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Therapie Mukopolysaccharidose Typ I (MPS I)

Zur Behandlung von MPS I stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung:

  • kausale Therapie (Infusion)
  • Knochenmarktransplantation
  • symptomatische unterstützende Therapien

Ersatz des fehlenden Enzyms
Seit Sommer 2003 steht eine Infusionstherapie zur spezifischen Behandlung von MPS I zur Verfügung. Die Therapie ist zugelassen zur Langzeitbehandlung von allen Patienten, die an MPS I leiden. Durch die Infusionen mit dem fehlenden Enzym Iduronidase werden angereicherte Glykosaminoglykane (GAG) abgebaut und aus dem Körper entfernt. Außerdem verhindert das Ersatzenzym die weitere Ansammlung von Glykosaminoglykanen. Dadurch verbessern sich bei den Patienten die Organfunktionen, die Beweglichkeit der Gelenke und die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt zu.

Regelmäßige Enzyminfusionen können den gesamten Gesundheitszustand des Patienten dauerhaft verbessern und das Fortschreiten der Krankheit aufhalten.

Wie alle körpereigenen Substanzen, wird auch das zugeführte Enzym immer wieder abgebaut. Daher müssen MPS I-Patienten ihr ganzes Leben lang in regelmäßigen Abständen Infusionen bekommen.

Kinder und Jugendliche mit verzögerten Verlaufsformen ohne Beteiligung des zentralen Nervensystems, bei denen MPS I frühzeitig diagnostiziert und rechtzeitig therapiert werden kann, haben trotz ihrer chronischen Erkrankung eine verbesserte Zukunftsperspektive. Durch die regelmäßige Zufuhr des Ersatzenzympräparates können Glykosaminoglykan-Ablagerungen vermindert werden und damit verbundene Organ- und Knochenschädigungen verringert oder sogar verhindert werden.

Auch kleine Patienten mit der schwersten Verlaufsform, MPS I-Hurler, profitieren von der Infusionstherapie. Ihr Allgemeinzustand verbessert sich deutlich, sie sind aktiver, können wieder besser atmen und leiden weniger häufig unter Infekten. Durch die Behandlung mit der Infusionstherapie verbessert sich ihre Lebensqualität erheblich und damit auch die ihrer Angehörigen.

Knochenmarktransplantation
Für die schwerste Verlaufsform der MPS I steht bisher neben der Infusionstherapie die Knochenmarktransplantation als Therapiemöglichkeit zur Verfügung. Das betrifft allerdings nicht die Verlaufsformen, die weniger schwer verlaufen und später im Kindesalter auffällig werden. Bei diesen Patienten wird aufgrund der Nebenwirkungen, die bei Knochenmarktransplantationen auftreten können, nur die Infusionstherapie als kausalen Therapie eingesetzt.

Eine Knochenmarktransplantation kann den Krankheitsverlauf bei MPS I günstig beeinflussen. Der Eingriff ist bei Kindern unter zwei Jahren, bei denen das zentrale Nervensystem weniger stark von den Ablagerungen betroffen ist, besonders erfolgversprechend. Zudem muss ein geeigneter Spender vorhanden sein. Verläuft die Behandlung erfolgreich, wird der Krankheitsverlauf deutlich gemildert:

  • Die geistige Entwicklung kann auf dem Niveau gehalten werden, das zur Zeit der Transplantation gegeben war,
  • die Vergrößerung von Leber und Milz geht zurück,
  • die Sehfähigkeit und das Hörvermögen bessern sich.

Schwere Skelettveränderungen, die sich im Verlauf der Erkrankung entwickeln, können durch die Knochenmarktransplantation oft jedoch nicht rückgängig gemacht werden oder ausreichend postiv beeinflusst werden.

Da eine Knochenmarktransplantation in vielen Fällen mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist, sollten sich die Eltern umfassend mit den behandelnden Ärzten beraten, um eine fundierte Entscheidung für oder gegen den Eingriff treffen zu können.

Um den Patienten vor möglichen Organschädigungen bis zur Ermittlung eines geeigneten Spenders zu schützen oder zur Stabilisierung bis zum Transplantationszeitpunkt kommt in vielen Fällen die Infusionstherapie zum Einsatz.

Symptomatische Therapie
Die Behandlung der MPS I Erkrankung erfolgte bis vor wenigen Jahren rein symptomatisch. Damit können Lungen- und Herz-Kreislauf-Komplikationen, Skelettveränderungen, Ausgleich des  Hör- und Sehverlustes, der Magen-Darm-Beschwerden u. a. unterstützend behandelt werden. So lässt sich für die betroffenen Patienten und Familien ein deutlicher Zugewinn an Lebensqualität erzielen. Auch unter Anwendung spezifischer Therapien wie der Infusionstherapie oder der Knochenmarktransplantation hat die unterstützende symptomatische Therapie an Bedeutung nicht verloren. Alle Therapieformen können sich ergänzen und sollten im Einzelfall geprüft und ermittelt werden.

Karpaltunnelsyndrom
(Einengung des Nervs im Bereich des Handgelenks)
Bei vielen Patienten lässt sich durch eine operative Druckentlastung des Mittelhandnervs eine vollständige oder teilweise Wiederherstellung der Handbeweglichkeit erreichen. Mit einem optimalen Therapieerfolg kann nur gerechnet werden, wenn diese Druckentlastung vor Eintritt einer schweren Nervenschädigung erfolgt.

Wasserkopf
Bei einem stark ausgeprägten Wasserkopf sorgt eine Drainage (Ableitung von Hirnwasser) für Entlastung.

Nasen-, Rachen-, Atem- und Lungenprobleme
Bei manchen MPS I-Patienten trägt die Entfernung der Gaumen- und Rachenmandeln dazu bei, dass sie weniger häufig unter Mittelohrentzündungen oder häufig wiederkehrenden Infektionen der Lunge leiden. In einem Schlaflabor kann geprüft werden, ob der MPS I-Patient nachts an Atemaussetzern (Schlafapnoe) leidet. Auch bei Schlafapnoe ist es anfangs ausreichend, Mandeln und Polypen entfernen zu lassen. Dadurch wird die Verengung der Atemwege verringert, der Schleim kann besser abfließen und die Kinder können besser atmen.

Manchmal verordnet der Arzt auch spezielle Atemmasken (CPAP-Masken), die nachts getragen werden und den Patienten beatmen, sobald eine Atempause gemessen wird. So wird verhindert, dass der Sauerstoffgehalt im Blut nachts absinkt. Manche Kinder haben anfangs Schwierigkeiten, eine Maske zu tragen, meist gewöhnen sie sich aber schnell daran.

Herz
Eine Schädigung der Herzklappen kann durch eine künstliche Herzklappe behandelt werden.

Augen
Bei manchen MPS I-Patienten mit leichten bis mittelschweren Hornhauttrübungen sind Hornhauttransplantationen erforderlich. Allerdings weisen die Transplantate mit der Zeit erneut Trübungen auf. Bei Lichtempfindlichkeit schützen Schildmützen, breitkrempige Hüte oder Sonnenbrillen die Augen vor zu hellem Licht.

Gehör
Um den Gehörgang ausreichend von Schleim zu befreien oder die Belüftung wieder herzustellen, kann durch einen kleinen Schnitt ins Trommelfell eingedickte Flüssigkeit abgesaugt werden, oder ein „Paukenröhrchen“ eingelegt werden, über das das Sekret ständig abfließen kann. Manchmal hilft auch die Entfernung von Gaumen- und/oder Rachenmandeln, um Druck auf die Eustachische Röhre und damit Sekretansammlung, Entzündungen und Schwerhörigkeit zu verhindern. Einigen schwerhörigen MPS I-Patienten werden Hörgeräte verordnet.

Leber und Milz
Die Vergrößerung von Leber oder Milz wird meist nicht behandelt, da sie normalerweise keine schwerwiegenden Probleme bereitet.

Nabel- und Leistenbrüche
Leistenbrüche müssen in der Regel operiert werden, da die Gefahr besteht, dass Teile des Darms sonst eingeklemmt werden könnten. Nabelbrüche werden nur behandelt, wenn sie übermäßig groß sind und zu Beschwerden führen.

Mund und Zähne
Vor allem bei MPS I-Hurler-Kindern haben die Zähne weite Abstände und sind besonders kariesanfällig. Intensive Zahnpflege ist unbedingt erforderlich. Falls das Trinkwasser nicht genügend Fluor enthält, sollte der Patient täglich Fluortabletten erhalten. Wenn das Kind bereits Herzprobleme hat, ist es notwendig, vor und nach einer Zahnbehandlung Antibiotika zu geben, weil dabei Keime vom Mund in den Blutstrom gelangen und eine Entzündung der Herzklappe verursachen können. Wenn Zähne unter Narkose gezogen werden müssen, dann sollte dies nur im Krankenhaus unter der Aufsicht eines mit MPS I vertrauten Narkosearztes durchgeführt werden.

Verdauungsprobleme
Bei manchen MPS I-Patienten hilft eine Ernährungsumstellung gegen Unregelmäßigkeiten bei der Verdauung.

Skelettsystem
Verengungen der Wirbelsäule im Nackenbereich können zum Teil durch eine Operation verbessert werden. Eine Stabilisierung der Wirbelsäule kann bei Kleinkindern z.B. durch den Einsatz eines Korsetts positiv beeinflusst werden. Durch Ablagerung von Speichersubstanz in bindegewebigen Anteilen nahe dem Rückenmark kann das Rückenmark eingeengt werden. Die Einengung des Rückenmarkkanals muss frühzeitig erkannt werden, da durch den zunehmenden Druck Gehirn und Rückenmark irreversibel geschädigt werden können. Verdicktes Bindegewebe muss so schnell wie möglich operativ entfernt werden.

Gelenke
Physiotherapeutische Übungen zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit haben sich für eine Erhaltung der Gelenkfunktion als sinnvoll erwiesen und sollten frühzeitig begonnen werden. Durch die Übungen kann eine Verschlechterung der Beweglichkeit hinausgezögert werden. Bei schweren Beeinträchtigungen der Gelenke können orthopädische Eingriffe oder Gelenkersatz notwendig werden.

Mehr Informationen hierzu unter: www.mps-ev.de oder www.genzyme.de

 

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