumfang, Gesichtsdysmorphie

 

 

Auge & Ohren

 

Hornhauttrübung,
Sehstörung

Schwerhörigkeit, Taubheit,
rezidivierende Infekte,
Paukenergüsse und Adenoide 
 

Keine Hornhauttrübung,
Sehstörung,
Opticusatrophie

Schwerhörigkeit, Taubheit,
rezidivierende Infekte,
Paukenergüsse und Adenoide 

Hornhauttrübung,
Sehstörung

Schwerhörigkeit
 

Hornhauttrübung,
Sehstörung

Schwerhörigkeit,
rezidivierende Infekte,  
Paukenergüsse und Adenoide
 

Hornhauttrübung, 
Sehstörung,
Opticusatrophie,
Glaukom

Schwerhörigkeit, Taubheit, 
rezidivierende Infekte,  
Paukenergüsse und Adenoide  

Hornhauttrübung, 
Sehstörung

Schwerhörigkeit, Taubheit,
rezidivierende Infekte,
Paukenergüsse und Adenoide
 

 

Atemwege und Lunge

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

 

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

Verengte Atemwege und rezidivierende Infekte

 

Skelettal

Dysostosis multiplex u.a.
Wirbelsäulendeformierung (Gibbus, Skoliose, Kyphose),
Hüftdysplasie, 
X-Beine,
dysproportionierter Kleinwuchs,
zunehmende Gelenkversteifungen & Gelenkkontrakturen,
Karpaltunnelsyndrom

Ähnlich MPS I:
Dysostosis multiplex u.a.
Wirbelsäulendeformitäten
(Gibbus, Skoliose, Kyphose),
Hüftdysplasie,
X-Beine,
dysproportionierter Kleinwuchs, 
zunehmende
Gelenkversteifungen & Gelenkkontrakturen,
Karpaltunnelsyndrom

Dysostosis multiplex

Dysostosis multiplex u.a.
schwere Wirbelsäulenveränderungen
(Gibbus, Skoliose, Kyphose)
X-Beine,
Hüftdysplasie, 
Thoraxdeformität, 
dysproportionierter Kleinwuchs / kleine Statur,
Gelenkhypermobilität

Dysostosis multiplex u.a.
Wirbelsäulenveränderungen
(Gibbus, Skoliose, Kyphose),
X-Beine,
Hüftdysplasie, 
dysproportionierter Kleinwuchs / kleine Statur, zunehmende Gelenkversteifungen und
Gelenkkontrakturen,
Karpaltunnelsyndrom

 

Dysostosis multiplex u.a. 
Kleinwuchs,

Skelettveränderungen mit zunehmenden Gelenkversteifungen, 
Wirbelsäulenveränderungen
(Gibbus, Skoliose, Kyphose),
X-Beine,
Hüftdysplasie, 
Thoraxdeformitäten 

Gelenk- und skelettale
Beteiligung, Gelenkergüsse

Viszeral

Hepatosplenomegalie,
Nabel- u/o Leistenhernien

Hepatosplenomegalie,
Nabel- u/o Leistenhernien 

Hepatosplenomegalie,

Hepatosplenomegalie,
Nabel- u/o Leistenhernien

Hepatosplenomegalie,
Nabel- u/o Leistenhernien 

Hepatomegalie, 
Nabel- u/o Leistenhernien

 

Herz

Klappenvitien 

Klappenvitien 

 

Klappenvitien 

Klappenvitien 

Klappenvitien 

 

Haut

Verdickte Haut 

Hautveränderungen (Peau d’Orange) 

   

Verdickte Haut

Verdickte Haut

 

Betroffenes lysosomales Enzym

α-L-Iduronidase

Iduronat-2-Sulfatase 

Typ A: 
Heparan-N-Sulfatase
Typ B: 
α-N-Aceytylglukosaminidase
Typ C: 
Acetyl-CoA:α-Glukosaminid-Acyltransferase
Typ D: 
N-Acetylglukosamin-6-Sulfatase

Typ A: 
Galaktose-6-Sulfatase
Typ B: 
β-Galaktosidase

Arylsulfatase B

ß-Glukuronidase

Hyaluronidase

Gespeichertes Substrat

Dermatansulfat, Heparansulfat

Dermatansulfat, Heparansulfat

Heparansulfat

Typ A: Keratansulfat, Chondroitinsulfat

Typ B: Keratansulfat

Dermatansulfat,
Keratansulfat, Chondroitinsulfat

Dermatansulfat,
Heparansulfat,
Chondroitinsulfat 

Hyaluronsäure

Erbgang

Autosomal-rezessiv

X-chromosomal

Autosomal-rezessiv

Autosomal-rezessiv

Autosomal-rezessiv

Autosomal-rezessiv

Autosomal-rezessiv

Prävalenz

1:75.000 bis 1:100.000 

1:92:000 bis 1:146.000 

Je nach Typ A–D: 

1:136.000 bis 1:1.056.000 

Je nach Typ A/B: 

1:455.000 bis 1:714.000 

1:235.000 bis 1:238.000 

1:416.000 bis 1:2.111.000 

Sehr selten, bisher 4 Patienten weltweit beschrieben 

Quellen

(Clarke 2018, Clarke 2015, Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Moore 2008, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Scarpa 2017, Tomatsu 2018, Tran 2016, Wolfberg 2020) 

(Clarke 2018, Clarke 2015, Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Scarpa 2017, Tomatsu 2019, Tomatsu 2018, Wolfberg 2020, Wraith 2008)

(Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Scarpa 2017, Tomatsu 2018, Wolfberg 2020)

Clarke 2015, Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Tomatsu 2018, Tran 2016, Wolfberg 2020)

(Clarke 2018, Clarke 2015, Coutinho 2012, de Almeida-Barros 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Pinto 2004, Poorthuis 1999, Tomatsu 2019, Tomatsu 2018, Tran 2016, Wolfberg 2020)

(Clarke 2018, Clarke 2015, Coutinho 2012, Galimberti 2018, Lampe 2016, Meikle 1999, Muenzer 2011, Poorthuis 1999, Tomatsu 2018, Tran 2016, Wolfberg 2020)

(Kiykim 2016, Lampe 2016, Muenzer 2011, Natowicz 1996)

Tabelle 1: Überblick der verschiedenen MPS-Formen. 

Mukopolysaccharidosen sind Erbkrankheiten

Die meisten MPS-Formen werden autosomal rezessiv vererbt. Eine Ausnahme bei der Vererbung ist MPS II. Diese MPS-Form wird X-chromosomal-rezessiv vererbt und betrifft daher fast ausschließlich Jungen (Muenzer 2011).

Beim autosomal-rezessiven Erbgang bedeutet das, dass ein mutiertes Allel auf beiden Chromosomen vorliegen muss, damit die Erkrankung manifest wird. Bei gesunden Eltern, die jeweils ein mutiertes Allel aufweisen und somit Träger für MPS I sind, erkranken die Nachkommen mit einer Wahrscheinlichkeit von 25% (Abb. 4).

Abbildung 4: Autosomal-rezessive Vererbung bei MPS I.

Betrachten Sie die Vielfalt der Symptome bei MPS I anhand der folgenden Kasuistiken

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Quellenverweise

Baehner F et al. J Inherit Metab Dis 2005;28(6):1011-1017
Clarke LA et al. JIEMS 2018;6:2326409818800346
Clarke LA. Expert Rev Mol Med 2008;10:e1
Clarke LA et al. Molecular Genetics and Metabolism 2016;117(2):217
Clarke LA et al. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab 2015;29(2):219-235
Coutinho MF et al. Biochem Res Int 2012;2012:16
de Almeida-Barros RQ et al. Quintessence Int 2012;43(3):e32-38
Galimberti C et al. Italian Journal of Pediatrics 2018;44(2):133
Kiykim E et al. JIMD Reports 2016;25:21-24
Lampe C. Thieme Praxis Report 2016;8:1-16
Meikle PJ et al. Jama 1999;281(3):249-254
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