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Klappenvitien bei MPS I

Klappenvitien bei MPS I

Zusammenfassung

Bei Klappenvitien in Kombination mit weiteren Symptomen der MPS I sollte eine spezifische Diagnostik eingeleitet werden (Boffi 2018).

Klappenvitien treten bei der Mehrheit der Patienten mit Mukopolysaccharidose Typ 1 (MPS I) während des Krankheitsverlaufs auf. Hier erhalten Sie weiterführende Informationen zu den klinischen Anzeichen, der Häufigkeit der Herzklappenbeteiligung und weiteren möglichen kardialen Komplikationen. Zudem erfahren Sie, welche Ursachen dahinterstecken und wie Sie bei dem Verdacht auf MPS I weiter vorgehen.

Klinische Zeichen und Häufigkeit einer kardialen Beteiligung
bei MPS I

Klappenvitien sind bei MPS I häufig

Klappenvitien sind eine typische Manifestation bei MPS I. Sie treten bei bis zu 88 % aller MPS I-Patienten im Verlauf der Erkrankung auf (Thomas 2010) und verschlechtern sich kontinuierlich (Muenzer 2009). Bei Morbus Hurler-Patienten zeigen sich erste Anzeichen einer Herzbeteiligung schon sehr früh im Krankheitsverlauf (medianes Alter 1,3 Jahre) (Beck 2014) und werden oft von weiteren kardialen Symptomen, wie Arrhythmien, Kardiomyopathie, Herzinsuffizienz, sowie pulmonaler und systemischer Hypertension begleitet (Muenzer 2009). Besonders häufig sind jedoch Patienten mit attenuierten Verlaufsformen betroffen: Hier gelten Klappenvitien als das typische Symptom einer kardialen Beteiligung (Muenzer 2009). So weisen fast 68 % der Morbus Scheie-Patienten im medianen Alter von 11,7 Jahren eine Veränderung der Herzklappen auf, bei Morbus Hurler-Scheie-Patienten sind es 59 % im medianen Alter von 5,7 Jahren (Abb. 1) (Beck 2014).

Abbildung 1: Häufigkeit und medianes Alter bei Auftreten von Klappenvitien bei MPS I-Patienten; modifiziert nach (Beck 2014).

Herzgeräusche deuten auf eine Klappenbeteiligung hin

Herzgeräusche können ein erster Hinweis auf eine Beteiligung der Herzklappen sein, wobei bei MPS I vor allem die Mitral- und Aortenklappen betroffen sind. Trikuspidal- und Pulmonalklappen sind weitaus seltener und in geringerem Maße betroffen (Thomas 2010). Im Herz-Ultraschall ist anfangs meist eine leichte Verdickung der Klappen zu sehen, die sich mit fortschreitender Erkrankung verstärkt. Im weiteren Verlauf führen eine Kalzifizierung und Versteifung der Herzklappen zu einer Stenose (Boffi 2018), wobei ein Klappenprolaps ausschließlich bei Mitralklappen beobachtet wurde (Thomas 2010). Bei Patienten mit Morbus Hurler ist die häufigste Klappenveränderung eine Regurgitation der Mitralklappen (Neufeld 2001).

Ursache der Klappenvitien bei MPS I

Die Verdickung und Verhärtung der Herzklappen wird durch die pathologische Einlagerung von Glykosaminoglykanen (GAG) in den Interstitialzellen des Herzklappengewebes sowie durch eine übermäßige Kollageneinlagerung verursacht. Die Folge sind Klappenvitien, welche zur Regurgitation, zur Ausbildung einer Klappenstenose und in schweren Fällen zum Klappenprolaps führen können (Hampe 2020).

Weitere kardiale Manifestationen bei MPS I

Die Ablagerungen von GAG in den Koronararterien können eine zunehmende Verengung des Arterien-Lumens zur Folge haben (Hampe 2020). Die Ansammlung von myointimalem Kollagen in den großen epikardialen Koronararterien kann bei schweren Verläufen schon früh auftreten und führt zu einer hochgradigen Verengung des Arterien-Lumens von bis zu 75 % (Rentería 1976). Diese Erkrankung der Koronararterien ist insofern atypisch, als dass sie durch die schleichende Verengung des gesamten Gefäßes einhergeht und daher durch routinemäßige kardiologische Untersuchungen nicht leicht zu identifizieren ist (Muenzer 2009). Langfristig tragen die kardialen Manifestationen der MPS I zu atrialer und/oder ventrikulärer Volumenüberlastung, ventrikulärer Dilatation, ventrikulärer Hypertrophie und schließlich zu systolischer und diastolischer Dysfunktion bei (Hampe 2020).

Kardiorespiratorisches Versagen zählt zu den häufigsten Todesursachen bei MPS-Patienten. (Muenzer 2004)

Herzerkrankung und der Verdacht auf MPS I

Es gibt viele Ursachen für Herzerkrankungen bei Kindern, was die Diagnosestellung erschweren kann. Treten jedoch zusätzlich zu den kardialen Beschwerden (z. B. Herzklappenerkrankung, Kardiomyopathie, Aortopathie, koronare Herzkrankheit, Fibroelastose) weitere, möglicherweise auch unspezifische Symptome auf, sollte die Diagnose MPS I abgeklärt werden. Zu den Symptomen, die auf eine MPS I in Zusammenhang mit kardialen Beschwerden hindeuten, zählen (Boffi 2018):

  • Skelettale Veränderungen (Gibbus, Kyphose, Deformation der Wirbelsäule, Hüftdysplasie)
  • Hernien
  • Häufige oder rezidivierende respiratorische Infektionen

Unbehandelt können kardiale Komplikationen zu einer erhöhten Mortalität beitragen (Braunlin 2011). Aus diesem Grund ist es von besonderer Bedeutung, MPS I-Patienten frühzeitig zu diagnostizieren, um ein optimales therapeutisches Management der Erkrankung zu ermöglichen. Der Verdacht sollte immer abgeklärt werden.

Zur Diagnosestellung empfiehlt sich die Bestimmung der Enzymaktivität z.B. mittels Trockenbluttest und bei bestätigter Diagnose ist eine Überweisung an ein spezialisiertes MPS I-Zentrum sinnvoll.

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Quellennachweise

Beck M et al. Genet Med 2014;16(10):759-765
Boffi L et al. Ital J Pediatr 2018;44(Suppl 2):100-105
Braunlin EA et al. J Inherit Metab Dis 2011;34(6):1183-1197
Hampe CS et al. Cells 2020;9(8)
Muenzer J et al. Pediatrics 2009;123(1):19-29
Neufeld E et al. (Hrsg.). McGraw-Hill, New York, 2001;3421-3452
Rentería VG et al. Am J Cardiol 1976;38(4):487-501
Thomas JA et al. J Inherit Metab Dis 2010;33(4):421-427
Muenzer J  Pediatr 2004;144:S27–S34

*Bildquellen:
Bild Herzecho: © Adobe / CasanoWa Stutio

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